Vorhalle - das Dörfchen zwischen Hagen und Wetter

Mike Fiebig und Michael Kleinrensing (Fotos)
Rainer Vels lebt in der Masurenstraße. „Ich bin total schnell in einem Naherholungsgebiet von hier aus.“
Rainer Vels lebt in der Masurenstraße. „Ich bin total schnell in einem Naherholungsgebiet von hier aus.“
Foto: WP Michael Kleinrensing
Wenn Vorhalle so etwas wie einen Stadtteil-Manager bekommen würde, müsste man ihm an seinem ersten Tag eine riesige Spitzhacke ins Willkommenspaket legen. Damit er (Denk-)Mauern damit einschlagen könnte. Mauern, auf denen Adjektive stehen, die dieser Stadtteil einfach nicht verdient: Grau. Sozial schwach. Unsicher.

Hagen-Vorhalle. Wenn Vorhalle so etwas wie einen Stadtteil-Manager bekommen würde, müsste man ihm an seinem ersten Tag eine riesige Spitzhacke ins Willkommenspaket legen. Damit er (Denk-)Mauern damit einschlagen könnte. Mauern, auf denen Adjektive stehen, die dieser Stadtteil einfach nicht verdient: Grau. Sozial schwach. Unsicher. Unser Quartierspaziergang durch den Wohnbezirk Vorhalle-Süd zeichnet ein völlig anderes Bild. Hier zu leben heißt: Vielfalt und Natur pur im Quasi-Dörfchen zwischen Hagen und Wetter.

„Unser Image hat sich gewandelt in den letzten Jahren“

Peter Timm hat den Drinnen-draußen-Blick. Drinnen deshalb, weil er im Vorhaller Süden lebt. Draußen deswegen, weil er vor 25 Jahren eigentlich ungeplant aus Haspe hier hingezogen ist. Sein Identifikationsfaktor mit dem Ortsteil ist und war immer hoch. Er wirkte zum Beispiel im Vorstand des Turn - und Spielvereins mit. Der TSV ist wichtig im Örtchen. Man mischt selbst mit. Oder die Kinder. Oder die Schwiegereltern. Oder alle. Seit über 134 Jahren.

Timm ist Mitglied der Bezirksvertretung Nord. Stadtteil-Starkmacher in vorderster Front sozusagen. „Unser Image hat sich gewandelt in den letzten Jahren“, sagt er. Viele Wohnbereiche seien aufgewertet worden. An der Ecke Brandenburger Straße/In der Imke entstand zuletzt ein kleines Neubaugebiet, in dem sich junge Familien den Traum vom eigenen Heim erfüllten. Wie ohnehin ziemlich viel Neues dazu gekommen ist seit unserem letzten Stadtteilspaziergang vor sechs Jahren.

Menschen in Vorhalle sind stolz auf diesen Platz

Auf dem höchsten Punkt des Stadtteils thront heute eine funkelnagelneue Sportanlage. Die Tartanbahn glänzt. Der Kunstrasen strahlt. Die Kicker von Vorhalle 09 spielen hier oben.
Auch die Blau-Weißen treten hier vor den Ball.

„Das war ein harter Kampf“, sagt Timm. Er ist stolz auf diese Anlage. Wie so viele Menschen in Vorhalle stolz auf diesen Platz sind.

Es mag sein, dass Sportvereine in unserer Stadt es heute nicht leicht haben, weil moderne Sportangebote und Muskel-Buden ihnen schleichend den Rang ablaufen, weil das Internet heute „hipper“ ist, als Turnen, Schwimmen oder Tanzen in der Gemeinschaft und weil der demografische Wandel die Vereine von oben und unten auffrisst. Dennoch: Im Vorhaller Vereinssport ist Musik drin.

Service-Zentrum Sport oder die Wilhelm-Busch-Förderschule?

Seitdem die alte Holzsporthalle in der Nöhstraße nicht mehr genutzt werden kann, ist der Ruf nach dem Bau einer Gymnastikhalle durch den TSV Vorhalle wieder lauter geworden. Dazu kommt die Diskussion um die Weiternutzung des künftig leer stehenden Hauptschul-Komplexes am Vossacker.

Service-Zentrum Sport rein oder die Wilhelm-Busch-Förderschule? „Ich bin für das Servicezentrum“, sagt Peter Timm. Nicht, weil er etwas gegen Förderschulen hat, sondern weil er sich eine Befruchtung und Vitalisierung des TSV Vorhalle dadurch erhofft.

Wir treffen zwei Damen, die man trotz ihres jungen Alters „Originale“ nennen kann. Mirjam Kötter und Annika Becker. Beide 24 Jahre alt, in Vorhalle aufgewachsen und engagiert in Vereinen. „Ich bin hier gerne und sehr schön aufgewachsen, aber demnächst würde ich gern zentrumsnäher leben“, sagt Kötter – und Becker nickt bestätigend mit dem Kopf. Peter Timm wird später sagen: „Aber wenn sie irgendwann Kinder bekommen oder älter werden, dann zieht es sie wieder ins Grüne zurück.“

Natur satt in Hagens Norden

Grün ist das Stichwort, über das sie viel erzählen können, hier im Vorhaller Süden. Höchstens zehn Minuten Fußweg in den Funckenhausener Wald. Zehn Minuten Fußweg in die Auen rund um Aehringhausen und aus der Vogelperspektive ist der Harkortsee ja auch nur einen Katzensprung entfernt. Natur satt in Hagens Norden.

Drei Kurven vom Gut Niederste Hülsberg entfernt hat die Wetteraner Innenstadt sich kräftig aufgemotzt. Für die Bürger in Vorhalle hat das zu erheblichen Verschiebungen in ihrem Einkaufsverhalten gesorgt. Wer heute eine neue, nicht allzu hochpreisige Jeans braucht oder eine große, gut sortierte Drogerie, der rauscht mal eben ins Ruhrcenter rüber – und nicht mehr in die Hagener City.

Das bringt zum einen Kaufkraftnachteile für die Hagener Innenstadt mit sich, raubt aber auch der Vorhaller „City“, wenn man den Bereich der Vorhaller Straße und das bislang nie weiterentwickelte Areal des ehemaligen Aldi-Marktes und des Weyreuther-Geländes so nennen mag, alle Entwicklungschancen. „Hier traut sich so recht niemand heran“, sagt Timm.

Nah zu Erholungsgebieten

In der Masurenstraße treffen wir Rainer Vels. „Vorhalle ist spitze für mich und meine Frau“, sagt er, „wir haben es hier ganz nah zu einigen Erholungsgebieten und es ist herrlich grün.“ Fels wirbelt gerade durch seinen Garten, von denen es viele in den Innenhöfen im Vorhaller Süden gibt. Von wegen graues Revier.

Was dem Südteil Vorhalles ein wenig fehlt, ist ein Vollsortimenter. Netto und Aldi sind im Nordteil zwar vertreten, Peter Timm sieht trotzdem Bedarf für ein weiteres Angebot. „Die alte Halle neben Isserstedt wäre doch zum Beispiel etwas. Die Anbindung wäre optimal.“

Für die Wahrnehmung von Vorhalle, sozusagen als Dorf zwischen den Städten Hagen und Wetter, wäre es übrigens hilfreich, wenn das Schild „Sie verlassen die Stadt Hagen“ nicht bei McDonald’s aufgestellt wäre, sondern dort, wo das Stadtgebiet wirklich endet.