Müller will mehr Macht bei Douglas

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Hagen. Der Drogerieunternehmer und Douglas-Großaktionär Erwin Müller hat mit der Umschichtung der Stimmrechte von einer seiner Gesellschaften auf eine andere, deren Zweck unklar blieb, für neue Unruhe bei dem Hagener Handelskonzern gesorgt.

Eine Douglas-Sprecherin teilte mit, das Unternehmen habe der Veröffentlichung der Pflichtmeldung „nichts hinzuzufügen“. Entscheidend sei, dass sich am Anteilsbesitz der Müller-Gruppe an Douglas in Höhe von 10,81 Prozent nichts geändert habe. Der Drogerieunternehmer kann jedoch seinen Anteil dem Vernehmen nach durch die Wahrnehmung von Optionen bis auf knapp 26 Prozent aufstocken und damit strategische Entscheidungen der Eigentümerfamilie Kreke verhindern.

Müllers Sprecherin Patricia Haub äußerte sich schriftlich zur Anfrage unserer Zeitung: „Wir beziehen uns auf Ihre erste Anfrage vom 8. Februar und Ihre erneute Bitte und teilen Ihnen mit, dass wir uns derzeit zum Thema Douglas nicht äußern möchten.“ Analysten zufolge hat die Umschichtung möglicherweise steuerliche Gründe, wie der Handelsexperte Dr. Jürgen Elfers von der Commerzbank mutmaßte.

Aus der Mitteilung Müllers wurde gestern nicht deutlich, was der Drogerieunternehmer mit Douglas vorhat. Er kündigte laut Veröffentlichung erneut an, innerhalb der nächsten 12 Monate weitere Stimmrechte „durch Erwerb oder auf sonstige Weise“ erlangen zu wollen, strebt aber weiterhin keinen direkten operativen Einfluss auf die Besetzung von Douglas-Gremien an - derzeit, wie Müller betonte. Auch will er keine „wesentliche Änderung der Kapitalstruktur der Douglas Holding“ erreichen.

Nicht nur im Handel wird seit langem über die Motive Müllers gerätselt. Ein Branchenexperte, der nicht genannt werden wollte, bezeichnete dessen Vorgehen im Gespräch mit unserer Zeitung als „Fischen im Trüben.“ Müller wolle die Zusammenarbeit mit Douglas offenbar erzwingen. Das sei in bestimmten Bereichen wie der Logistik „so unklug nicht.“ Eine andere mögliche Erklärung sei, dass Müller raus wolle aus seiner Douglas-Beteiligung und gegenwärtig „zu irgend etwas“ aushole.

Der von Menschen, die ihn kennen, als knorriger Patriarch alter Schule beschriebene Drogerieunternehmer Erwin Müller hat bis jetzt nichts zur Aufhellung seiner Absichten bei Douglas mit seinen Parfümerien (Douglas), Buchhandlungen (Thalia), Schmuckgeschäften (Christ), Modeläden (Appelrath-Cüpper) und Confiserien (Hussel) beigetragen. Weder vor noch während der Hauptversammlung der Douglas Holding im März in Essen äußerte er sich.

Alles tappt im Dunkeln

Douglas-Vorstandschef Dr. Henning Kreke, der derzeit prüft, den Konzern mit Hilfe von Finanzinvestoren von der Börse zu nehmen hatte bei der Gelegenheit betont, die Beweggründe Müllers für dessen Transaktionen nicht zu kennen. Er habe lediglich die Absicht geäußert, eine gemeinsame Einkaufs- und Logistikplattform mit den Douglas-Parfümerien zu bilden. Dies sei aber nicht sinnvoll.

Henning Kreke hält mit seinem Vater, Aufsichtsratschef Dr. Jörn Kreke, 12,7 Prozent an dem Unternehmen. Größter Aktionär ist die Oetker-Gruppe mit 25,8 Prozent.

 
 

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