Börse setzt auf Übernahmekampf

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Hagen. Der Paukenschlag vom vergangenen Freitag sitzt. Die Douglas-Eigentümerfamilie Kreke muss sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass neben ihr und dem strategisch verbündeten Großaktionär Oetker künftig ein ungeliebter neuer Partner bei dem Hagener Handelskonzern das Sagen hat und Vorstandschef Henning Kreke das Leben schwer macht: der Ulmer Drogerieunternehmer Erwin Müller.

Dann nämlich, wenn er seinen Anteil von derzeit 10,81 Prozent an Douglas auf 26,35 Prozent aufstocken würde. Die Möglichkeit dazu hat Müller laut seiner Pflichtmitteilung vom Freitag offenbar - danach könnten ihm in nächster Zeit weitere 15,55 Prozent angedient werden. Mit einer Sperrminorität, die ab 25 Prozent gilt, könnte er künftig alle wichtigen Entscheidungen torpedieren - auch Krekes Pläne, Douglas mit Hilfe von Finanzinvestoren von der Börse zu nehmen.

„Eine schwierige Situation“ kommentiert Commerzbank-Analyst Dr. Jürgen Elfers. Müller verhindere den Börsenrückzug von Douglas und schrecke Finanzinvestoren ab. Diese wollen dem Vernehmen nach jetzt selbst mit Müller sprechen - ein Gesichtsverlust für Kreke. „Vorstandschef Henning Kreke ist in keiner komfortablen Lage. Wenn Müller die 26 Prozent hat, muss er ihn konsultieren.“

Das dürfte Kreke schwerfallen, wollte er den 79-jährigen Drogerieunternehmer, der seinen Einfluss bei Douglas seit 2009 Schritt für Schritt ausgebaut und Kreke bereits „strategische Fehler“ vorgeworfen hat, doch eigentlich loswerden. Elfers sieht denn auch „große Unterschiede“ in der Unternehmensphilosophie beider Häuser, kritisiert aber auch „die brüske Art“, mit der Henning Kreke gegen Müller vorgegangen sei. „Das war nicht hilfreich.“

„Schwer vorstellbar“ ist es daher für den Analysten, dass Müller ein Zweckbündnis mit Oetker schließen könnte, um auf über 50 Prozent der Anteile zu kommen. „Er wird aber auf den Douglas-Hauptversammlungen kritische Stimmung erzeugen wollen.“

Die direkt Beteiligten hüllen sich in Schweigen. Bei Douglas wollte man auf Anfrage nichts über die Mitteilung vom Freitag hinaus sagen, Oetker-Pressesprecher Dr. Schillinger wies auf die langjährige Praxis des Unternehmens hin, das gesamte Douglas-Spektrum nicht zu kommentieren, und die Drogeriekette Müller ließ eine schriftliche Anfrage unbeantwortet.

Derzeit steht aber noch alles in den Sternen. Das Bundeskartellamt hat angekündigt, eine Beteiligung Müllers von über 25 Prozent erst prüfen zu wollen. Eine Anmeldung von Plänen zur Aufstockung liege aber nicht vor. Börsianer setzen offenbar auf einen Übernahmekampf zwischen den Familien Kreke und Müller, die leicht zu einer Schlammschlacht werden könnte. Die Douglas-Aktie zog gestern deutlich an.

 
 

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