Stadt zahlt hohen Preis für ein stilles Örtchen

Foto: NRZ

Hagen-Mitte.. Die neuen Toiletten im Volkspark kommen. Der Preis dafür ist hoch. Zwar nicht im finanziellen Sinne, aber im optischen: Sieben große Werbetafeln darf die Deutsche Städte Medien (DSM) errichten, weil sie die WCs zehn Jahre lang betreibt und unterhält.

Eine Zierde für das Stadtbild sind die Werbeanlagen (Typ „City Star“) nicht – darin sind sich die Politiker in der Bezirksvertretung Mitte einig. Zehn Standorte für die Plakatflächen bietet die Verwaltung der DSM zur Auswahl an. Fünf davon in der Innenstadt (Heinitzstraße in Höhe der Arndtstraße, Märkischer Ring, Körnerstraße, Feithstraße und Bergischer Ring), fünf weitere in Haspe. Allerdings zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Hasper Bezirksvertreter in ihrer heutigen Sitzung dem Aufstellen von weiteren Werbewänden in ihrem Stadtteil nicht zustimmen werden. Zumal eine Toilettenanlage, die DSM in Haspe betreibt, geschlossen wird. Also müssen zwei weitere Standorte in der Innenstadt gefunden werden, gegen die auch aus städtebaulicher und unter Verkehrssicherheitsaspekten keine Einwände bestehen.

Mit Bauchschmerzen stimmten die Bezirksvertreter zu. „Bald fährt man in die Innenstadt hinein und sieht nur noch Werbung“, so Melanie Purps (CDU). Und auch Grünen-Vertreter Jürgen Klippert machte deutlich: „Das ist optische Umweltverschmutzung.“

Ohne Werbetafeln kein öffentliches Klo

Baudezernent Thomas Grothe betonte aber noch einmal, dass es ohne Werbeflächen kein öffentliches Klo gebe. „Wenn die Bezirksvertretung beschließt, dass sie diese Standorte nicht will, dann ist das Projekt tot.“

Futsch wären dann auch die 120 000 Euro aus dem Konjunkturpaket II, mit denen der Neubau der Toilettenanlage finanziert werden soll. „So kurzfristig können wir das Geld nicht für ein anderes Projekt nutzen“, so Grothe.

Sinken wird künftig die Qualität der Beratung in den politischen Gremien. Denn wenn der Fachbereich Planen und das Bauordnungsamt zur Einheit „Stadtentwicklung, -planung und Bauordnung“ zusammengefasst werden, ist das verbunden mit einer einem erheblichen Personalabbau. „Künftig habe ich nur noch 51 statt 65 Mitarbeiter“, so Thomas Grothe, der feststellte, dass die Mehrzahl der Vorlagen von diesen Fachbereichen erstellt werde. „Damit kann ich den Standard bei der Betreuung der Bezirksvertretungen und in Ausschüssen nicht halten.“ Projekte wie der Stadtteilumbau West oder Soziale Stadt Wehringhausen könnten ebenfalls kaum mehr bearbeitet werden.

„Politische Gremien müssen anständig beraten, bevor sie entscheiden.“

Während Grünen-Vertreterin Hildegund Kingreen von einem „Demokratieabbau“ sprach, machte Bezirksbürgermeister Jürgen Glaeser (CDU) deutlich: „Wenn Fragen zu Vorlagen nicht mehr beantwortet werden, lasse ich sie zurück an die Verwaltung gehen. Politische Gremien müssen anständig beraten werden, bevor sie entscheiden.“

Für das Bettermann-Gelände (Rembergstraße/Ecke Märkischer Ring) hat sich ein Investor gefunden. Er will auf dem Areal einen befestigten Parkplatz anlegen und auch - zumindest kleinere städtebauliche Akzente setzen.

 
 

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