Stadt Hagen von Schenker-Stellenverlagerung überrascht

Die Spedition Schenker wird mehr als 100 Arbeitsplätze aus Hagen verlagern.
Die Spedition Schenker wird mehr als 100 Arbeitsplätze aus Hagen verlagern.
Foto: Michael Kleinrensing
  • Spedition Schenker wird wohl knapp die Hälfte der Stellen in Hagen abbauen
  • Stadt war vorab nicht informiert, obwohl Wirtschaftsförderung vor Ort war
  • Bislang war Ausbau des Standortes Hagen als Strategie verkündet worden

Hagen.. Der „schwarze Herbst“ in Hagen wird noch finsterer: Nach den in diesen Monaten vollzogenen Wegzügen von Douglas, Nordwest und Teilen von Putsch mit rund 850 Arbeitsplätzen kommt nun die Stellenverlagerung beim Speditionsunternehmen Schenker hinzu. In der Summe werden es dort wohl bis zu 150 sein, womit Hagen in diesem Herbst den Wegzug von etwa 1000 Arbeitsplätzen verkraften muss.

Die Stadt Hagen ist im Vorfeld nicht über die Umstrukturierungspläne bei Schenker informiert worden. Dementsprechend konnten auch keine Alternativen für das nach Schenker-Angaben „nicht mehr optimale“ Betriebsgelände an der Berliner Straße 14 in Haspe angeboten werden.

Lager und Sondergeschäfte bleiben

Wie gestern berichtet, werden entscheidende Teile des bisherigen Standortes nach Lüdenscheid und Dortmund verlagert. Unternehmenssprecher Thomas Meffert konkretisierte gestern die Zahl der betroffenen Mitarbeiter. Demnach sind zunächst einmal noch mehr von der Umstrukturierung betroffen. Denn allein der Bereich Landverkehr, der komplett an den Standort Lüdenscheid verlagert werden soll, hat 157 Mitarbeiter. Hinzu kommt der Bereich Messen und Spezialverkehre mit 20 Mitarbeitern, der nach Dortmund wechselt. Insgesamt also 177 Mitarbeiter.

Allerdings, so Firmensprecher Meffert, würde sich ein Teil der 157 Mitarbeiter aus dem bisherigen Bereich Landverkehr künftig in Hagen zum einen um den Bereich „Logistik mit Transportvolumen“/Lager und zum anderen um Sondergeschäfte kümmern. „Wie viele das sein werden, kann ich aktuell aber nicht sagen.“

83 Schenker-Mitarbeiter bleiben in Hagen

Unterm Strich bleibt also: Von den aktuell 258 Schenker-Mitarbeitern auf Hagener Stadtgebiet werden 83 sicher in Hagen bleiben. Das sind die 51 Mitarbeiter an dem Luftfracht-Standort im Lennetal am Haus Busch und 32 von der Schenker-Tochter Transa, die von der Fehrbelliner Straße nach Haspe zieht. Hinzu kommt eine noch nicht bekannte Zahl von Mitarbeitern im Bereich Lager und Sondergeschäfte. Sie sollen alle auf dem bisherigen Firmengelände der Nordwest AG arbeiten – das benachbarte Schenker-Gelände an der Berliner Straße 14 will die Deutsche-Bahn-Tochter nicht weiter anmieten.

Dass Schenker erst im Jahr 2014 das Firmengelände von Nordwest gekauft hatte und der Geschäftsstellenleiter damals noch davon gesprochen hatte, dass man sich am Standort Hagen so die „Chancen auf Wachstum“ sichere, will Firmensprecher Meffert nicht als Strategie-Wechsel werten: „Hier geht es um Immobilienmanagement.“

Verkehrsanbindung nicht ausschlaggebend

Die Verkehrsanbindung in Haspe – der jetzt aufgewertete Standort in Lüdenscheid liegt ganz nah an der A 45 – habe nicht den Ausschlag gegeben: „Es lag an dem Firmengelände, das wir nicht mehr anmieten wollen“, sagt Meffert. Natürlich habe man auch analysiert, ob die Konzentration der Landverkehre, die nun in Lüdenscheid erfolgt, auch in Hagen möglich gewesen wäre: „Wir haben dann aber die für uns sinnvollste Option gewählt.“

Die Stadt hatte indes keine Chance, diese Optionen im Sinne Hagens zu beeinflussen. Im Jahr 2013 und im Jahr 2015 hatte die städtische Wirtschaftsförderung der Hagen-Agentur Schenker in relativ dichter Abfolge besucht. Bei beiden Terminen, so Oberbürgermeister Erik O. Schulz , sei – ebenso wie bei seinem Wahlkampfbesuch 2014 – noch die Strategie der Stärkung des Standortes Berliner Straße vorgestellt worden.

"Es habe nicht an Unterstützung der Stadt gefehlt"

Bei den jetztigen Umstrukturierungsplänen sei die Stadt nicht vorab informiert worden. Erst gestern telefonierte Schulz dann mit dem Schenker-Geschäftsstellenleiter: „Er hat mir versichert, dass Schenker den Wirtschaftstandort Hagen nicht generell in Frage stellt. Und er hat betont, dass es nicht an Unterstützung der Stadt gefehlt habe.“

 
 

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