St.-Johannes-Hospital in Hagen bietet neue Behandlung gegen Bluthochdruck

Martin Weiske
Chefarzt Dr. Gisbert Gehling (Kardiologie) präsentiert den Katheter, mit dem der Eingriff durchgeführt wird.
Chefarzt Dr. Gisbert Gehling (Kardiologie) präsentiert den Katheter, mit dem der Eingriff durchgeführt wird.
Foto: Michael Kleinrensing
Volkskrankheit Bluthochdruck – 30 Millionen Deutsche sind betroffen. Es drohen Nierenerkrankungen oder gar Herzinfarkte. Risiken, die durch Medikamente oft nur gelindert werden können. Die kardiologische Klinik des St.-Johannes-Hospitals in Hagen bietet nun ein neues Behandlungsverfahren.

Hagen. Hier bietet jetzt die kardiologische Klinik des St.-Johannes-Hospitals in Form eines wenig belastenden, ambulanten Eingriffs ein neues Behandlungsverfahren an, das den Patienten ein Stück ihrer Ängste nimmt und damit vor allem Lebensqualität zurückbringt.

Moderne Spitzenmedizin direkt vor der Haustür. „Ich will keineswegs die Hoffnung fördern, dass der Eingriff zu einer vollständigen Heilung führt“, türmt der Boeler Chefarzt Dr. Gisbert Gehling gar keine utopischen Luftschlösser auf, „aber wir können mit dem Verfahren häufig den gewünschten Blutdruck-Zielwert tatsächlich erreichen und der Patient seinen Medikamentenkonsum entsprechend reduzieren.“

Zielwert oft nicht erreichbar

Denn genau dort liegt der Kern des Problems. Trotz zahlreicher blutdrucksenkender Substanzen, die aktuell auf dem Markt zu finden sind, gelingt es im Rahmen einer Bluthochdrucktherapie in Deutschland nur in den wenigsten Fällen, die optimalen Zielwerte auch zu erreichen. „Selbst bei intensiver Behandlung mit Kombinationen mehrerer Medikamente und Substanzen sind mehr als 85 Prozent der Patienten nicht zielgerecht einzustellen“, erläutert Gehling. In diesen Fällen von so genanntem behandlungsresistenten Bluthochdruck eröffnet ein zukunftweisendes Verfahren, das erst seit zwei Jahren von den Universitätskliniken in die klassische Krankenhauswelt getragen wird, neue Therapiechancen: die Nierennervenverödung.

Dabei schiebt Dr. Gehling mit seinem Team am St.-Johannes-Hospital über die Leisten- und Bauchschlagader ein schmales Instrument durch die Blutbahnen bis in die Nierenader. Der Kopf des aufspreizbaren Gerätes wird dann exakt an der Aderwand platziert, aufgespannt und über ein externes Steuergerät an mehreren Punkten erwärmt. Dabei entstehen Temperaturen zwischen 60 und 70 Grad, die die netzartig um die Ader verlaufenden Nerven zerstören.

„Das muss man sich vorstellen wie bei einem Plastikfaden, der in einer Kerzenflamme zusammenschmurgelt“, erklärt der Chefarzt der Kardiologie, wie die Verbindung zum Gehirn gekappt wird. „Diese Verödung wird in zwei Zyklen pro Niere ringförmig durchgeführt und dauert jeweils etwa zwei Minuten.“ Der gesamte Eingriff ist somit nach maximal einer halbe Stunde erledigt, und der Patient kann noch am gleichen Tag wieder ganz normal agieren.

Effekt erst nach Wochen spürbar

Allerdings stellen sich die Blutdruck-Effekte nicht sofort, sondern meist erst nach sechs bis acht Wochen ein. Dann jedoch mit durchaus beeindruckendem Erfolg: Der systolische Wert (obere) geht meist um 25 bis 30 Prozent runter, der diastolische Wert (untere) ist um 10 bis 15 Prozent senkbar. Damit lässt sich die Medikamentendosis der Blutdruckpatienten deutlich reduzieren, in wenigen Fällen kann sogar ganz auf Tabletten verzichtet werden.

„Natürlich sind wir froh, mit dieser Methode eine neue Waffe im Kampf gegen den Bluthochdruck in der Hand zu haben“, betont Gehling aber im gleichen Atemzug, dass dieses Verfahren für Menschen reserviert sei, bei denen aufgrund einer Resistenz die üblichen Behandlungsverfahren nicht anschlügen. „Allerdings kann die Nierennervenverödung nie der Ersatz für eine disziplinierte Medikamenteneinnahme sein.“