Spitzenplatz für die Hagener Putzkolonnen

Die städtischen Reinigungskräfte arbeiten in Hagen besonders effektiv.
Die städtischen Reinigungskräfte arbeiten in Hagen besonders effektiv.
Foto: WAZ FotoPool

Hagen.. Ritterschlag für die etwa 330 Reinigungskräfte bei der Hagener Gebäudewirtschaft (GWH): Im kommunalen Vergleich belegt Hagen in puncto Qualität und Kosten einen einsamen Spitzenplatz. Das ergab die Untersuchung eines externen Gutachters.

Die schon seit Jahrzehnten immer wieder thematisierte Privatisierung der Gebäudereinigung wurde durch den Bericht der Zukunftskommission in den vergangenen Wochen wieder in den Mittelpunkt der Spardiskussion gerückt. Obwohl bereits der jüngste Bericht der Gemeindeprüfungsanstalt NRW deutlich machte, dass die kommunalen Putzkolonnen relativ effektiv aufgestellt sind und natürlich auch die Arbeitnehmervertreter auf einen Erhalt der sozialversicherungspflichtigen Stellen pochen, glaubt Oberbürgermeister Jörg Dehm – sekundiert durch die CDU/FDP-Koalitionäre – weiter daran, durch eine schrittweise Privatisierung die Kostenschraube weiter anziehen zu können.

Ein Trugschluss, wie Dr. Georg Schulz (Unternehmensberatung für Facility Management – Partner von Trust & Competence/Dortmund) in seinem jetzt vorgelegten Ergebnisbericht feststellt. „Im kommunalen Vergleich belegt die Stadt Hagen eine Spitzenposition“, bewertet der Gutachter die Reinigungsleistung, „die Leistungswerte vergleichbarer Kommunen liegen weit unter den Vorgaben der Stadt Hagen.“ Ein Urteil, das namhafte CDU-Vertreter am Rande der jüngsten Sitzung des GWH-Betriebsausschusses in drastischer Diktion zu der argwöhnischen Frage verführte, wer denn ausgerechnet diesen Gutachter ausgesucht habe. Antwort: Der Oberbürgermeister persönlich – dem Vernehmen nach aus alter Dinslakener Verbundenheit . . .

Weitere Kostenoptimierungen gehen auf Kosten der Qualität

Bei der Beschreibung des Hagener Ist-Zustandes kommt der Trust & Competence-Experte nach der Untersuchung von 23 exemplarisch ausgesuchten städtischen Immobilien zu dem Fazit: „Betrachtet man die Reinigungshäufigkeit, ist es verwunderlich, wie hoch der tatsächliche Reinigungszustand vor Ort ist. Alle besichtigten Objekte wiesen einen guten Zustand bezüglich der Reinigung aus. Es liegt hier die Vermutung nahe, dass die Reinigungskräfte wesentlich mehr leisten als vorgegeben wird.“ Daher kommt die Untersuchung auch zu dem Schluss, dass an dieser Stelle alle weiteren Kostenoptimierungsversuche zur einer Qualitätsverschlechterung führen müssten.

Die hohe Effektivität der städtischen Gebäudereinigung spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Während von Trust & Competence bei bisherigen Untersuchungen bei den Quadratmeter-Reinigungspreisen ein Optimalwert (Benchmark) von 13,58 Euro ermittelt wurde, liegt die Eigenreinigung in Hagen gerade einmal bei 11,83 Euro/qm. Dennoch macht der Gutachter Einsparpotenziale von gut 30 Prozent durch die Beschäftigung von Fremdfirmen aus. Das sei vor allem den höheren GWH-Tariflöhnen sowie den Personalkostenaufschlägen geschuldet.

Lohnniveau kaum höher als bei soliden Privatfirmen

„Natürlich haben wir gegen private Gebäudereiniger, die Niedriglöhne zahlen, keine Chance“, weiß auch Personalratvorsitzender Günter Brandau. „Inzwischen ist aber das Arbeitnehmer-Entsendegesetz zu berücksichtigen“, erinnert er daran, dass inzwischen nur noch Firmen berücksichtigt werden dürften, die unternehmerische Mindeststandards erfüllen und somit keineswegs mehr unschlagbar günstig seien. „Mit den künftigen Neueinstellungen in der Entgeltgruppe 1 TVöD liegen wir mit den privaten Anbietern nahezu identisch, so dass eine Privatisierung wirklich keinen Sinn macht“, bilanziert Brandau. Bis zur Oktober-Sitzung des Ausschusses will der Personalrat zudem an einer Lösung mitarbeiten, die Kosten für Aushilfen im Krankheits- und Urlaubsfall zu senken. Vor diesem Hintergrund fordert der Personalratsvorsitzende den Oberbürgermeister auf, die Privatisierungsdiskussion rund um die Gebäudereinigung endgültig zu beenden.

Übrigens: Das auf Anweisung von Oberbürgermeister Dehm durch die GWH beauftragte Gutachten bei Trust & Competence kostet die Stadtkasse etwa 15 000 Euro. Von diesem Betrag ließen sich gut 1200 Quadratmeter Gebäudefläche durch städtische Kräfte ein Jahr lang reinigen – und das auch noch mit jetzt gutachterlich attestierter Spitzeneffektivität.

 
 

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