SPD will zukünftig Hagens Ersten Bürgermeister stellen

Timo Schisanowski fordert für die SPD den Posten des Ersten Bürgermeisters.
Timo Schisanowski fordert für die SPD den Posten des Ersten Bürgermeisters.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Da droht Streit: Die Hagener SPD will als stärkste Fraktion künftig den Ersten Bürgermeister stellen. Amtsinhaber Hans-Dieter Fischer (CDU) müsste zurück ins zweite Glied.

Hagen.. Die Hagener SPD beansprucht in der neuen Legislaturperiode den Posten des Ersten Bürgermeister, mit dem natürlich auch wieder Amtsinhaber Hans-Dieter Fischer (CDU) kokettiert, diesmal für einen Vertreter aus Reihen der Genossen. „Die CDU hat in der Vergangenheit immer den politischen Grundsatz hochgehalten, dass die stärkste Ratsfraktion den Stellvertreter des Oberbürgermeisters bei repräsentativen Auftritten stellt“, erinnert der SPD-Unterbezirksvorsitzende Timo Schisanowski. „Daran wird die Union sich messen lassen müssen“, betont der Parteichef angesichts der Tatsache, dass die Hagener Wähler seine Sozialdemokraten nach 20 Jahren wieder zur stärksten Fraktion im Rat gemacht haben.

Am kommenden Mittwoch wird der SPD-Unterbezirksausschuss der Ratsfraktion einen Vorschlag für diese Personalie vorlegen. Dass es sich dabei um den in der Stichwahl unterlegenen OB-Kandidaten Horst Wisotzki handeln könnte, mochte Schisanowski nicht bestätigen: „Am Ende wird die Fraktion über diese Personalie bei ihrer Klausurtagung am letzten Juni-Wochenende im sauerländischen Eslohe entscheiden.“

Vertrauensbeweis nutzen

Insgesamt möchte Schisanowski „den starken Vertrauensbeweis aus der Wählerschaft“ nutzen, um die Politik im Rat mit sozialdemokratischer Handschrift deutlich mitzugestalten. Partei und Fraktion hätten ein hohes Interesse daran, dass in den neuen Rat mit zehn parteipolitischen Strömungen ein politisches Klima entstehe, das ein parteiübergreifendes Miteinander ermögliche: „An diesem Prozess möchten wir uns aktiv und federführend beteiligen. Natürlich sprechen wir mit allen Lagern – außer mit ProNRW.“

Dabei nimmt Schisanowski durchaus wahr, dass die CDU/Grüne/FDP-Oberbürgermeister-Allianz um Erik O. Schulz, die ursprünglich nie als Vorbote einer parteipolitischen Achse im Rat verstanden werden wollte, inzwischen auch inhaltlich näher zusammenrückt. Auffallend sei, dass in steigender Frequenz sich Mandatsträger aus dem Dreier-Bündnis ihre Wertschätzung versichern, die sich bislang eher gegenseitig des Vollpfostentums bezichtigten, und plötzlich in Köpfen beachtenswerten Sachverstand entdecken, wo bis vor wenigen Wochen noch gerne intellektuelles Vakuum unterstellt wurde. „Ich spüre, dass Jamaika viel Rücksicht aufeinander nimmt.“ Aber sei über kaum zu kaschieren, dass es hier keine breite inhaltliche Grundlage gebe.

Wesentliche Fingerzeige

Die konstituierenden Sitzung der Bezirksvertretungen und des Rates dürften in den nächsten Tagen und Wochen bereits wesentliche Fingerzeige liefern, wohin die politischen Allianzen sich in Zukunft entwickeln. Während sich in Haspe mit Dietmar Thieser, im Norden mit Heinz-Dieter Kohaupt, in Eilpe/Dahl mit Michael Dahme sowie in Hohenlimburg mit Hermann-Josef Voss absehbar die Amtsinhaber als Bezirksbürgermeister durchsetzen dürften, erscheint das Rennen im Stadtbezirk Mitte um die Jürgen-Glaeser-Nachfolge noch völlig offen: Arno Lohmann (SPD) und Hans-Joachim Junge (CDU) erreichten mit ihren Fraktionen jeweils 31,4 Prozent der Stimmen – in absoluten Zahlen liegt Lohmann exakt sieben Stimmen vorn. Aber vermutlich wird es für den Genossen im größten Stadtbezirk nur dann in den Amtssessel reichen, wenn die SPD im Rat als stärkste Fraktion erneut den Weg für Hans-Dieter Fischer als Ersten Bürgermeister frei macht. Oder greift am Ende doch eine von Hagen Aktiv unterstützte Jamaika-Allianz? Noch genügend Diskussionsspielraum für politische Winkelzüge . . .

 
 

EURE FAVORITEN