Spaziergänger entdeckt rund 100 Briefe im Abfalleimer

Helmut Reppel hat beim Gassigehen die Briefe in einem Abfalleimer entdeckt. i
Helmut Reppel hat beim Gassigehen die Briefe in einem Abfalleimer entdeckt. i
Foto: Michael Kleinrensing
  • Post offenbar nicht zugestellt
  • Auch Postcon-Brief betroffen
  • Sprecherin kündigt Strafanzeige an

Hagen.. Rund 100 Briefe hat ein Pensionär gestern Morgen in einem Abfalleimer an der Feithstraße entdeckt. Dabei ist neben anderen Dienstleistern auch die „Postcon“ (ehemals TNT) betroffen.

Es war die Morgenrunde, auf der Helmut Reppel, ehemals Bediensteter in der Justizvollzugsanstalt, mit seinen beiden Hunden unterwegs war. Am Rande eines Weges am DRK-Seniorenzentrum zwischen Feithstraße und der Straße am Roggenkamp erledigten Lissy und Anouri ihr Geschäft.

Pensionär zieht Umschläge hinaus

Und als Reppel die Hinterlassenschaften der beiden „Berger des Purenees“-Hunde aufgesammelt hatte und die Tüten in einen Abfalleimer werfen wollte, traute er seinen Augen nicht. „Der Abfallbehälter war voll mit Briefumschlägen“, erzählt Hundehalter Helmut ­Reppel.

Der Pensionär langte mit der Hand so tief in den Behälter hinein, wie es denn ging und zog Umschlag für Umschlag hinaus. „Zum Glück hatte ich eine Plastiktüte dabei“, sagt Reppel, „einzeln hätte ich die ganzen Briefe gar nicht tragen können.“ Einige Sendungen lagen so tief in dem Abfalleimer, dass Reppel sie zurücklassen musste.

Eine Milliarde Sendungen pro Jahr

Mit dem Slogan „Portokosten sparen und Service gewinnen für tägliche Briefe, Infopost und mehr“ wirbt die Postcon, eine Tochter der niederländischen Post, im Internet vor allem um Geschäftskunden.

Das Unternehmen mit Sitz in Ratingen hat 1200 Zusteller vor allem im Rheinland und Ruhrgebiet, erreicht allerdings über Partner nach eigener Aussage jeden Haushalt in Deutschland. Eine Milliarde adressierte Postsendungen würden pro Jahr über das Unternehmen verschickt.

Unternehmen reagiert geschockt

Auf den Hinweis aus Hagen reagiert die Postcon geschockt: „So etwas darf nicht sein. Das ist ein klarer Verstoß gegen das Postgeheimnis“, so eine Sprecherin gegenüber unserer Zeitung, „wir werden alles tun, um den Verursacher zu finden.“ Es handele sich um eine Straftat, die man auch zur Anzeige bringen werde.

Natürlich gerieten in solchen Fällen zunächst die Zusteller in Verdacht. Theoretisch denkbar sei allerdings auch, dass die Sendungen gestohlen worden seien. „Wir werden zunächst klären, ob die Sendungen von einem unserer Zusteller oder von einem Partnerunternehmen ausgeliefert werden sollten“, so die Sprecherin weiter, „unsere eigenen Mitarbeiter sind geschult. In Situationen, in denen sie sich überfordert fühlen, können sie sich jederzeit an ihre Vorgesetzten wenden.“ Die Postcon will die Sendungen wieder an sich nehmen und die betroffenen Kunden informieren.

Hintergrund

Im Sommer 2013 hatte ein Mitarbeiter des Hagener Entsorgungsbetriebs (HEB) rund 800 Briefe gefunden, die eine Mitarbeiterin der Post AG an der Ennepe in Haspe entsorgt hatte. Die 24-Jährige war im Mai 2014 vom Amtsgericht Hagen zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt worden.

Im April 2013 hatte ein Hagener an der Stadtgrenze zu Herdecke eine gelbe Kiste mit rund 300 Briefen entdeckt, die offenbar aus einem Postablage-Kasten gestohlen worden waren. Das Kuriose: Als der ehrliche Finder versuchte, die Briefe (rund ein Drittel der Vorhaller Tagespost) bei der Deutschen Post abzugeben, scheiterte er. Als er in der Hauptfiliale der Postbank seinen Fund abgeben wollte, interessierte das die Bediensteten nicht. Erst als sich die Stadtredaktion Hagen einschaltete, wurden die Briefe in der Redaktion von der Post abgeholt.

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