Sparsamste Ampel der Welt hat in Hagen kaum Zukunftschancen

Die Ampelanlage an der Kreuzung Hördenstraße/Preußerstraße ist laut Siemens die sparsamste Ampel der Welt. Was dennoch nicht bedeutet, dass der WBH alle künftigen Umrüstungen mit der neuen Technik vornehmen lässt.
Die Ampelanlage an der Kreuzung Hördenstraße/Preußerstraße ist laut Siemens die sparsamste Ampel der Welt. Was dennoch nicht bedeutet, dass der WBH alle künftigen Umrüstungen mit der neuen Technik vornehmen lässt.
Foto: WP Michael Kleinrensing
  • Die sparsamste Ampel der Welt steht laut Siemens in Hagen
  • Doch ob sie wirklich überall installiert wird, ist unklar
  • Stadt betont, bei Ausschreibungen immer den Günstigsten nehmen zu müssen

Hagen. Nach Messungen ist es amtlich, jedenfalls für den Hersteller Siemens: Die sparsamste Ampel der Welt steht an der Ecke Hördenstraße/Preußerstraße in Haspe. Finanziell eine tolle Nachricht für die Bürger der Nothaushaltskommune Hagen. Warum also nicht mehr davon? Die Gründe sind gleichermaßen kurios wie ernüchternd.

Natürlich, das Unternehmen Siemens haut kräftig auf den Putz. Dennoch: Die Siemens-Entwickler in der Verkehrstechnik haben es geschafft, den Stromverbrauch einer Ampel auf ein Watt zu senken. Im Frühjahr dieses Jahres waren Prototypen der neuen Technik in Bozen (Italien), in Herne und in Hagen aufgestellt worden. „In Hagen haben wir eine enorme Einsparung erzielen können“, sagt Siemens Produkt-Manager Phillip Hahn.

87 Prozent weniger Verbrauch

Die Stadt hatte vor der Umrüstung der Ampel an der Preußerstraße (vorher 10 Volt-Glühlampe mit 30 Watt Leistung) einen Energieverbrauch von 4380 Kilowattstunden pro Jahr an dieser Stelle. Siemens erklärt: „Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Ein-Personen-Musterhaushalt verbraucht jährlich über 1000 Kilowattstunden.“ Hochgerechnet auf das Jahr soll der Verbrauch der Ampelanlage an der Hördenstraße nun nur noch bei etwa 563 Kilowattstunden liegen. Eine jährliche Einsparung von 3800 Kilowattstunden oder 87 Prozent. Bei durchschnittlichen 345 Euro jährlich für 1000 Kilowattstunden, spart man knapp 1300 Euro – für eine Ampel.

Frage an Markus Falkenroth, Leiter der Verkehrstechnik beim Wirtschaftsbetrieb Hagen: Warum stellt man die Ampeln dann nicht in ganz Hagen auf? „Die Technik ist super und effizient, aber wir sind bei Ausschreibungen gehalten, produktneutral auszuschreiben und uns dabei für den günstigsten Anbieter zu entscheiden. Wenn das Siemens ist, dann passt es.“ Wenn nicht, gewinnt zwar der Günstigere, nicht aber der auf Dauer Effizienteste. „Die Städte dürfen nicht mehr nur nach aktuellen Kostengesichtspunkten gehen. Man kann die Ausschreibungen auch an ein gewolltes Stromersparnis über fünf oder zehn Jahre anpassen“, fordert Produktmanager Hahn ein neues, zukunftsgerichtetes Denken bei den Kommunen ein – auch in Hagen.

Echter Spareffekt erst in 70 Jahren

Zum Thema Einspar-Effekt sagt Markus Falkenroth vom WBH: „Wenn wir alle Ampeln in Hagen auf diese Technik umrüsten würden, dann würden wir angesichts der Anschaffungskosten erst in 70 oder 80 Jahren einen Spareffekt erzielen.“ Es sieht nicht so aus, als wenn Siemens künftig viele Lichtanlagen nach Hagen verkaufen würde.

 
 

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