Spar-Flirt des Theaters Hagen mit Wuppertal liegt auf Eis

Das Hagener Theater erstrahlt zunächst einmal im eigenen Glanz. Die Brücken nach Wuppertal werden frühestens 2012 geschlagen. Foto: Michael Kleinrensing
Das Hagener Theater erstrahlt zunächst einmal im eigenen Glanz. Die Brücken nach Wuppertal werden frühestens 2012 geschlagen. Foto: Michael Kleinrensing
Foto: WP Michael Kleinrensing
Die angedachten Kooperationen zwischen den Bühnen in Hagen und Wuppertal werden frühestens 2012 unter die Lupe genommen. Zunächst soll in Hagen die Rechtsformänderung in eine GmbH umgesetzt werden.

Hagen.. Die von Oberbürgermeister Jörg Dehm bilateral eingefädelte Zusammenarbeit zwischen dem Hagener Theater sowie den Wuppertaler Spielstätten wurde jetzt vom Kulturausschuss auf Eis gelegt. Einstimmig sprach sich das Fachgremium gegen einen Vorstoß des Verwaltungschefs aus, gemeinsam mit der Münchener Beratungsfirma „Actori“ für mehr als 60 000 Euro „Kooperations- und Fusionsszenarien mit den Wuppertaler Bühnen“ erarbeiten zu lassen. Zunächst soll der Rechtsformwechsel in Richtung GmbH vollzogen werden.

Damit hat die Politik den Eifer des Verwaltungschefs zunächst einmal ausgebremst. „Wir wollen Schritt für Schritt vorgehen und uns nicht verheddern“, umschreibt der Vorsitzende des Kulturausschusses, Wolfgang Röspel (CDU), den einhelligen Kurs des Gremiums. Gleichzeitig macht er deutlich, dass die Rechtsform-Änderung in Richtung GmbH möglichst Anfang 2012 vollzogen werden müsse.

Dann könne Intendant Norbert Hilchenbach, der bereits zu seinen Osnabrücker Zeiten auf Grundlage einer GmbH mit festem Budget agierte, zeigen, welche Leistungsfähigkeit das Theater unter veränderten Rahmenbedingungen an den Tag lege. Erst im Anschluss sollten Kooperationsmöglichkeiten mit den Wuppertalern vertiefend ausgelotet werden. Dabei könne es in Röspels Augen jedoch nur um Dinge gehen, die hinter dem Vorhang passieren.

Zusätzliche Sparpotenziale

Dem Kulturausschuss lag in seiner jüngsten Sitzung im nicht-öffentlichen Teil eine Beschlussvorlage vor, mit der Actori umgehend beauftragt werden sollte, Felder der Zusammenarbeit zwischen den Häusern an Wupper – auch hier war Actori schon tätig – und Volme sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen herauszuarbeiten.

Denn die jüngsten Actori-Expertisen für das Hagener Haus aus dem Jahr 2009 hatten unmissverständlich deutlich gemacht, dass nennenswerte Einsparungen aus dem Musentempel nur noch durch die Schließung einzelner Sparten bis hin zur Aufgabe des eigenbespielten Musiktheaters herauszupressen seien. Alternativ seien lediglich durch Kooperationen mit anderen Häusern Sparpotenziale zu heben.

Doch diese Anknüpfungsversuche haben bislang noch keinerlei Schatten in der Kasse des Kämmerers geworfen. So floppte die Kontaktaufnahme mit den Dortmundern völlig. Und auch die von der Landesregierung eingefädelte Untersuchung nach Kooperationsmöglichkeiten in den nicht-künstlerischen Bereichen der verschiedenen Ruhrgebietshäuser erbrachte lediglich ein Einsparpotenzial von gerade einmal 1,2 Millionen Euro für ganz NRW.

Teure Actori-Untersuchung

Vor diesem Hintergrund empfahl Dehm der Politik, eine Kooperation mit Wuppertal offensiv anzugehen. Ein Vorstoß, der auch in Wuppertal durchaus auf offene Ohren stößt. So sieht der dortige Kulturdezernent Matthias Nocke in einer Zusammenarbeit durchaus Chancen: „Es gibt viele deckungsgleiche Bereiche, so haben Hagen und Wuppertal jeweils Musiktheater. Man kann überlegen, ob die eine oder andere Produktion ausgetauscht wird“, erwartet Nocke im Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung weitere Sparansätze im technischem Bereich hinter der Bühne.

Die aktuell vorliegende Actori-Offerte möchte unterschiedliche Tiefen möglicher Kooperationen ausloten. Dabei sollen produktionstechnische, finanzielle, technische und künstlerische Bereiche beleuchtet werden. Die Orchester beider Städte bleiben dabei ausdrücklich ausgeklammert. Insgesamt schlagen die Münchener zwei Projektphasen über insgesamt drei bis vier Monate vor. Die Kosten sollen sich auf auf 52 600 Euro netto belaufen – der Geschäftsführende Gesellschafter Prof. Maurice Lausberg stellt allein ein Tages-Beratungshonorar von 2200 Euro in Rechnung. Hinzu kommen noch Steuern und Reisespesen.

„Wir teilen Ihre Meinung, dass nach den umfassenden Optimierungsmaßnahmen an den deutschen Theatern wirkliche Entwicklungspotenziale nicht mehr an einzelnen Häusern zu realisieren sind“, suggeriert Lausberg den Hagener Kulturpolitikern, ihm den Auftrag zu tiefergehenden Kooperationsanalysen mit den Wuppertalern zu erteilen. Doch auf diesen Zuschlag wird er nach dem jüngsten Votum zumindest bis zum Frühjahr 2012 noch warten müssen.

 
 

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