Spannender Vortrag zu Hagens Nachkriegsgeschichte

Die Nachkriegszeit in Hagen: Ein Junge  ist hier  beim Aufarbeiten von Ziegeln in der Elberfelder Straße im Jahr 1946 zu sehen. Foto:Willi Lehmacher (Stadtarchiv Hagen
Die Nachkriegszeit in Hagen: Ein Junge ist hier beim Aufarbeiten von Ziegeln in der Elberfelder Straße im Jahr 1946 zu sehen. Foto:Willi Lehmacher (Stadtarchiv Hagen
  • Spannender Vortrag zur Nachkriegszeit in Hagen
  • Alte Nazi-Seilschaften bestehen in Hagen weiter fort
  • Befreiung für die Kunst: Schon bald erste Ausstellung

Hagen-Mitte.. Im Herbst musste die Veranstaltung krankheitsbedingt abgesagt werden. Das Interesse war aber schon im Vorfeld groß. Am kommenden Mittwoch, 18. Mai, wird nun aber ab 19 Uhr die Podiumsdiskussion „Hagen baut auf! Zwischen Wiederaufbau und Wirtschaftswunder“ im Auditorium des Kunstquartiers stattfinden.

Bei Kriegsende im Mai 1945 lag Hagen in Schutt und Asche. Im Zweiten Weltkrieg war die Volmestadt in den Rang einer Trümmermetropole bombardiert worden. Die mit zahlreichen Fotografien und Dokumenten begleitete Podiumsdiskussion wird vor allem folgende Themen und Thesen aufgreifen:

  • Überlebte „Volksgemeinschaft“ oder Demokratisierung: Die gesellschaftliche und politische Situation in Hagen zwischen 1945 und 1949.
  • Displaced Persons und Flüchtlinge in Hagen.
  • Was sie waren – was sie wurden: Entnazifizierung und Rechtsextremismus in der Region.
  • Wirtschaft und Industrie in Hagen.
  • Das neue Bild der alten Stadt - Wiederaufbau und kein Ende?
  • Wiederbelebung und Neuausrichtung von Kunst und Kultur.

Dabei werden durchaus auch unangenehme Seiten der Wirtschaftswunderzeit beleuchtet: „Schon bald nach dem Kriegsende bildeten sich die ersten rechtsextremen Gruppierungen“, so Dr. Ralf Blank, Leiter des Historischen Centrums und einer der Referenten des Abends, gegenüber unserer Zeitung. In Hagen sei der frühere Oberbürgermeister und stellvertretende Gauleiter Heinrich Vetter nach seiner Entlassung aus dem Internierungslager 1947 eine Art Galionsfigur der rechten Szene gewesen. „Gemeinsam mit einflussreichen Vertretern aus alten Seilschaften, darunter auch der Brauerei-Besitzer und vormalige SS-Offizier Carl Horst Andreas, wurde eine ‘Bewegung Reich’ gegründet. Sie wurde 1950 durch die deutschen Behörden zerschlagen.“ Doch noch 1954 sei mit Kurt Parbel ein früherer Abteilungsleiter im Reichspropagandaministerium zum Hagener Karnevalsprinz gewählt worden.

Mythos Wiederaufbau

Dr. Ralf Blank ist sich sicher: „Der Wiederaufbau erweist sich bei näherer Betrachtung als ein Mythos. Tatsächlich wurden die Grundlagen in den zerbombten Städten bereits seit 1943 im Rüstungsministerium unter Albert Speer geschaffen.“ In den „Wiederaufbaustädten“ wie in Hagen seien bis zum Kriegsende eigene Arbeitsstäbe mit den Planungen befasst gewesen. „Schon unmittelbar nach Kriegsende lagen auch in Hagen bereits konkrete Wiederaufbaupläne vor. Sie waren teilweise bereits 1944 entwickelt worden“, so Blank. Die ersten umfassenden Aufräumarbeiten fanden unmittelbar nach den Luftangriffen statt, also ebenfalls bereits im Krieg. „Ganze Kolonnen von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und auch KZ-Häftlinge räumten beispielsweise nach dem letzten schweren Bombardement in Hagen die Straßen und Zufahrtswege.“ Nach dem Krieg wurden besonders ehemalige NSDAP-Mitglieder für Schutträumungen eingesetzt. Ab 1947 begann dann der systematische Wiederaufbau. Das Plakat des Hagener Wiederaufbau-Ehrendienst knüpft bereits an den späteren Mythos der Trümmerfrauen an.

Befreiung für Schumacher

Rouven Lotz, künstlerischer Leiter des Emil-Schumachers-Museums, wird die Bedeutung der Kunst in der Hagener Nachkriegszeit beleuchten. Emil Schumacher zählt zu den Künstlern, die nach dem Zusammenbruch im Frühjahr 1945 ihre künstlerische Freiheit erhielten. Am 8. Mai 1945 kündigte Schumacher bei der Accumulatoren Fabrik, wo er als technischer Zeichner dienstverpflichtet war, um sich ganz der Kunst zu widmen. Rouven Lotz: „Unmittelbar nach dem Kriegsende erlebten Kunst und Kultur einen regelrechten Boom. In Hagen wurden schon im Winter 1945/46 die ersten Kunstausstellungen präsentiert. Das Theater und das Orchester nahmen ihre Arbeit wieder auf, unter schweren Bedingungen, jedoch von zahllosen Besuchern begleitet.“

Im Anschluss ist eine lockere Diskussion möglich. Für die Veranstaltung wird ein Eintritt von 5 Euro erhoben. Die Karten sind im Vorverkauf im Kunstquartier und an der Abendkasse erhältlich.

 
 

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