„Sound of Hagen“ macht Innenstadt zum Konzertsaal

50 Radler machten sich klingelnd auf den Weg in Richtung Hagener Fußgängerzone.
50 Radler machten sich klingelnd auf den Weg in Richtung Hagener Fußgängerzone.
Foto: Alex Talash
  • WP-Mitarbeiter wagt den Selbstversuch
  • Generalmusikdirektor gibt Taktstock ab
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Hagen-Mitte.. Stille kehrt ein. Man wartet auf meinen Einsatz. Aufmunternd lächeln mir die Musiker entgegen. Ein bisschen mulmig ist mir trotzdem. Es ist ja schließlich eine Art Premiere. Noch einmal tief durchatmen, dann hebe ich die Arme und gebe einen Takt vor. Die Ouvertüre aus Carmen klingt über den Friedrich-Ebert-Platz, dirigiert von mir, einem Laien.

Sehr gnädig

Das Philharmonische Orchester Hagen spielt synchron zu meinen Handbewegungen. Na ja… zumindest fast. Am Ende jedoch applaudieren die Zuschauer. „Das sah ganz gut aus“, meint Generalmusikdirektor Florian Ludwig. „Das Ensemble war aber auch sehr gnädig zu Ihnen.“ Ein Konzert zu leiten will eben doch gelernt sein.

Laien dirigieren ein ganzes Orchester

Genau wie ich versuchen zahlreiche Innenstadt-Bummler am Samstag ihr Glück mit dem Dirigierstab. „The Sound of Hagen“ lautet das Motto einer Aktion des Philharmonischen Orchesters und der Max-Reger-Musikschule. Auf einem symbolischen Band zwischen Stadttheater und Johanniskirche wird an verschiedenen Orten musiziert und gesungen.

„Wo Instrumente gespielt werden, bleiben die Leute eben stehen“, erzählt Posaunist Edgar Wehrle. „Das war eigentlich schon immer so.“ Tatsächlich lassen sich viele Hagener von den Klängen mitreißen. Für einen Tag lang wird aus der Innenstadt ein Konzertsaal.

50 klingelnde Radfahrer

50 klingelnde Radfahrer auf der Elberfelder Straße, jeder mit einem blauen Luftballon im Schlepptau – die Passanten staunen nicht schlecht, als die seltsame Kolonne an ihnen vorbeifährt.

Was für Manchen zunächst wie ein Flashmob aussieht, ist in Wirklichkeit eine skurrile Aufführung nach Mauricio Kagel. „Ursprünglich ist das Stück für 111 Fahrräder komponiert worden“, erzählt Kapellmeister Christopher Bruckmann. „Wir konnten aber auch mit ,nur’ 50 Eindruck machen.“

Nachdem Bruckmann 2014 das Hagener Stadttheater verlassen hatte, kehrt er für „The Sound auf Hagen“ an seinen alten Wir­kungs­ort zurück. Am Samstag bildet das von ihm organisierte Fahrrad-Konzert die Eröffnung eines imaginären Bandes durch die Innenstadt.

Musikschülerin singt Ärzte-Song

Unter Pavillons und Zelten zeigen hier Musiker ihr Können. Unter ihnen ist auch Musikschülerin Nadine Kellner. Ein bisschen aufgeregt ist sie, als sie vor die Innenstadt-Besucher tritt. „Lampenfieber gehört eben dazu“, scherzt die 14-Jährige. „Das legt sich aber, wenn man einmal angefangen hat.“ Beim Ärzte-Song „Junge“ gibt Nadine als Sängerin ihr Bestes.

Begleitet wird sie dabei von Schlagzeuger Emile Siedler. Auch er ist Schüler an der Max-Reger-Musikschule. „Schlagzeug spielen macht einfach Spaß“, schwärmt er. „Ich hab ganz früh angefangen und spiele jetzt sogar in unserer Schulband.“ Am Samstag musiziert er als Teil des symbolischen Bandes in der Innenstadt und wird dort mit dem Beifall der Zuhörer belohnt.

Kulturdezernentin mit dem Taktstock

Wer besagtes Band weiter verfolgt, der kommt schließlich auch am Friedrich-Ebert-Platz nicht vorbei. Das philharmonische Orchester lädt hier Passanten ein, selbst zu dirigieren. Nicht jeder traut sich das. Den Anfang macht Kulturdezernentin Margarita Kaufmann. Fast schon gekonnt schwingt sie den Taktstab durch die Luft. Dabei ist es auch für sie eine Premiere. „Mein Vater war sehr musikalisch“, erzählt die Dezernentin. „Ich selbst habe aber noch nie ein Orchester dirigiert.“

Die Aktion „The Sound of Hagen“ endet am Nachmittag mit einem Konzert in der Johanniskirche. Die Musiker scheinen übrigens einen guten Draht nach ganz oben zu gehabt zu haben. Trotz ein paar Tropfen zwischendurch scheint fast den ganzen Tag die Sonne.

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