So kommt das Theater Hagen aus der Krise

Im Juni demonstrierten Hagener gegen die Sparbeschlüsse am Theater. Das traditionsreiche Haus steckt in einer tiefen Krise.
Im Juni demonstrierten Hagener gegen die Sparbeschlüsse am Theater. Das traditionsreiche Haus steckt in einer tiefen Krise.
Foto: Michael Kleinrensing
  • Das Theater Hagen steckt in einer tiefen Krise
  • Die nächste Spielzeit wird eine Notspielzeit
  • Peter Born schildert im Interview, was jetzt passieren muss

Hagen. Das traditionsreiche Theater Hagen steckt in der tiefsten Krise seiner Geschichte seit 1945. Die kommende Spielzeit müsste längst unter Dach und Fach sein, doch es gibt keinen Intendanten, der sie plant. Die designierte Chefin Dominique Caron zeichnet ihren Vertrag nicht. Der Ballettdirektor und der Jugendtheaterleiter gehen. Für Generalmusikdirektor Florian Ludwig kommt ein neuer GMD, der auch noch nicht unterschrieben hat. Dr. Peter Born beobachtet als Vorsitzender des Theaterfördervereins die Situation mit tiefer Besorgnis. Im Interview verrät er, was passieren muss, damit das beliebte Haus ein Leuchtturm für die ganze Region bleibt.

Mit welchen Szenarien kann das Theater Hagen die kommende Spielzeit stemmen?

Peter Born: Wir haben jetzt die Chance, und sollten sie auch nutzen, mit ruhiger Hand und mit Augenmaß die Intendantenposition neu auszuschreiben. Und zwar mit dem Schwerpunkt auf künstlerischer Qualität und Führungskompetenz im Gegensatz zu der früheren Ausschreibung, wo das Finanzthema im Vordergrund stand.

Und was wird mit der Saison 2017/2018, die in wenigen Monaten beginnt?

Wir stehen unter Zeitdruck, aber ich habe für dieses Problem auf die Schnelle keine Lösung. Auf jeden Fall müssen wir professionelle Unterstützung suchen. Das könnte jemand vom Bühnenverein sein.

Sollte man den amtierenden Intendanten Norbert Hilchenbach oder Marketingleiter Jürgen Pottebaum bitten, in dieser Notsituation übergangsweise einzuspringen?

Für den Übergang kann man über eine hausinterne Lösung für die Leitung nachdenken. Aber ich weiß nicht, ob die in Frage kommenden Mitarbeiter das wollen oder können.

Das Theater muss in wenigen Wochen die Abonnements für die nächste Spielzeit verkaufen. Aber es gibt zum Beispiel keinen Ballettdirektor und keine Tänzer. Wie will man Vorstellungen verkaufen, von denen noch gar nicht feststeht, ob sie stattfinden können?

Das ist eine gute Frage. Ich kann mir nicht vorstellen, interimsweise einen Ballettdirektor oder Tänzer einzustellen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Problematik allen Mitgliedern des Aufsichtsrates bewusst ist.

Das wäre jetzt doch eine prima Chance, das Ballett abzuwickeln?

Wir haben das Versprechen von den Politikern im Aufsichtsrat und von der Stadt, dass alle Sparten am Theater Hagen erhalten bleiben sollen. Das Ballett ist ein Magnet. Wir würden böse auf die Füße fallen, wenn wir kein Ballett mehr hätten.

Das verordnete Sparpaket basiert auch auf Einnahmeerwartungen. Intendant Norbert Hilchenbach hat die Besucherzahlen noch einmal um 15 000 gesteigert und damit die Einnahmen. In einer Notspielzeit ist aber damit zu rechnen, dass ein Teil des Publikums wegbleibt. Kommt die Bühne damit nicht in einen Teufelskreis?

Da kommen problematische Jahre auf uns zu, aber ich bin überzeugt, dass wir das schaffen werden. Das Theater Hagen ist fest verankert in der Bevölkerung, und das Ensemble ist gut und mit Herzblut bei der Sache. Durch die finanzielle Enge der Kommune ist die Spardiskussion derart in den Vordergrund getreten, dass die Qualität, die im Theater Hagen geboten wird, in der Diskussion um die neue Intendanz in den Hintergrund geraten ist. Das müssen wir wieder gerade rücken.

Wie sieht überhaupt das neue Budget aus? 1,5 Millionen müssen zusätzlich eingespart werden. An welcher Stelle wird gestrichen?

Die Rahmenbedingungen für das Sparen waren, dass alle Sparten erhalten bleiben. Es musste erst einmal eine gemeinsame Sicht auf die Zahlen durch die Stadt und das Theater hergestellt werden. Ein Teil des Spareffekts besteht darin, dass künftig Marktpreise zur Anrechnung kommen bei den Dienstleistungen, die die Stadt dem Theater anbietet. Das ist sehr positiv.

Die 1,5 Millionen Euro Sparziel sind nicht die einzige Baustelle. Am Haus herrscht ein Investitionsstau von 15 Jahren. Die Sitze sind hinüber, die Toiletten auch...

Man müsste mit dem neuen Intendanten und dem Publikum diskutieren, ob sich das nicht über einen Spendenaufruf lösen lässt oder einen Appell an die Handwerkerschaft. Nach der unangenehm ausgeuferten Spardiskussion kann man dem Theater Hagen auch mal was Gutes tun.

Jetzt wird dringend nach einem Verantwortlichen dafür gesucht, dass die Situation so aus dem Ruder gelaufen ist.

Solche Debatten bringen nichts. Viel schlimmer ist, dass derzeit in ganz Deutschland sehr negativ über die Stadt Hagen und ihren Umgang mit dem Theater geredet wird. Das wirkt sich auf die Bereitschaft guter Theaterkünstler aus, sich auf die Hagener Intendanz zu bewerben. Man muss die Atmosphäre wieder ins Positive verwandeln. Deshalb halte ich es für dringend geboten, eine Werbekampagne zu starten, um zu zeigen, wie leistungsfähig das leidgeprüfte Ensemble immer noch ist. Diese positiven Aspekte müssen wir auch in der Ausschreibung der Intendanz herausstellen. Die Spardiskussion war notwendig. Aber dadurch ist eine Härte in die Diskussion getreten, die rückblickend nicht förderlich war. Heute würde ich sagen: Daraus haben wir alle was gelernt. Jetzt müssen wir nach vorne schauen. Die 260 Menschen, die am Haus arbeiten, werden ja weiterhin ihr Bestes geben. Wir sollten stolz auf unser Theater sein.

 
 

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