Sinn-Leffers-Zentrale: Ein Drittel der Verbliebenen soll gehen

Bathey..  Von einstmals 120 Mitarbeitern (Stand Januar 2013) der Sinn-Leffers-Zentrale in Bathey sind heute noch 29 Beschäftigte übrig. Die wenigen Verbliebenen müssen um ihren Arbeitsplatz bangen: Das Hagener Bekleidungsunternehmen, das seit drei Jahren zum Nürnberger Modekonzern Wöhrl gehört, hat bei der Bundesagentur für Arbeit eine „Anzeige auf Massenentlassung“ eingereicht.

„Wir haben neun fristgerechte Kündigungen zum 31. Januar nächsten Jahres ausgesprochen“, berichtete Matthias Bengs, Personalreferent der Rudolf Wöhrl AG, vor dem Hagener Arbeitsgericht. „In der Abteilung Gehaltsabrechnung sind fünf Stellen betroffen, im kaufmännischen Warenbereich vier Stellen.“

Als Bengs jedoch versucht, das „Warum?“ zu erklären, wird’s kompliziert: Er spricht vom „Anteil der Depotlieferanten, der von 45 auf über 70 Prozent gestiegen ist“ und „vom Warenwirtschaftssystem, das zum 30. April 2015 abgeschafft wurde“. Die jetzt ausgesprochenen Kündigungen seien „Fälle im Nachgang von Synergieeffekten“ – so dass selbst Arbeitsgerichtsdirekter Jürgen Schlösser eingestehen muss: „Das habe ich jetzt, ehrlich gesagt, nicht alles verstanden.“

Abfindungen aus Sozialplan von 2014

Fakt ist: Von den neun Entlassenen haben bisher drei das Arbeitsgericht angerufen und Kündigungsschutzklagen eingereicht, über die noch nicht entschieden wurde. Alle drei Klägerinnen, zum Teil seit mehr als 25 Jahren bei Sinn-Leffers beschäftigt, werden durch Arbeitsrechtler Reiner Friedrichs vertreten. Der fasst die Kündigungsgründe mit seinen Worten so zusammen: In dem Hagener Bekleidungsunternehmen seien die Rechnungen für gelieferte Waren bislang manuell eingegeben worden. Neu-Inhaber Wöhrl arbeite hingegen mit einem Gutschriftensystem, das automatisch eingespielt wird. Die beiden unterschiedlichen Warenwirtschaftssysteme würden nun zusammengeführt – die manuellen Eingaben entfallen und damit auch die Arbeitsplätze in Bathey.

Rechtsanwalt Friedrichs betont: „Den jetzt entlassenen Alt-Beschäftigten steht aber noch die Abfindung aus dem Sozialplan von 2014 zu.“ Zunächst hätte es sogar noch geheißen, sie müssten nicht mal bis zum 31. Januar, dem Ende der Kündigungsfrist, weiterarbeiten, sondern würden bereits ab August unter Fortzahlung ihrer Bezüge freigestellt.

Nunmehr hat man es sich in Nürnberg anders überlegt: Die Herbstkollektion soll von den gekündigten Hagener Mitarbeitern doch noch bearbeitet werden. „Ende August kommt die neue Ware, da braucht man noch eine Mannschaft, um das aufrecht zu halten“, erläutert Matthias Bengs. „Deshalb soll es vor November keine Freistellungen geben.“

Die Klägerin (46) in diesem Verfahren wäre bereit, bis Ende Januar weiterzuarbeiten – allerdings gegen eine Erhöhung ihrer Abfindung. Friedrichs: „Das wäre dann so etwas wie eine Anwesenheitsprämie.“

 
 

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