Sich zu verstecken, hilft den Opfern nicht weiter

Hagen.  Unter dem Motto „Das Schweigen brechen – Freiheit allen gefangenen Seelen“ versammelten sich am Samstagnachmittag engagierte Bürger, um auf das Thema des sexuellen Missbrauchs aufmerksam zu machen.

Bereits zum zweiten Mal traf sich die Initiative auf dem Friedrich-Ebert-Platz. Veranstalter und Leiter ist der Hagener Bodie Henryk Ambrusch. Das Ziel ist es, das Thema in die Öffentlichkeit zu rücken und als Betroffene Präsenz zu zeigen. So erhielten Missbrauchsopfer, aber auch Nichtbetroffene die Chance, ihre Appelle und Forderungen auf einer Bühne zu äußern.

In den Reden ging es um Solidarität mit den Opfern sowie um das mangelnde öffentliche Bewusstsein zu dem Thema. Es reiche nicht, dass die Medien über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche berichten und die Sache damit abgeschlossen sei, äußert eine empörte Frau. Allgemein ist die Meinung der Teilnehmer, dass viel zu viel weggesehen werde und diese Art von Veranstaltungen häufiger stattfinden sollte, um den Opfern zu helfen. Eine Rednerin äußert dem gemäß: „Leute sollen nicht wegsehen und so tun als sei nichts geschehen.“ Vielen Betroffenen kommt es auf die Solidarität an.

Bodie Henryk Ambrusch beschwert sich vor allem über die Politik: „Unsere Politiker sollten die Missbrauchsfälle viel mehr öffentlich thematisieren. Jeden Tag werden Kinder missbraucht und es wird einfach zu wenig getan.“ Ambrusch ist selbst ein Missbrauchsopfer – und ist stolz darauf, zurück ins Leben gefunden zu haben. Ihm ist es vor allem wichtig, die Menschen wachzurütteln und sie zu motivieren etwas zu tun, damit niemand schweigt und wegsieht. Für weitere Unterstützung sorgte der Verein Biker Against Childporn And Abuse. Der in ganz Deutschland agierende Verband setzt sich für Missbrauchsopfer ein und organisiert und besucht regelmäßig derartige Veranstaltungen. Die ungewöhnlich erscheinende Mischung zwischen einem Motorradclub und einem Verein, der sich gegen sexuellen Missbrauch einsetzt kommt bei den Leuten sehr gut an. Ein Mitglied des Vereins sagt: „Wir haben teils Betroffene und auch Partner von Betroffenen in unserem Verein. Es ist uns wichtig, dass Menschen sich nicht verstecken. Auch viele Partner von den Opfern wissen teils nicht, wie sie sich in manchen Situationen verhalten soll.“

 
 

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