Senioren möchten nah ans vitale Leben rücken

Der demografische Wandel erfasst die Stadt: Senioren möchten allerdings am Alltag in Hagen teilhaben.
Der demografische Wandel erfasst die Stadt: Senioren möchten allerdings am Alltag in Hagen teilhaben.
Foto: WP Michael Kleinrensing
  • Insbesondere die Zahl alter Senioren nimmt in Hagen zu
  • Die wollen am Alltag der Stadt teilhaben
  • Kurze Wege sind gefragt

Hagen.. Flüchtlingszustrom und zuletzt zart ansteigende Geburtenraten werden den Gesamttrend kaum ins Gegenteil verkehren: Der Anteil der Senioren nimmt in Hagen kontinuierlich zu. Vor allem in den Innenstadtquartieren entstehen seit Jahren neue, attraktive Wohnangebote, die Alten vor allem die Chance eröffnen sollen, komfortabel und – je nach Bedarf – betreut, aber selbstbestimmt ihren Alltag zu meistern und nah am vitalen Innenstadtleben zu bleiben.

Wer zur Zeit der Familiengründung ein Domizil in den Außenbezirken mit grünem Drumherum suchte, ist meist froh, wenn er sich in seinem letzten Lebensabschnitt nicht mehr um pflegeintensive Gartenflächen kümmern muss, dafür aber kurze Wege zum Einkaufen, zum Arzt oder auch den Kulturangeboten einer Stadt hat.

Bezahlbare Mieten

„Wohnprojekte dieser Art gibt es ja auch in Hagen reichlich“, weiß die Vorsitzende des Seniorenbeirates, Ruth Sauerwein, und blickt beispielhaft auf das Domizil der Georg-Kraus-Stiftung am Elbersufer wie auch auf das vom Caritasverband umgebaute Stadtbad Mitte. Beides Angebote, die die 67-Jährige, die seit zwei Jahrzehnten die Senioreninteressen in Hagen in vorderster Reihe vertritt, durchaus als vorbildlich wertet.

Allerdings warnt sie auch davor, die Preisstruktur aus den Augen zu verlieren: „Eine Kaltmiete von 7,50 Euro pro Quadratmeter ist einfach zu hoch.“ Sauerwein verweist stattdessen auf ein pilotartiges, betreutes Wohnkonzept in Mönchengladbach. Dort hat die kommunale Wohnungsgesellschaft Appartements mit eigenen Bädern geschaffen, bei denen Aufenthaltsräume und Küche gemeinschaftlich genutzt werden. Kostenpunkt: 4,60 Euro/qm. „Dieser Preis ist grundsicherungsfest, was bei durchschnittlichen Frauenrenten von 800 bis 900 Euro ein ganz wichtiges Argument ist“, betont Sauerwein.

Mobilität bedeutet Teilhabe

Zu einem prägenden Zukunftsthema der städtischen Seniorenarbeit wird sich auch der Umgang mit älter werdenden Migranten entwickeln. Einerseits wird die Eltern- und Großelterngeneration der Zuwanderer auch heute noch vorzugsweise in den eigenen Familien alt. Andererseits ereilt die jüngere Migrantengeneration immer häufiger der deutsche Lebensrhythmus.

Die Kinder wohnen nicht mehr am Ort, auch die Frauen gehen einer Arbeit nach und die Wohnung bietet nicht mehr genügend Platz für einen Drei-Generationen-Haushalt. Künftig werden auch Migranten im Alter in betreute Wohnangebote und Seniorenheime drängen – nach Möglichkeit mit muttersprachlicher Ansprache und im vertrauten Quartier.

Ebenfalls auf der Agenda: Altenheimplätze für Gehörlose. Hier Betroffene und Betreuende an einem Ort zu bündeln und somit eine optimale Kommunikation untereinander zu ermöglichen, wird eine Großstadt künftig leisten müssen. Ebenso braucht es spezielle Wohnmodelle für Behinderte, die aufgrund verbesserter Betreuung heute auch häufig das Seniorenalter erreichen und der speziellen Obhut bedürfen.

Kaum minder drängend: ein engmaschiges Busnetz. Ein Sündenfall wie die Abkoppelung des Altenheims Buschstraße von der direkten Innenstadtanbindung wird sich Hagen künftig kaum mehr erlauben können. Mobilität bedeutet für Senioren gesellschaftliche Teilhabe – für die künftige Stadtkultur eine Grundvoraussetzung.

„Nach Krankenhausaufenthalt werden Senioren gut versorgt“

Gastbeitrag von Pflegeberaterin Barbara Siekerkötter vom Mops

Senioren, die aus dem Krankenhaus entlassen werden, können in Hagen gut versorgt werden. Hilfsbedürftige werden bereits bei der Aufnahme dem Sozialdienst der Krankenhäuser gemeldet. Bereits vor Jahren entwickelten die Krankenhäuser spezielle Konzepte für die Entlassung pflegebedürftiger Menschen.

Im Ev. Krankenhaus Haspe ist es die Pflegeberatung, die hier genau hinschaut. Im Gespräch mit dem Patienten, Pflegenden, Ärzten und den Angehörigen wird die Hilfe nach der Entlassung geplant und organisiert. Das geht von einer Hilfsmittelversorgung, Essen auf Rädern, ambulanten Dienst bis zur Kurzzeitpflege. Einzelne schlechte Beispiele gibt es sicherlich auch.

Manchmal gibt es eine Versorgungslücke für Menschen, z. B. nach einem Beinbruch. Diese Patienten haben einen Hilfebedarf, sind aber nicht pflegebedürftig im Sinne der Pflegeversicherung. In solchen Fällen erlebe ich viel ehrenamtliches Engagement durch Nachbarn und Freunde.

Muss aber ein ambulanter Dienst vorübergehend helfen, entstehen Kosten die der Betroffene selbst zahlen muss.

In Zukunft wird die Anzahl der Senioren-Single-Haushalte zunehmen. Die Anzahl der demenzkranken Patienten steigt. Das ist eine zusätzliche Herausforderung.

 
 

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