Sekundarschule soll kommen

Von Björn Josten

Hagen. Sekundarschulen an fünf oder sechs Standorten anstelle der bestehenden Haupt- und Realschulen, Verdichtung der Grundschullandschaft, Reduzierung der Anzahl der Förderschulen im Zuge der Inklusion von sieben auf vier Standorte und Verbesserung des Raumangebotes für die Gymnasien – das sind Vorschläge aus dem Maßnahmenkatalog der Schulentwicklungsplanung. Gutachter Wolf Krämer-Mandeau stellte gestern sein Ideenpaket der Fachpolitik und den Schulleitern vor.

„Die Vorschläge sind eine gute Diskussionsgrundlage“, lobte Oberbürgermeister Jörg Dehm das Paket. Nun gelte es, möglichst schnell eine politische Entscheidung herbeizuführen. „Ich denke, dass wir sogar bis Ende des Jahres einen Beschluss treffen können, allerdings darf Zeitdruck nicht die Qualität dieses Beschlusses beeinträchtigen“, so Dehm.

Im Grundschulbereich sollen die Einrichtungen künftig mindestens zweizügig sein. „Das ist wegen der Inklusion, aber auch aus Gründen der Differenzierung und der Lehrerversorgung unumgänglich“, begründet Krämer-Mandeau, der sich Verbundstandorte vorstellen kann, ebenso wie Fusionslösungen. Frei werdende Raumkapazitäten könnten unter anderem für die Kinderbetreuung genutzt werden. „Kitas und insbesondere U3-Betreuung ist für Hagen immens standortrelevant“, bestärkt Dehm diese Planungen.

Die Hauptschulen sind schon jetzt kaum noch überlebensfähig, da immer mehr Eltern ihre Kinder auch ohne die nötige Befähigung an den Realschulen anmelden. „Damit sind die Realschulen auch am Ende, da kein pädagogisches Programm mehr möglich ist“, so Krämer-Mandeau. An die Stelle dieser Schulform soll die Sekundarschule treten. Als Starthilfe für diese neue Schulform sollen die Gesamtschulen in Helfe und Haspe je einen Zug reduzieren. Die Gesamtschulen sollen zudem jeweils zwei Sekundarschulen als Partner ansehen. „So liften wir diese auf ein Niveau, das von den Eltern akzeptiert wird“, erklärt Krämer Mandeau.

Die Vorschläge sehen auch vor, ganze Schulstandorte aufzugeben. So soll zum Beispiel das Rahel-Varnhagen-Kolleg in die Realschule Emst umziehen, die Bodelschwingh-Schule in die jetzige Grundschule Kückelhausen. Das so leergezogene Gebäude kann abgerissen werden.

Die Gymnasien kommen in den Planungen ungeschoren davon, sollen aber neue Räume zugeschlagen bekommen. So könnte etwa das Christian-Rohlfs-Gymnasium die Räume der auslaufenden Hauptschule Heubing bekommen und seinerseits Zimmer an die Grundschule Geweke abgeben.

Wie die Grundschulen sollen die berufsbildenden Schulen verdichtet werden. „Bilden Sie ruhig weiter auch für die umliegenden Kommunen aus“, rät der Gutachter. „Aber setzen Sie auf Qualität und nicht auf hohe Raumkapazitäten.“ Denn überzählige Räume würde Krämer-Mandeau gerne nahe gelegenen Gymnasien zuschlagen. Ab kommenden Montag werden die Vorschläge in vier Regionalkonferenzen den Bürgern vorgestellt.

Auch für diese Veranstaltungen hat Krämer-Mandeau einen Ratschlag an die Politik parat: „Hören Sie sich alles an und beraten Sie im Anschluss in Ruhe. Wenn die Politik anfängt, Pakete aufzuschnüren, wird sie am Ende gar nichts in der Hand haben.“