Seit 1977 hat Hagen 20.000 Industrie-Arbeitsplätze verloren

Metallverarbeiteung spielt in Hagen noch immer ein große Rolle.
Metallverarbeiteung spielt in Hagen noch immer ein große Rolle.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Im verarbeitenden Gewerbe haben in Hagen im Jahr 1977 noch mehr als 34.000 Menschen gearbeitet. Heute sind es nur noch gut 14.000 Mitarbeiter.

Hagen.. Die Umsätze der 67 größten Industrieunternehmen in Hagen (das sind die mit mehr als 50 Mitarbeitern) sind im ersten Halbjahr 2016 um 2,9 Prozent leicht gesunken. Das zeigen die aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes. Sie liegen nun bei knapp 2 Milliarden Euro. Auch die Zahl der Beschäftigten ist gesunken: Bei diesen 67 Unternehmen waren im ersten Halbjahr 11 643 Menschen beschäftigt, 2,6 Prozent weniger als noch im Vorjahres-Zeitraum.

Die Zahlen sind eine Momentaufnahme. Aber gerade im Hinblick auf die Beschäftigtenzahlen in dem verarbeitenden Gewerbe folgt das Minus einem langjährigen Trend. Hagen ist zwar weiter ein bedeutender Industriestandort, dennoch hat die Volmestadt in diesen knapp 40 Jahren gut 20 000 Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe verloren – dazu gehört eine breiter Bereich von der Metallerzeugung und -verarbeitung über die Nahrungsmittelindustrie bis zum Maschinenbau.

Bei den Beschäftigtenzahlen bedeutet das binnen vier Jahrzehnten ein Minus von 58,5 Prozent, bei der Zahl der Betriebe ein Minus von knapp 30 Prozent. In Hagen war im Jahr 2015 nur knapp die Hälfte der Betriebe (67) größer als 50 Beschäftigte, dort arbeiten etwa 12 000 von 14 200 Beschäftigten. Übrigens: Nur 13 Firmen haben mehr als 250 Beschäftigte und drei Unternehmen mehr als 500. Mehr als 1000 Mitarbeiter, so die Statistik der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK), hat keines der Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe. Die 71 Unternehmen, die 50 Mitarbeiter und weniger beschäftigen, bieten immerhin gemeinsam 2200 Arbeitsplätze.

Weiter hohe Industrie-Quote

Doch auch wenn die Zahl der Betriebe und der Arbeitsplätze zurückgegangen ist, SIHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Peter Rapp-Frick sagte Mittwochabend bei einer SPD-Diskussionsveranstaltung: „Hagen ist einer der stärksten Industriestandorte. Andere Städte im Ruhrgebiet haben inzwischen einen viel höheren Dienstleistungssektor. Bei uns wird noch viel produziert.“

Bei der Veranstaltung ging es vor allem um die Zukunft der Stahlindustrie in NRW. Eine Industrie, die Hagen geprägt hat – noch 1976 wurden allein in Hagen etwa 28 000 Beschäftigte nach dem Stahltarifvertrag bezahlt. Eine Industrie, die aber auch sehr stark von dem Weltmarkt abhängig ist.

Wie wichtig dabei das Auslandsgeschäft ist, zeigt sich auch an den aktuellen Zahlen zum ersten Halbjahr 2016. Auch hier wieder mit dem Blick auf die 67 größten Unternehmen. Denn auch wenn der Gesamtumsatz um 2,9 Prozent gefallen ist, der Auslandsumsatz ist gestiegen – und zwar um 6,7 Prozent. Mit rund 751 Millionen Euro hat er im ersten Halbjahr knapp ein Drittel des Gesamtumsatzes ausgemacht.

Allzu viel will SIHK-Hauptgeschäftsführer Rapp-Frick aber nicht in die Zahlen interpretieren: „Insgesamt muss man sagen, dass die Exporte 2016 bisher eher rückläufig sind. Das liegt vor allem an den vielen Krisen weltweit und der Konjunkturabschwächung in China. Hinzu kommt, dass starke Umsatzschwankungen bei einem kleinen Berichtskreis von nur 67 Betrieben wesentlich stärker zum Tragen kommen. Da können bereits wenige Großaufträge durchschlagen.“

 
 

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