Schweizer Forschung für dicke Luft in Hagen

Unter Laborbedingungen sollen die Windströme rund um das Hagener Finanzamt simuliert werden.
Unter Laborbedingungen sollen die Windströme rund um das Hagener Finanzamt simuliert werden.
Foto: Empa
Die CDU appelliert, Bauphysiker mit der schlechten Luftsituation rund um das Hagener Finanzamt zu beschäftigen. In der Schweiz gibt es dafür einen Windkanal.

Hagen.. Wird das Hagener Finanzamt bald ein Fall für den Windkanal? Wenn es nach der CDU-Fraktion im Hagener Rat geht, wäre dies zumindest einen Versuch wert, bevor auf dem vierspurigen Innenstadtring zwischen dem Emilienplatz und der Marktbrücke womöglich eine Tempo-30-Regelung eingeführt und für Lkw ein totales Fahrverbot ausgesprochen wird. Selbiges droht nämlich angesichts der anhaltend miserablen Stickstoffdioxid-Werte sowie drakonischer Strafzahlungen, mit denen EU-Umweltwächter drohen.

Für Stephan Ramrath (CDU), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, wären dauerhafte Lkw-Umleitungen quer durch die Stadt ein Irrwitz: „Weit mehr Menschen als heute würden noch großräumiger einer weitaus größeren Schadstoffmenge aus Lkw-Auspuffrohren ausgesetzt. Eine geringfügige punktuelle Entlastung würde durch eine großräumige Belastung erkauft.“

„Wir wollen mehr Wind in der Finanzamtsschlucht“, fordert daher CDU-Fraktionschef Wolfgang Röspel kreative städtebauliche Ideen und bringt als Experten den Bauphysiker Jan Carmeliet von der ETH Zürich (Eidgenössisch Technische Hochschule) ins Gespräch. Der Professor solle gutachterlich untersuchen und klären, ob sich die Straße auf natürlichem Weg besser belüften lasse. „Ein Windkonzept“, so Röspel, „könnte ein wichtiges Element sein, um Maßnahmen zu vermeiden, die den Verkehr in der Innenstadt völlig abwürgen.“

26 Meter langer Windkanal

Als Abteilungsleiter des Forschungsinstituts Empa (Dübendorf) betreibt der Belgier Carmeliet in der Schweiz einen 26 Meter langen Kanal, in dem sich natürliche Windsituationen realitätsnah simulieren lassen. Laser- und Kameratechnologie erlauben dort hochaufgelöste, dreidimensionale Aufnahmen von Luftströmen. Mit Hilfe von maßstabgerechten Gips- und Kunststoffmodellen werden hier Effekte von einzelnen Gebäuden, aber auch Abhängigkeiten in ganzen Quartieren nachgestellt. Anhand von sichtbaren Gasen können die Forscher so präzise nachvollziehen, welche Veränderungen dazu beitragen, schädliche Abgase aus der Stadt zu tragen. Bauphysiker wie Carmeliet entwickeln dazu komplexe Modelle, die meteorologische und mikroklimatische Daten, Oberflächen-Beschaffenheiten von Bauwerken und Bepflanzungen mit Energieflüssen entlang der Gebäudefassaden verbinden. Die Ergebnisse können dann direkt in Konzepte der Stadtplaner integriert werden.

Fördertöpfe abschöpfen

Gerhard Romberg, CDU-Sprecher im Stadtentwicklungsausschuss, will daher nach der Sommerpause beantragen, dass die Stadt Kontakt mit Professor Carmeliet aufnimmt, um dessen fachlichen Rat einzuholen. Um ein entsprechendes Gutachten zu finanzieren, schlägt die CDU vor, Fördermitteltöpfe von EU, Bund und Land abzufragen oder auch eine Unterstützung seitens der Bezirksregierung in Arnsberg ins Auge zu fassen.

 
 

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