Schummeltitel-Affäre

Schmückt sich gern mit besonderen Untensilien: Klaus Söhnchen.
Schmückt sich gern mit besonderen Untensilien: Klaus Söhnchen.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Klaus Söhnchen zieht für die SPD nicht in die Hohenlimburger Bezirksvertretung ein. Er tritt aus gesundheitlichen Gründen von dieser Aufgabe zurück. Das teilte er gestern Nachmittag dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Mark Krippner telefonisch mit. Für den 66-Jährigen rückt deshalb Sharine Schneider in die BV nach.

Zum Hintergrund: Söhnchen zählte am Sonntag zu den 15 gewählten Mitgliedern für die Bezirksvertretung. Er stand für die SPD Hohenlimburg auf Listenplatz 5. Genauer: Dr. h.c. Klaus Söhnchen. So wies es das offizielle Wahlergebnis der Stadt Hagen aus.

Ein neuer Doktor für die Bezirksvertretung? Auf die Frage dieser Redaktion, welche Universität ihm ehrenhalber oder der Ehre wegen (honoris causa - h.c.) diesen Titel verliehen habe, sagte Söhnchen am Dienstag. „Die Prinxton Church & University in Florida (Miami).“

Missverständnis ausräumen

Dann lieferte der 66-Jährige sogleich die Erklärung. „Ich habe einen Aufsatz in deutscher Sprache geschrieben und die lutherische Kirche mit der angelikanischen Kirche verglichen.“

Deshalb habe er im März 2011 per Urkunde den Ehrendoktortitel (h.c.) erhalten (siehe dazu: Titel kostet 50 Dollar).

Wie dieser Zusatz Dr. h.c. gleich zweimal in die amtliche Bekanntmachung der Stadt Hagen gekommen sei, wisse er nicht. Überhaupt sei er erst durch den Anruf der Redaktion darauf aufmerksam geworden, dass er auf der Homepage der Stadt Hagen und somit in den Wahlergebnislisten als Dr. h.c. geführt werde.

Gestern Morgen wiederholte Söhnchen in unserer Redaktion diese Darstellung. „Ich habe Dr. h.c. nicht eingetragen.“ Vielmehr habe er vor Monaten in der AWO-Tagesstätte nur die Kandidatenliste unterschrieben.

SPD-Ortsvereinsvorsitzender Mark Krippner versicherte am Mittag auf Anfrage: „Der Ortsverein kann dazu nichts sagen. Das ist die Angelegenheit von Klaus Söhnchen und vom Unterbezirk Hagen. Herr Söhnchen ist auf keinem Wahlplakat oder Flyer mit dem Zusatz Dr. h.c. aufgetaucht.“

Die Mitarbeiter der Stadt Hagen verwiesen auf die offizielle Liste der SPD, die vor der Wahl übernommen worden sei. „Wir überprüfen dann nur Namen und Anschrift, nicht aber etwaige Doktortitel.“ Das Rechtsamt der Stadt wollte darüber hinaus keine juristische Einschätzung abliefern, ob es sich in diesem Fall um den Missbrauch eines Doktortitels handele. „Das ist möglicherweise eine Sache für die Staatsanwaltschaft.“

Staatsanwaltschaft prüft

Dazu sagte Dr. Gerhard Pauli, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Hagen. „Nach vorläufiger Beurteilung ist das ein Titelmissbrauch. Wir werden deshalb ermitteln und den Fall prüfen.“

Aus dem Parteibüro der SPD in Hagen hieß es gestern: „Diese Liste basiert darauf, dass wir alle Kandidaten bitten, einen Fragebogen mit Angaben für die ordnungsgemäße Einreichung der Wahlunterlagen auszufüllen. Das hat auch Klaus Söhnchen Ende März gemacht. Auf diesem Fragebogen hat er handschriftlich Klaus Söhnchen, Dr. h.c., geschrieben. Das haben wir so übernommen.“

 
 

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