Schlechtes Zeugnis für die Verwaltung der Stadt Hagen

Das Hagener Rathaus als Symbol für die Verwaltung: Hagens Unternehmer bewerten sehr kritisch, wie die VErwaltung der Stadt mit ihnen umgeht.
Das Hagener Rathaus als Symbol für die Verwaltung: Hagens Unternehmer bewerten sehr kritisch, wie die VErwaltung der Stadt mit ihnen umgeht.
Foto: Michael Kleinrensing
  • Erste Befragungsergebnisse liegen vor
  • Unternehmen fühlen sich von Verwaltung nicht wertgeschätzt
  • Nur Ausländerbehörde und Geo-Amt gut benotet

Hagen..  Die Bestandsaufnahme tut erstmal weh. Das hatten die Mitglieder des neu gegründeten Unternehmerrates auch genau so angekündigt (wir berichteten). Der Rat ist ein Zusammenschluss von aktuell rund 70 Unternehmen, die frustriert oder enttäuscht darüber sind, wie Wirtschaftsförderung und strategisches Planen und Handeln in Hagen gedacht werden (siehe Infobox). Sie alle sind verärgert, wollen aber auch konstruktiv nach vorne blicken, Handlungsalternativen entwickeln. Keine konstruktive Zukunftsgestaltung also ohne den schmerzvollen Blick auf das, woran die Beziehung zwischen Verwaltung und Unternehmen dieser Stadt gerade krankt.

Fast ausschließlich schlechte Noten

Teil der Analyse ist eine breit angelegte Befragung unter den Unternehmern. Sie liefert ein Besorgnis erregendes Zwischenzeugnis (siehe Grafik).

Außer der Ausländerbehörde und den Fachbereichen Bildung sowie Jugend und Soziales hagelt es schlechte Noten. Vor allem für das Rechtsamt und die Bauverwaltung. Für die Bauverwaltung hatte Leiterin Barbara Hammerschmidt erst in der Samstagsausgabe unserer Zeitung die weiße Flagge gehisst.

Sie berichtete von Resignation, die sich bei den Mitarbeitern breit mache. Aus Reihen der politischen Gremien würden immer mehr Arbeitsaufträge auf die Amtstische flattern, die oft auch in einem schnellen Telefonat erledigt sein könnten. Ein Dutzend Leute sei im Tagesgeschäft damit beschäftigt. Themen müssten, auch vor dem Hintergrund von Förderchancen, priorisiert werden. Sie kritisierte auch den Personalmangel. Aus Unternehmersicht ist die Schnittstelle, die zum Amt für Brand- und Katastrophenschutz bezüglich der Bearbeitung von Brandschutzkonzepten besteht, ein großes Problem. Viele der Befragten würden sich laut Unternehmerrat öfter eine pragmatische Turbo-Entscheidung eines zuständigen Dezernenten wünschen. Die Entscheidungs- und Erledigungsgeschwindigkeit der Verwaltung sei viel zu gering. Nur zwei Drittel der befragten Unternehmen sehen ihre Zukunft vollständig am Standort Hagen. Einhundertprozentige Zustimmung gab es für folgende drei Thesen: 1. Nur eine visionäre Betrachtung der aktuellen Situation beschleunigt Entscheidungen und verbessert Zusammenarbeit.

2. Das Werte-Gerüst, in dessen Rahmen Unternehmen und Verwaltung zusammenarbeiten, muss neu formuliert werden, die gegenseitige Achtung muss wieder eine Selbstverständlichkeit sein.

Und 3. Die Entwicklung eines Leit- und Zukunftsbildes für die Stadt ist unbedingt erforderlich.

Gute Noten für zwei Ämter

Bestnoten bei der Befragung des Unternehmerrates erhielten die Ausländerbehörde und das städtische Amt für Geo-Information und Liegenschaftskataster. Laut den Unternehmern begegne man dort – trotz chronischer Unterbesetzung – engagierten und an schnellen Lösungen interessierten städtischen Mitarbeitern.

Die Befragung soll bald auch unter Bürgern weitergeführt werden und über den Einzelhandel und die Gastronomie in Hagen weiter gestreut werden. Aufgebaut wird zum Thema außerdem aktuell eine Internetseite.

 
 

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