Schlachthof in Händen eines Profi-Blenders

Von Helmut Ullrich
Foto: WP Michael Kleinrensing
Versprochen wurde alles, gehalten wurde nichts: Die Stadt Hagen ist beim Verkauf ihres alten Schlachthofs offenbar auf eine zweifelhafte Firma hereingefallen. Der ehedem großmäulige Berliner Investor entpuppt sich nunmehr als wahres Windei.

Wehringhausen. Als im Februar 2009 die unbekannte „GGW Projekt Berlin GmbH“ den Kaufzuschlag für den alten Schlachthof erhielt, war sie zwar nicht die höchste Bieterin, aber immerhin diejenige, mit den vollmundigsten Absichtserklärungen: Auf der maroden Wehringhauser Gewerbebrache würden künftig Handel sowie Gastronomie angesiedelt werden und dort bis Januar 2010 sogar 30 neue Arbeitsplätze entstehen. Dieses vertraglich zugesicherte Versprechen beeindruckte die Verantwortlichen gewaltig. Und so wechselte das 20 000-Quadratmeter-Areal aus dem Besitz der Stadt zum Schnäppchenpreis von gerade mal 205 000 Euro den Eigentümer.

Miete kassieren, aber nicht tun

So billig wie der Kaufpreis, erscheint mittlerweile auch die Masche des neuen Schlachthof-Erwerbers. Aus „GGW“ wurde im April 2009 die „Haus- und Grundmanagement Tegernsee GmbH“ mit Sitz in Hamburg, später Rottach-Egern (Bayern). Inzwischen tritt eine Ein-Euro-GmbH aus Berlin, die „SAM Standard Agency & Merchandise UG“ als Mieteneintreiberin auf.

So häufig die Namen wechselten, es blieb dabei: Seit das lukrative Schnäppchen ergattert ist, werden zwar fleißig die Mieten kassiert, aber sonst tut sich auf dem Ex-Schlachthofgelände von Seiten der Eigentümerin so gut wie nichts. Gerade mal drei Arbeitsplätze wurden neu geschaffen, dafür sind mehrere Altmieter entnervt ausgezogen. Zudem gaben sich schon sechs Verwalter die Klinke in die Hand.

Nur günstig ans Grundstück kommen?

Inzwischen stellt sich die Frage: Waren die versprochene Gastronomie, der anzusiedelnde Handel und die zugesagten 30 Arbeitsplätze vielleicht nur eine Mogelpackung, um günstig an das Grundstück zu kommen?

Jörg Michael Hirsch (49) organisiert beruflich für Musikbands Proberäume und hat deshalb von der „Haus- und Grundmanagement Tegernsee GmbH“ im September 2009 insgesamt 680 Quadratmeter Fläche im Schlachthof angemietet. Sein Vertrag läuft über 15 Jahre. Hirsch richtete 19 Räume zweckdienlich her und stellte sie Musikern zum Proben zur Verfügung. Mit der neuen Grundstückseigentümerin befindet er sich von Anfang an in einer Art „Dauerkriegszustand“.

Der Proberaumbeschaffer hat leidvoll feststellen müssen: „Die Firma Tegernsee hält sich beharrlich an keine Absprache.“ Selbst eine vor Gericht eingegangene Verpflichtung, scheint ihr später völlig egal. „Deshalb müssen die Musiker nun wohl den zweiten Winter ohne die zugesicherte Heizung auskommen“, befürchtet Hirsch.

Gas- und Stromrechnung von gut 90.000 Euro sind noch offen

Auch beim Energielieferanten Mark-E ist man auf den neuen Schlachthofbesitzer nicht gut zu sprechen. Dort steht die „Haus- und Grundmanagement Tegernsee GmbH“ ganz tief in der Kreide. „Gas- und Stromrechnungen in Höhe von gut 90 000 Euro sind noch offen“, weiß Mark-E-Sprecher Andreas Köster. Der Gashahn ist bereits zugedreht. „Wir werden das Geld jetzt einklagen.“

Inzwischen treibt die Politik die Sorge um, dass, wenn Enervie nach Haßley zieht, sich auf dem Nachbargrundstück des alten Schlachthofs ein ähnlich krummer Immobiliendeal zum Nachteil der Stadt anbahnen könnte.

„Es ist eine Katastrophe“, so Christine Grebe, Immobilienchefin der Stadt, wenn sie an die Tegernsee-GmbH denkt. „Eigentlich wollten wir Schaden begrenzen und Kosten einsparen, als wir das Schlachthof-Gelände verkauften. Doch jetzt ist ein noch größerer Schaden entstanden, als er vorher da war.“