Saisonstart für schwarz-gelbe Quälgeister

Wespen knabbern in einem Garten an einem Stueck Schinken auf einem Fruehstuecksteller.
Wespen knabbern in einem Garten an einem Stueck Schinken auf einem Fruehstuecksteller.
Foto: ddp

Hagen. Die Sonne strahlt vom Himmel, die Temperaturen sind hochsommerlich, die Nachbarin hat zu einem Tässchen Kaffee und einem Stückchen Kuchen auf die Terrasse geladen. Ein wunderschöner Tag, bis zu dem Moment, in dem ein schwarz-gelber, ungebetener Gast ebenfalls vom Pflaumenkuchen naschen möchte. Die Wespenzeit steht vor der Tür – und die Meinungen, ob in diesem Jahr mit besonders vielen der Hautflügler zu rechnen ist, gehen weit auseinander.

Wer die Wespen los
werden möchte,
muss selbst zahlen

Harald de Vries vom Umweltamt der Stadt ist Wespen-Experte und hat im Sommer täglich mit den Tieren zu tun – oder vielmehr mit Bürgern, die sich von einem Wespennest bedroht fühlen. „Manchmal erhalten wir nur einen Anruf pro Tag, manchmal aber auch zehn“, sagt de Vries. „Die Menschen wollen die Tiere dann sofort weg haben – am liebsten durch uns.“ Doch dafür ist keineswegs das Umweltamt zuständig, und auch nicht – wie in früheren Zeiten – die Feuerwehr. Wer die Brutstätte der Sechsbeiner von seinem Grundstück entfernen lassen möchte, muss einen Schädlingsbekämpfer kommen lassen. Und selbst bezahlen.

Doch davon rät de Vries ab. „Die Deutsche und die Gemeine Wespe sind die häufigsten heimischen Arten, die zudem große Staaten bauen und sehr wehrhaft sind. Trotzdem sind auch sie, ebenso wie die geschützten Arten wichtig im ökologischen System“, erläutert der Fachmann. Denn aufs Marmeladenbrot oder den Kuchen hätten es die Tiere meist erst abgesehen, wenn sie im Spätsommer ihre Nester aufgeben und einzeln durch die Gegend streunen. Zuvor jagen sie jedoch Schädlinge wie die Raupen von Spannern, die in Wäldern für große Schäden sorgen können. „Und darum sind sie besonders bei Forstwirten beliebt“, weiß de Vries.

Lässt sich der Anrufer jedoch nicht von seinem Entschluss der Nest-Beseitigung abbringen, informiert das Umweltamt einen Schädlingsbekämpfer, der zunächst überprüft, ob es sich um eine geschützte Art handelt. Selbst wenn dem nicht so ist, könne noch eine Lösung gefunden werden, die Mensch und Tier gerecht wird: Ein Umsetzen des Nestes, eine Absperrung, eine Rohr-Verlängerung des Flugloches oder eine Fliegengaze.

De Vries kann sich an einen Fall erinnern, bei dem ein Wespennest sogar am Eingang eines Spielplatzes belassen und den Kindern erklärt wurde, wie sie sich zu verhalten haben. „Auch das“, so der Umweltexperte, „ist Naturerziehung. Denn die Angst vor Wespen ist vor allem ein psychologisches Problem“.

Ebenso wie de Vries rechnet auch Dr. Werner Mühlen, Referent für Bienenkunde bei der Landwirtschaftskammer NRW, in diesem Jahr nicht mit einem verstärkten Wespenaufkommen. Doch es gibt auch andere Meinungen. So vermeldet der erfahrene Schädlingsbekämpfer Robert Zydek dreimal mehr Einsätze als in den vergangenen Jahren: „Und beim Großhändler ist das Siliziumoxid, mit dem Wespen giftfrei getötet werden können, bereits ausverkauft.“

Zydek weiß genau, welche Arten unter Schutz stehen; aber auch bei den nicht geschützten Tieren bestehe die Möglichkeit, sie nicht zu töten, sondern umzusetzen. Dafür greift er schon mal zu einem ganz besonderen Gerät: Ein Vorsatz an einem speziellen Staubsauger fängt das Nest ab, sodass es unbeschädigt an anderer Stelle wieder ausgesetzt werden kann.

Ähnliche Erfahrungen wie Zydek machte 2011 auch Uwe Schröder, Schädlingsbekämpfer bei der ASL Gebäudereinigung: „Es ist ein extremes Jahr.“ Bei einem Einsatz habe er nicht weniger als neun Nester von einem Dach entfernen müssen. Befindet sich die Brutstätte der Tiere jedoch in einer abgelegenen Ecke des Gartens, spreche er sich für den Erhalt aus: „Denn im Oktober oder November ist das Nest dann ja ohnehin leer.“

Während Dachdecker Christian Hilker von einem „ganz normalen Jahr“ spricht, bekam es die Firma „Bedachungen und Photovoltaik Wulfert“ in diesem Jahr vermehrt mit den schwarz-gelben Insekten zu tun. Mit Folgen, weiß Wulfert-Mitarbeiter Marc Pieper: „Wir mussten schon auf mehreren Baustellen die Arbeit unterbrechen, weil es einfach nicht mehr ging.“

 
 

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