Rotstift hat bereits Mittel gekürzt

Der Rotstift hat in Hagen das Sagen.
Der Rotstift hat in Hagen das Sagen.
Foto: WP

Hohenlimburg.. Die Beratungsdrucksache war umfangreich. Fast 50 Tagesordnungspunkte, zu denen das Hagener (Verwaltungs-)Streichorchester den Ton bereits vorgegeben hatte, galt es zu debattieren.


Und deshalb entwickelte sich am Mittwochabend die Sondersitzung der Bezirksvertretung zum Haushaltssicherungskonzept wie erwartet zu einem Marathon.

Dazu hatten sich die Parlamentarier – quer durch alle Fraktionen – bestens vorbereitet. Intensiv wurde diskutiert, intensiv um jeden Euro, der zum Wohl der Hohenlimburger Bürger dienen könnte, aber im leeren Stadtsäckel nicht vorhanden ist, gerungen. Die zukünftige Personalsituation in den Bürgerämtern / Bezirksverwaltungsstellen war ein Schwerpunktthema, die Sach- und Personalkosten an den heimischen Schulen ein anderes. Auf der Tagesordnung standen natürlich auch der zukünftige Standort der Bücherei und die Kulturzentren. Was wird aus dem Werkhof?

Besonders dick war das Beratungspaket zu den 39 Kinderspielplätzen im Stadtgebiet. Welche sollen geschlossen werden, welche sollen bleiben?

Viele, viele Probleme – und wer hat die Lösung?

Kämmerer Christoph Gerbersmann, der den erkranken Dezernenten Dr. Christian Schmidt vertrat, musste die Diskussionsfreude der Hohenlimburger mehrfach bremsen. Vielfach hatte die Verwaltung, im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidenten, bereits den Rotstift angesetzt und die Mittel gekürzt. Deshalb durfte die Politik diese Entscheidungen nur noch „abnicken“. Das erzürnte Frank Schmidt, der bekundete: „Wir weigern uns über Entscheidungen abzustimmen, die bereits beschlossen sind.“

Ansonsten herrschte weitgehend Einigkeit. Wohl wissend, dass bei vielen berechtigen Wünschen der Politik die Hände gebunden sind, weil Hagen täglich 450 000 Euro neue Schulden macht.

Deshalb müssen im Personalbereich der Bürgerämter 43 Stellen eingespart werden. Und kein Bürger soll das merken? Das wird nicht möglich sein.

Bücherei: Geprüft wird
das Rathaus-Parterre

In der Zulassungsstelle, im Urkundenservice und in der Führerscheinstelle sind Veränderungen angedacht. „Das Konzept wird funktionieren“, versicherte Horst Flüshöh, Leiter des Ordnungsamtes, der aber auch versicherte, dass die Bezirksverwaltungsstelle Hohenlimburg auch in Zukunft mit einem Bezirksamtsleiter und zwei Halbtagskräften besetzt sein wird. „Und was passiert im Krankheitsfall?“, wollte Peter Leisten wissen. Krank, so hat es den Anschein, darf in Zukunft niemand mehr werden.

Sind die drei neuen Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen eine Abzocke der Bürger oder eine sinnvolle Einrichtung? „Vor Schulen und Kindergärten sind die notwendig“, mahnte Friedrich Buschkühl, und schon ging die Diskussion über Pro oder Contra los. In ihrem Eifer übersahen die Bezirksvertreter zunächst jedoch, dass die neuen Standorte gar nicht in Hohenlimburg liegen.

Die Kulturzentren im gesamten Stadtgebiet sollen noch mehr sparen. Das betrifft auch den Werkhof. Und schon tauchte die Frage nach der Zukunft des Hohenlimburger Kulturtempels auf, wenn Kultur-Chef Uli Ohm im Jahr 2014 in den Ruhestand geht. Auch bei einer noch engeren Zusammenarbeit mit der Stadt Hagen soll in Zukunft die Eigenständigkeit des Werkhofes geschützt bleiben. So bei der Programmgestaltung und bei der Mitbestimmung, wer einmal die Ohm-Nachfolge antreten wird. Das lag insbesondere Mark Krippner am Herzen. Willi Strüwer ergänzte: „Der Werkhof wird auch weiterhin in Kooperation mit dem Schlossspiel-Verein stehen.“

Viel Lob ernteten die ehrenamtlichen Mitarbeiter von HohenlimBuch für ihre vorbildliche Arbeit. Das betonte Christoph Gerbersmann ausdrücklich auch im Namen des Oberbürgermeisters. Deshalb waren sich Politik und Verwaltung einig, dass auch in Zukunft eine volle Stelle der Verwaltung erhalten bleiben müsse, um die ehrenamtlichen Kräfte bei ihrer Arbeit in der Bücherei zu unterstützen. Die Tendenz dazu scheint vorhanden.

Bleibt die Frage nach dem Standort. Deshalb soll noch einmal geprüft werden, ob sich die untere Rathaus-Etage dazu eignet. Das sei, so Horst Eschenbach, schon einmal geschehen. Damals hätte es geheißen: ungeeignet. Ob die Architekten und Statiker angesichts der Finanznot der Stadt jetzt zu neuen Erkenntnissen kommen? Weiterer Bericht folgt.

 
 

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