Riese Euronics interessiert sich für Beteiligung an Berlet

Die Keimzelle des Erfolges liegt an der Elseyer Straße. Hier ist der Stammsitz
Die Keimzelle des Erfolges liegt an der Elseyer Straße. Hier ist der Stammsitz
Foto: Volker Bremshey
  • Euronics erhält vom Bundeskartellamt Freigabe für Mehrheitsbeteiligung an Elektronikfachhandelskette Berlet
  • Gespräche über alle neun Standorte laufen seit Frühjahr 2016
  • Entscheidung laut Berlet-Geschäftsführung weiter völlig offen

Hagen.. Euronics Deutschland hat offenbar Interesse an einer Mehrheitsbeteiligung an Südwestfalens größtem Elektronikfachhandel Fernseh Berlet. Euronics hat zu diesem Zweck am 3. August eine entsprechende Anfrage an das Bundeskartellamt gerichtet, das „keinerlei wettbewerbsrechtlichen Bedenken hat“, bestätigte Kartellamtssprecher Kay Weidner gestern der WESTFALENPOST. Die beiden Unternehmen erklärten, seit dem Frühjahr intensive Gespräche über eine mögliche engere Zusammenarbeit zu führen.

Euronics ist ein genossenschaftlicher Verbund, dem in Deutschland rund 1700 Händler unterschiedlichster Größenordnung angehören. Fernseh Berlet ist bereits seit 2005 Mitglied bei der Euronics eG und gehört zu den größten beteiligten Unternehmen. Genaue Gründe für eine Beteiligung an Berlet nannte Euronics-Vorstandssprecher Benedict Kober nicht. Nur so viel: „Die Gespräche und Überlegungen sind mittlerweile so weit gediehen, dass wir die Anfrage beim Bundeskartellamt nach einer eventuellen Beteiligung gestellt haben.“ Von einer möglichen Mehrheitsbeteiligung am Mittelständler Berlet mit seinen neun Standorten spricht Kober anders als gegenüber dem Kartellamt nicht.

Stillschweigen vereinbart

Zwischen beiden Unternehmen wurde Stillschweigen vereinbart, um den Verlauf der Verhandlungen nicht zu stören. Berlet-Geschäftsführerin Elke Kampschulte äußert sich nur kurz und knapp: „Alles ist noch möglich“, betont sie. Die rund 450 Beschäftigten der Fernseh-Berlet GmbH seien in der vergangenen Woche über den Stand der Verhandlungen informiert worden.

Darstellungen von einer wirtschaftlichen Schieflage seien falsch. „Jede Rechnung wird pünktlich bezahlt“, betonte Kampschulte. Auch die Schließung einer Filiale in Herne im Januar dieses Jahres sowie der Wechsel des Küchenkooperationspartners von der „MHK Group“ zur Garant-Gruppe in Rheda-Wiedenbrück hätte andere Gründe. Herne sei kein Kerngebiet, die anderen Standorte stünden nicht zur Diskussion.

Eine Übernahme eines Genossenschaftsmitglieds durch Euronics wäre tatsächlich ein eher ungewöhnlicher Schritt. Erstmals war dies 2012 in Leinfelden-Echterdingen der Fall. Eigens für diesen Zweck wurde seinerzeit die Euronics Handels GmbH als einhundertprozentige Tochter der Euronics Deutschland eG am Stammsitz in Ditzingen bei Stuttgart gegründet. Seitdem gab es nach dem heutigen „EuronicsXXL-Fachmarkt“ in Schwaben nur noch eine solche Übernahme und Fortführung als sogenannter Regiebetrieb, um eine Schließung zu verhindern. Wie auch immer die Verhandlungen zwischen Berlet und Euronics ausgehen mögen, es scheint immerhin um eine möglichst erfolgreiche Fortführung der Geschäfte in Südwestfalen und im östlichen Ruhrgebiet zu gehen.

Online nagt am Fachhandel

In Leinfelden fehlte seinerzeit schlicht ein Unternehmensnachfolger. Daran mangelt es beim 1964 von Erich und Renate Berlet gegründeten Unternehmen aus Hagen-Hohenlimburg ganz offensichtlich aber nicht. Und Zukunftsstrategien gab es im Hause Berlet ebenfalls schon früh. Noch unter der Regie des Gründers Erich Berlet wurde den Kunden bereits im Jahr 2000, also recht vorausschauend, ein Onlineshopangebot gemacht.

Dass das Geschäft für den stationären Elektronikfachhandel insgesamt sehr schwierig geworden ist, ist kein Geheimnis. Selbst die Branchenriesen aus dem Metrokonzern haben mit dem Onlinegeschäft zu kämpfen und suchen ständig nach Zukunftskonzepten. „Alle sind stark vom Internethandel betroffen, dabei haben die Großen gegenüber den Kleinen sicher noch Vorteile und ganz gute Überlebenschancen“, schätzt Stephanie Erben, Handelsexpertin der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer mit Sitz in Hagen. Ob Berlet sich allein stark genug fühlt, wird sich am Ergebnis der Gespräche mit Euronics erweisen, die aktuell weiter geführt würden.

 
 

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