Rettungsdienst fehlen Intensivbetten

Zumindest in den Wintermonaten sind Intensivbetten in Hagen oft Mangelware.
Zumindest in den Wintermonaten sind Intensivbetten in Hagen oft Mangelware.
Foto: Susann Prautsch
  • Mit der dunklen Jahreszeit wird es auf den Intensivstationen der Krankenhäuser wieder eng
  • Der städtische Rettungsdienst hat immer häufiger Probleme, Notfälle in die Kliniken einzuliefern
  • Die Ärztliche Leiterin Dr. Katrin Hoffmann fordert Mittel für größere Bettenreserven

Hagen..  Der Druck auf den Rettungsdienst wächst. Angesichts des zum Jahreswechsel schließenden Elseyer Krankenhauses und des damit einher gehenden Wegfalls weiterer Intensivbetten wird es für die Ärztliche Leiterin Dr. Katrin Hoffmann und ihr Team in diesem Winter absehbar noch ein wenig komplizierter, Notfallpatienten an die örtlichen Krankenhäuser zu übergeben: „Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Winter sehr problematisch wird.“

„Wenn wir eine schlappe Grippewelle erleben, wenn wir keine schweren Atemwegsinfekte kriegen, dann ist alles gut. Kommt es anders, wird es schwierig“, warnt sie aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung. „Ich fordere, dass wir in dieser Stadt mehr Intensivbetten vorhalten oder die Notaufnahmen so aufstocken, dass man Patienten dort länger puffern kann – vor allem im internistischen Bereich.“

Parallel erinnert Hoffmann an die demografische Entwicklung. „Wir haben immer mehr alte Menschen, die ins Krankenhaus müssen, weil sie zu Hause nicht adäquat versorgt sind.“ Hier fangen die Familien immer seltener die Situation durch eine gewisse Basispflege auf, weil die Menschen alleine leben. „Ambulante Pflegedienste, die maximal dreimal täglich vorbeischauen, sind da kaum eine ausreichenden Alternative“, beschreibt Hoffmann die Realität.

Seit der Schließung des Hasper Heilig-Geist-Hospitals hat sich die Lage für den Rettungsdienst kontinuierlich verschlechtert. Inzwischen ist auch das St.-Marien-Hospital in der Innenstadt aus dem Versorgungsnetz herausgebrochen, Elsey folgt zum Jahreswechsel. Eine Tendenz, die mit Blick auf den aktuellen Krankenhausplan NRW 2015 sich so fortsetzen dürfte. Die Krankenkassen haben darin bereits skizziert, dass in Hagen mindestens 241, maximal sogar 613 weitere Betten abgebaut werden sollten – das Gros im internistischen Bereich.

Defizite im Finanzierungssystem

„Die Tatsache, dass die Krankenhäuser schließen, ist politisch so gewollt. Da kann man den Verwaltungsleitern der Häuser keinen Vorwurf machen“, zeigt die Ärztliche Leiterin des städtischen Rettungsdienstes für deren Handeln durchaus Verständnis. „Sie sind es, die in dieser Situation - einer meines Erachtens pervertierten Form der Krankenhausfinanzierung, die von oben aufgedrückt wird - versuchen, ihre Krankenhäuser rentabel zu halten.“ Durch das Abrechnungssystem über Fallpauschalen (DRG) werde das Gesundheitssystem ruiniert. „Es werde bestimmte Leistungen, die technisch sehr aufwändig sind, hoch honoriert. Auf der anderen Seite werden Leistungen, die wir viel häufiger abrufen – also der alte, multimorbide Mensch, der dann vielleicht auch noch einen multiresistenten Erreger hat – überhaupt nicht abgebildet. Mit diesen normalen Patienten haben wir jede Menge Probleme.

Denn auch Kranksein ist ein Saisongeschäft: Während die Hospitäler in der hellen Jahreszeit regelmäßig Bettenreserven haben, sind sie in den dunklen Monaten meist zu 120 Prozent aus- bzw. überlastet. Offenbar sei es, so die Ärztliche Leiterin, in der Politik nicht abbildbar, dass Krankenhauswesen auch eine Form der Daseinsvorsorge ist, bei der man sich ausreichende Pufferreserven leisten müsse. Auch die volle Kapazität der Hagener Feuerwehr werde nur äußerst selten benötigt, erinnert Hoffmann. Dennoch werden die Einsatzkräfte mit einer Kapazität vorgehalten, dass im Bedarfsfall auch Großlagen bewältigt werden können. Hier sei der gesellschaftliche Konsens, sich dies aus Steuermitteln leisten zu wollen, unumstritten. Dieser Gedanke falle hingegen bei der Finanzierung des Krankenhauswesens auf keinerlei fruchtbaren Boden.

Ausweichen in die Region

Auch in der Region finden die Hagener Rettungswagenbesatzungen selten Ausweichziele. Zumal dies weder für die Rettungswagen-Besatzung noch für den Patienten ein Vergnügen ist. Bei allem technischem Equipment, das ein solches Fahrzeug vorhält, fehlen weite Teile der Diagnostik, die im Notfall so wichtig ist. „Irgendwann müssen wir eine Notaufnahme dann auch erreichen“, betont Hoffmann. Zudem fällt der Rettungswagen, sobald es in die Nachbarkommunen geht, deutlich länger für den Hagener Rettungsdienst aus.

 
 

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