Remondis flirtet mit dem HEB

Der Hagener Entsorgungsbetrieb scheint auch für private Unternehmen von Interesse zu sein. Der Abfall-Riese Remondis könnte sich vorstellen, das HEB-Aktienpaket der klammen Enervie AG zu übernehmen.
Der Hagener Entsorgungsbetrieb scheint auch für private Unternehmen von Interesse zu sein. Der Abfall-Riese Remondis könnte sich vorstellen, das HEB-Aktienpaket der klammen Enervie AG zu übernehmen.
Foto: WP
Der private Entsorgungsriese Remondis könnte sich einen Einstieg beim Hagener Entsorgungsbetrieb vorstellen. Dies könne das Unternehmen strategisch stärken.

Hagen.. Die Lünener Remondis-Gruppe, die zu den weltweit größten Dienstleistern in der Müll- und Recycling-Sparte sowie in der Wasserwirtschaft zählt und seit einem Jahr auch als privater Anteilseigner bei der Enervie AG offensiv agiert, möchte sich künftig in die Hagener Abfallwirtschaft einbringen. „Wir interessieren uns durchaus für den HEB“, bestätigt Remondis-Geschäftsführer Markus F. Schmidt im Gespräch mit dieser Zeitung, dass sein Unternehmen es sich vorstellen könne, sich mittelfristig am Hagener Entsorgungsbetrieb zu beteiligen.

Das Thema drängte in den vergangenen Tagen im Rathaus in den Vordergrund, als die von den Banken bei Enervie installierten Sanierungsberater aus dem Hause der Unternehmensberatung Roland Berger ihren Maßnahmenkatalog zur Restrukturierung des finanziell angeschlagenen Energieversorgers dem Rat präsentierten. Ein Mosaikstein des Rettungsplanes, so das Konzept, war nach Informationen dieser Zeitung u.a. der sofortige Verkauf der HEB/HUI-Anteile, die aktuell noch von der Mark-E gehalten werden. Das 29-Prozent-Paket an dem Hagener Entsorger, so schätzen Insider, könnte einen Erlös von bis zu sechs Millionen Euro erbringen, die der Liquiditätssituation bei Enervie zugute kämen.

Sicherung der Arbeitsplätze

Zum einen hätte sich mit diesem Schritt die Chance eröffnet, dass der HEB selbst diese Anteile zurückkauft und somit die vollständige kommunale Eigenständigkeit wieder herstellt. Dadurch wäre auch die so genannte „Inhouse“-Fähigkeit gesichert, die dem Betrieb u.a. den bequemen Erstzugriff auf den Hagener Müllmarkt an allen europaweiten Ausschreibungszwängen vorbei garantiert. Zum anderen meldete sich aber auch prompt Remondis zu Wort, um das eigene Interesse an einer HEB-Beteiligung zu unterstreichen. „Inhouse-Fähigkeit ist nicht das Wichtigste“, betont Schmidt im Gespräch mit dieser Zeitung, „sondern es geht vor allem darum, HEB/HUI unternehmerisch weiterzuentwickeln und somit Arbeitsplätze zu sichern.“

Dabei verwies der Manager exemplarisch auf das Remondis-Engagement bei dem Ennepetaler Entsorger AHE, das sich – beispielsweise mit der Errichtung einer Biogasanlage – erfolgreich entwickelt habe. Für die Hagener Müllverbrennungsanlage, so Schmidt weiter, eröffne sich mit der Beteiligung beispielsweise die Chance, dass die von Remondis im Kreis Olpe eingesammelten Abfallmengen künftig in den Hagener Öfen verbrannt werden und somit die Existenz der Anlage absichern könnten, stellte der Geschäftsführer in Aussicht.

Allerdings, so der Schmidt-Appell, bedürfe es eines gewissen zeitlichen Vorlaufes und einer angemessenen Strategiediskussion, um solche unternehmerischen Entscheidungen qualitätvoll zu treffen. Daher habe Remondis sich dafür stark gemacht, den Verkauf des HEB/HUI-Paketes im Rahmen der Enervie-Restrukturierung nicht mit maximaler Priorität voranzutreiben. Das wurde nach Informationen dieser Zeitung auf der jüngsten Maßnahmenliste von Roland Berger offenkundig auch so berücksichtigt. Damit scheint aber ebenfalls klar, dass dieses brisante politische Thema spätestens im Herbst die politischen Debatten in Hagen bestimmen wird.

SPD warnte schon im Wahlkampf

Schließlich hatte die SPD bereits im Kommunalwahlkampf 2014, als Remondis bei Enervie das 19,06-prozentige Aktienpaket bei Enervie übernahm, davor gewarnt, dass das Lünener Unternehmen bekannt dafür sei, vor allem in jenen Städten expansiv zu agieren, in denen es einmal Fuß gefasst habe. Remondis hatte seinerzeit etwa 60 Millionen Euro für die langjährige Enervie-Beteiligung des Essener Energieriesen bezahlt. Angesichts der seitdem ausbleibenden Dividendenausschüttungen, die laut Restrukturierungsplan auch mindestens bis zum Bilanzjahr 2019 nicht wieder fließen dürften, hat sich diese Investition bislang weniger ausgezahlt als wenn das ausgesprochen liquide Unternehmen diesen Betrag konservativ auf einem simplen Sparbuch deponiert hätte.

Seitens des Hagener Entsorgungsbetriebes wollte man sich bislang noch nicht zu den Remondis-Avancen äußern.

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