Remondis-Flirt mit HEB kein Tabu

Hagen..  Die Rückendeckung der Politik für den Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB), auch in Zukunft Platzhirsch und Taktgeber in allen Müllfragen zu sein, ist einhellig. Die entsprechenden Voten des Rates aus der Historie wurden erst im Herbst vergangenen Jahres wieder erneuert. Voraussetzung für diese HEB-Marktführerschaft ist die so genannte „Inhouse-Fähigkeit“ des Unternehmens. Dies bedeutete bislang, die Anteilseigner müssen lupenreinen kommunalen Stallgeruch mitbringen, damit der HEB-Geschäftsführung an allen europäischen Ausschreibungsregelwerken vorbei der Erstzugriff auf den Hagener Müllmarkt (Vertrag läuft 2022 aus) erhalten bleibt.

Doch durch eine Gesetzesänderung im Vergaberecht, die seit April dieses Jahres greift, scheint neuerdings die mittelbare Beteiligung privater Anteilseigner durchaus möglich. Die ist in Hagen aktuell gegeben, weil durch den Enervie-Anteil am HEB – gehalten durch die Mark-E – zu einem geringen Prozentsatz auch die private Remondis-Gruppe, die zu den weltweit größten Dienstleistern in der Müll- und Recycling-Sparte zählt und auch drittgrößter Anteilseigner bei Enervie ist, indirekt an der Hagener Müll-Gesellschaft beteiligt ist.

Anteil-Verkauf nicht notwendig

Daher stand zuletzt eher im Fokus, dass Mark-E die HEB/HUI-Anteile veräußert, um gleich zwei positive Effekte zu erzielen: Zum einen hätte ein solcher Verkauf der in Liquiditätsnöten steckenden Enervie AG einen Erlös von geschätzten sechs Millionen Euro bescheren können. Zum anderen wäre in lupenreiner Weise die „Inhouse-Fähigkeit“ hergestellt worden, wenn der Hagener Entsorger beispielsweise höchstselbst zurückerworben hätte.

Doch diese Rochaden scheinen durch die Vergaberechts-Novelierung inzwischen gar nicht mehr notwendig. Vor diesem Hintergrund wird noch vor der Sommerpause die HEB-Geschäftsführung der Politik ein entscheidungsreifes Gesamtkonzept vorlegen, wie sich die Gesellschaft in den kommenden Jahren weiterzuentwickeln gedenkt. Mehrere Modell-Varianten wurden bereits im Aufsichtsrat diskutiert. Entscheidend ist nach Informationen dieser Zeitung dabei eine abschließende, externe juristische Bewertung, ob die bestehende Remondis-Beteiligung bei Enervie tatsächlich die „Inhouse-Fähigkeit“ des Unternehmens nicht beschädigen könnte.

„Über die Realisierbarkeit der einzelnen Modelle sind noch abschließende Gespräche zu führen“, bestätigen die beiden HEB-Geschäftsführer Herbert Bleicher und Manfred Reiche in einem Schreiben an Oberbürgermeister Erik O. Schulz. „Darüber hinaus werden die Modelle derzeit insbesondere unter vergaberechtlichen als auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten geprüft.“

Die Remondis-Gruppe selbst, die den aktuellen Strategieprozess auch mit eigenen juristischen Statements unterfüttert, hat bislang keinen Hehl daraus gemacht, dass es für sie von hohem unternehmerischen Interesse sei, sich auf dem Hagener Müllmarkt partnerschaftlich und mit unternehmerischen Know-how einzubringen.

Material für Müllverbrennung

Zumal die Lünener, die sich vorzugsweise im Kreis Olpe in Sachen Müll engagieren, auf der Suche nach Verbrennungskapazitäten in der Region sind. Und genau diese könnte die Hagener Müllverbrennungsanlage in naher Zukunft anbieten. Mit dem Effekt, dass dort langfristig die maximale Auslastung gewährleistet und somit die Gebührenkalkulation für die Hagener Müllkunden weitgehend stabil bleiben könnte.

Apropos: Im HEB-Aufsichtsrat, in dem Mark-E als Anteilseigner eigentlich mit zwei Sitzen vertreten ist, bleibt seit dem Ausscheiden des Ex-Vorstandsvorsitzenden Ivo Grünhagen ein Platz frei. Hier könnte in Zukunft auch ein Remondis-Vertreter im HEB-Aufsichtsrat Platz nehmen, sollte es bei der Allianz mit den Lünenern tatsächlich bleiben.

 
 

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