Rechtlicher Anspruch auf zehn freie Tage

Margrit Pielsticker
Margrit Pielsticker
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Hohenlimburg..  Seit dem 1. Januar 2015 ist es in Kraft: das Erste Pflegestärkungsgesetz. Was ist damit verbunden? Welche Chancen und welche Möglichkeiten bietet dieses den Familien und insbesondere den Betroffenen nach einem Krankenhausaufenthalt, wenn die Patientin oder der Patient achtzig Jahre oder älter sind? Diese und zahlreiche weitere Fragen erörterte am Dienstagabend Margrit Pielsticker.

Die 54-jährige examinierte Krankenschwester hat vor sechs Jahren die Aufgaben einer Sozialberaterin des Sozialdienstes im Elseyer Krankenhaus übernommen und sich in dieses schwierige, weil überaus komplexe Themenfeld eingearbeitet. „Fast jede dritte Patientenakte landet auf meinem Schreibtisch“, beschreibt sie im Gespräch mit dieser Zeitung die Aktualität des Themas und auch den Umfang ihrer Aufgaben.

Tendenz steigend, denn die Bevölkerung wird immer älter, die Zahl jener Menschen, die in den eigenen vier Wänden oder in einer Kurzzeit- oder Dauerpflege betreut werden, nimmt kontinuierlich zu. Auch deshalb, weil sich die gesellschaftlichen Strukturen verändert haben und insbesondere die Zahl der Frauen, die berufstätig sind, zugenommen hat. Eine Pflege durch Familienangehörige ist somit häufig nicht mehr möglich.

Am Dienstagabend durchleuchtete Margrit Pielsticker in der Krankenhaus-Cafeteria dieses umfangreiche Themengebiet, erörterte dabei Schlagwörter wie Pflegestufen, Pflegebedürftigkeit, MDK-Gutachten oder die unterschiedlichen Möglichkeiten der Versorgung. Angefangen bei einer häuslichen Pflege durch Angehörige, durch ambulante Pflegedienste oder durch eine 24-Stunden-Pflege von Kräften aus Osteuropa. Ebenso das Thema Kurzzeitpflege. Vielen der rund fünfzig Besuchern waren diese Schlagwörter aus der öffentlichen Diskussion bekannt. Doch was verbirgt sich konkret dahinter?

Insbesondere die Einstufung in eine Pflegestufe ist für viele ältere Menschen von einer besonderen Bedeutung. „Diese ist der Dreh- und Angelpunkt der Versorgung“, so die Sozialberaterin. Die Einstufung erfolgt durch den Medizinischen Dienst, der die Betroffenen in deren Wohnung oder in der Kurzzeitpflege aufsucht.

Widerspruch ist möglich

„Lassen Sie die Angehörigen dabei nicht allein“, mahnte Margrit Pielsticker, „denn die Senioren können bei einem solchen Termin urplötzlich alles. Alles wird mobilisiert, um einen guten Eindruck zu machen.“

Das ist oftmals fatal, weil dann keine oder eine falsche Einstufung erfolgt. In einem solchen Fall kann innerhalb von vier Wochen Widerspruch eingelegt werden, denn bei rund 1,5 Millionen Gutachten, die der Medizinische Dienst bundesweit pro Jahr erstellt, kann es auch zu Fehlbeurteilungen kommen. Doch was ist zu tun, um eine solche zu verhindern? Pielsticker: „Helfen kann ein Pflegetagebuch, das über mindestens zwei Wochen geführt werden muss und in dem alles dokumentiert wird.“

In weiten Teilen der Bevölkerung unbekannt ist das seit Januar gültige Erste Pflegestärkungsgesetz. Dieses bietet die Möglichkeit, die Pflege eines Angehörigen (Vater, Mutter, Ehemann) ohne beruflichen Stress zu organisieren. Arbeitnehmer haben nämlich einen gesetzlichen Anspruch auf zehn freie Tage, die der Arbeitgeber gewähren muss. Die Pflegekasse zahlt dafür eine sogenannte Lohnersatzleistung.

Stadt bietet Pflegeberatung

Eine wertvolle Hilfestellung ist für die Betroffenen auch die Pflegeberatung durch die Kommunen. Die Mitarbeiter erörtern u.a. in persönlichen Gesprächen die Leistungen der Pflegeversicherung, stellen Versorgungs- und Betreuungsangebote vor, besprechen eine seniorengerechte Wohnraumanpassung und bieten auch Entlastungsangebote für das Pflegepersonal.

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