Radfahren gegen die Einbahnstraße an 40 weiteren Stellen

Mike Fiebig
Gertrud Nehls (Foto) lebt auf der Hestert und erledigt so viel wie möglich mit dem Rad. Sie begrüßt Einbahnstraßen, die Radfahrer in beide Richtungen befahren können und hofft, dass Autofahrer mehr Rücksicht nehmen.
Gertrud Nehls (Foto) lebt auf der Hestert und erledigt so viel wie möglich mit dem Rad. Sie begrüßt Einbahnstraßen, die Radfahrer in beide Richtungen befahren können und hofft, dass Autofahrer mehr Rücksicht nehmen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
  • 40 weitere Schilder aufgestellt
  • Radfahrer dürfen gegen die Einbahnstraße fahren
  • Teil des Konzepts für mehr Fahrradfreundlichkeit

Hagen-Hestert. Den Satz haben viele Radfahrer in dieser Stadt so oft gehört, dass sie ihn irgendwann nur noch mit einem müden Lächeln quittiert haben. „Hagen soll fahrradfreundlicher werden.“ Jetzt aber tun sich einige Dinge. Und wenn es auch noch nicht der ganz große Wurf ist, so dürften doch 30 bis 40 neue Schilder in Hagen bei manchem Autofahrer für mehr Sensibilität gegenüber Radfahrern sorgen. Es geht um Einbahnstraßen in Hagen, in denen Radfahrer in beide Richtungen radeln dürfen – und Autofahrern somit auch entgegenkommen. Das Problem: Viele Autofahrer müssen das erst verinnerlichen.

Wütende Autofahrer

Blickpunkt Hestert. Genauer: Hestertstraße Ecke Schlesierstraße. Gertrud Nehls (76) kommt auf ihrem E-Bike die Einbahnstraße zur Grundschule Hestert hinabgeradelt. Und sie darf das. Denn die Einbahnstraße Schlesierstraße gehört zu jenen Straßen in Hagen, in denen Radfahrer in beide Richtungen radeln dürfen. Statt sich also schwer aufzuregen, zu hupen und den Vogel zu zeigen – so hat Gertrud Nehls es erst jüngst bei einer eiligen Autofahrerin erlebt – ist gegenseitige Rücksichtnahme geboten. Aber gilt das jetzt nur auf der Hestert oder im ganzen Stadtgebiet?

Neue Schilder

„Nein“, sagt Stadtsprecher Michael Kaub, „das gilt in all jenen Straßen, in denen das entsprechende Schild darauf hinweist.“

Davon gab bislang schon einige im Stadtgebiet, jetzt sind 30 bis 40 Stück dazu gekommen. „Ja“, sagt Kaub, „das ist auch Teil des Konzepts, mehr für die Fahrradfreundlichkeit in Hagen zu tun.“ Jüngst hatte die Verwaltung erklärt, an künftigen Straßenbaustellen auch immer einen Radstreifen mit auf die Straße zeichnen zu wollen und das Radeln an befahrenen Straßen somit sicherer zu machen.

Gegenseitige Rücksicht ist wichtig

Der Hagener Fahrlehrer Jörg Zimmermann erklärt die Regelung: „Nur dort, wo diese Schilder darauf hinweisen, ist es Radfahrern auch gestattet, die Einbahnstraße in beide Richtungen zu befahren.“ Das sei übrigens nur in Straßen möglich, wo die zulässige Geschwindigkeit bei 30 Km/h oder weniger liege.

„Linksabbieger müssen in solchen Einbahnstraßen 1,50 Meter beim Abbiegen Platz lassen, weil ihnen ja Radfahrer entgegenkommen könnten.“ Kinder bis acht Jahre müssen mit ihrem Rad den Gehweg nutzen, Kinder bis zehn Jahre dürfen ihn nutzen.

Bei Älteren ist Fahren auf der Straße angesagt. „Ich begrüße diese Schilder sehr“, sagt Gertrud Nehls, die so ziemlich alles mit ihrem Fahrrad erledigt und sich wundert, dass die Stadt diese Maßnahmen, wenn es auch kleine seien, nicht viel offensiver bekannt gemacht habe. „Das hilft, die Stadt fahrradfreundlicher zu machen. Jetzt müssen aber auch alle an den entsprechenden Einbahnstraßen aufeinander aufpassen.“