Politik plündert Reservetopf für die Kunstrasenplätze

Hagen..  In einer über weite Strecken hitzigen, zerfahrenen und von persönlichen Anfeindungen geprägten Ratssitzung hat die Politik am Donnerstagabend sich endgültig für Kunstrasenplätze in Dahl sowie in der Bezirkssportanlage Boele/Helfe/Kabel ausgesprochen. Außerdem votierte das Gremium dafür, den Aufsichtsrat der Enervie mit einer systematischen Aufarbeitung der Unternehmenskrise zu beauftragen, um anschließend dann als größter Eigentümer eine eigene politische Bewertung der Ursachen vornehmen zu können und entsprechende Konsequenzen daraus abzuleiten.

Nachdem der Sportausschuss sich einhellig für den Umbau der Sportplätze in Dahl und Helfe ausgesprochen hatte, präsentierte die CDU zur Ratssitzung plötzlich ein Papier, das die Investition im Hagener Norden unter den Finanzierungsvorbehalt eines noch äußerst unsichern Bundesförderprogramms stellte. SPD-Sprecher Thieser wetterte: „Wir sind keine Hampelmänner, so macht man keine verantwortungsvolle Politik.“

Kämmerer warnt

Dafür sollte der Kunstrasen im Volmetal durch einen Griff in einen Reparatur-Reservetopf realisiert werden. Eine Strategie, bei der sogar Kämmerer Christoph Gerbersmann (CDU) ausdrücklich die Alarmglocke läutete: „Die Rücklage für die Kunstrasenplätze wird für Reparaturarbeiten absolut benötig“, warnte er davor, 143 000 Euro aus diesem Budget zuzuschießen. Vergeblich: Eine der angriffslustigen Atmosphäre geschuldete Sitzungsunterbrechung erbrachte schließlich die Kompromisslinie: Dahl wird mit Priorität, aber auf Kosten der Plünderung sämtlicher Rücklagen realisiert und Helfe folgt – sollten die Bundesmittel nicht greifen – aus der Sport- und Bildungspauschale. Mit der Konsequenz, dass auch diese Quellen damit nahezu ausgetrocknet werden.

Große Emotionen auch beim Thema Enervie. „Die Sicherung des Unternehmens hat in den letzten Monaten Vorrang gehabt, jetzt muss es um die Aufarbeitung und Konsequenzen gehen“, forderte SPD-Sprecher Werner König. „Wir dürfen Verantwortlichkeiten nicht unter den Teppich kehren, es müssen Taten folgen“, forderte er mit Blick auf einen umfangreichen Fragenkatalog den Aufsichtsratsvorsitzenden OB Erik O: Schulz auf, dem größten Eigentümer, also der Stadt Hagen, endlich eine Analyse der Enervie-Krisenfakten zu liefern. Selbst Roland Berger habe hausgemachte Managementfehler ausgemacht, so König.

Neuanfang nicht behindern

„Aufklärung darf den Neuanfang nicht behindern, aber ein Neuanfang ist ohne Aufklärung kaum vorstellbar“, fasste FDP-Ratsfrau Katrin Helling-Plahr die konfliktfreudige Debatte zusammen. Jetzt liegt es beim Enervie-Aufsichtsrat, mit Fingerspitzengefühl in den Aufarbeitungsprozess einzusteigen.

 
 

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