Pispers Spitzen bringen Lacher und nachdenkliche Stille

Hagen..  Einen Stehtisch und ein Glas Wasser. Viel mehr braucht der Kabarettist Volker Pispers nicht, um die Menschen zu unterhalten. Am Freitag war er mit seinem Programm „Bis Neulich“ in der ausverkauften Stadthalle zu Gast und begeisterte das Publikum.

Beim politischen Kabarett gehört er sicherlich zu den bekanntesten Akteuren der Republik – und in Hagen zeigte er sich bissig und unbequem, genau wie man ihn aus diversen Fernsehauftritten kennt. Pispers, der während eines Auslandsjahres in England seine Liebe zum Schwarzen Humor entdeckte, nahm auch an diesem Abend kein Blatt vor den Mund. Bereits kurz nachdem er unter Applaus die Bühne betreten und sich zielstrebig neben dem Stehtisch im Spotlicht positioniert hatte, ging er in Angriffsposition. „Früher hat man sich die Welt schön gesoffen, heute rechnen wir sie uns schön!“ begann der gebürtige Gladbacher seine One-Man-Show. Und es folgte deutliche Kritik an der Berechnung von Statistiken zu Arbeitslosenzahlen und Prognosen wie dem ifo-Geschäftsklimaindex. Dabei beherrschte eine Mischung aus Lachen und nachdenklicher Stille das Publikum.

Im weiteren Verlauf nahm er die Gäste mit auf einen Streifzug durch viele Themen, die die Medienlandschaft in den letzten Jahren beherrscht haben. Vom Arabischen Frühling bis hin zur Ukraine-Krise ließ Pispers nichts unkommentiert und blieb dabei seiner bissigen Art treu.

Und er wandte sich seiner Paradedisziplin zu: der Kritik am Kapitalismus. Dabei vermittelte er komplizierte Zusammenhänge mit einfachen Beispielen und hielt der Konsumgesellschaft den Spiegel vor. „Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht leiden können“,erklärte Pispers.

„Präzise auf den Punkt“

In diesem Zusammenhang durfte natürlich auch ein Blick auf die Euro-Krise und Griechenland nicht fehlen. Am Ende stand eine pessimistische Lagebeschreibung: „Wir sitzen in einem Zug und rasen auf einen Abgrund zu. Die Politiker sagen, die Richtung sei alternativlos, aber immerhin dürfen wir durch Wahlen den Lokführer tauschen“.

Die Gäste verabschiedeten Pispers, der anschließend noch im Foyer für persönliche Gespräche und Autogrammwünsche zur Verfügung stand, mit begeistertem Applaus. „Er bringt es kurz und präzise auf den Punkt, aber das Lachen konnte einem manchmal schon im Hals stecken bleiben“, resümierte Gabriele Hillebrand aus Wuppertal, die Pispers erstmals live gesehen hatte, nach der Veranstaltung.Vielleicht genau das Erfolgsrezept des Mannes am Stehtisch, der den Menschen seine Sicht der Dinge überzeugend nahebringt – je bissiger desto besser.

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