Philosoph zeigt Wege auf zu einem glücklichen Leben

Ein Symbol fürs Glück: die Hochzeit. Aber bekanntlich bietet auch sie keine Garantie für lebenslange Zufriedenheit.
Ein Symbol fürs Glück: die Hochzeit. Aber bekanntlich bietet auch sie keine Garantie für lebenslange Zufriedenheit.
Foto: dpa
Eine philosophische Tagung in Hagen befasst sich mit dem Glück des Menschen. Dabei gibt es ein Problem: Es gibt nicht nur ein Glück – sondern drei!

Hagen.. Wenn wir einander, morgen um Mitternacht auf der Silvesterparty oder in den kommenden Tagen und Wochen, ein glückliches neues Jahr wünschen, was genau wünschen wir da? Anders gefragt: Was ist das eigentlich - Glück? Damit und wie man es erreicht, befasst sich die Philosophie, seit es sie gibt. Endgültig geklärt sind diese Fragen dennoch nicht. Das verdeutlichte kürzlich auch ein Symposium an der Fernuniversität Hagen zum Unesco-Welttag der Philosophie zum Thema „Das Glück - Ziel und Problem des Menschen“.

Wieso denn Problem? Allein schon deshalb, weil die sonst so präzise deutsche Sprache hier merkwürdig beschränkt ist und drei Begriffe in ein Wort packt, wie der Hagener Philosophie-Professor Hubertus Busche erklärt. Glück 1 bezeichnet den günstigen Zufall (im Gegensatz zu Pech). Glück 2 bezeichnet ein gutes Gefühl (im Gegensatz zu Leid). Glück 3 bezeichnet den Erfolg (sein Glück machen).

Eine Frage der Einstellung

„Für ein glückendes Leben sind alle drei Faktoren wichtig“, analysiert Busche, „und es scheint dabei keinen Wertigkeitsvorrang zu geben und keine direkte Korrelation“. Gerade erfolgreichen Menschen fehle oft die Zufriedenheit. Daraus folge: „Wer möglichst viel Glücksempfinden genießen will, darf nicht an großen Zielen arbeiten. und wer Großes erreichen will, darf nicht ängstlich nach seinem Glücksempfinden fragen.“ Das individualisiert die Glücksformel und macht sie zu einer Charakter- und Einstellungsfrage.

Glück ist auch immer eine Frage des Vergleichs: Es kommt darauf an, an wem wir uns messen, wie wir das Heute im Vergleich zum Früher sehen. „Lebenserfahrung und Verallgemeinerungsfähigkeit können helfen, schon die Abwesenheit von Unglück als Glück zu empfinden“, meint Busche und warnt vor Glück/Unglücks-Bilanzen: „Schon der Vergleich im eigenen Leben scheitert am schwachen und selektiven Gedächtnis und daran, dass Bewertungsprämissen sich ändern.“ Und mit anderen Menschen sei ein Vergleich schon gar nicht möglich.

Unabhängigkeit von Fortuna

Wie findet man also den Weg zum Glück? Von der launischen Fortuna macht man sich möglichst weit unabhängig, Rezepte für Erfolg sind reichhaltig vorhanden. Aber Lebensfreude und Zufriedenheit? „Da lauert der Abgrund“, meint der Philosophie-Professor. Und gibt doch ein paar Ratschläge, die sich in mehreren tausend Jahren Philosophie-Geschichte bewährt haben:

Finde heraus, woran Du langfristig Freude findest und was gut und wichtig für Dich ist („Erkenne Dich selbst“ - Spruch am Tempel des Apoll in Delphi).

Verwechsele das nicht mit dem, was andere für wichtig halten. (Seneca: „An fremden Vorbildern gehen wir zugrunde.“)

Wenn Du Dich unglücklich fühlst, ändere Deine Verhältnisse. Wenn Du das nicht kannst, ändere Deine Einstellung.

Bedenke, dass nur Personen mit gestörtem Realitätssinn völlig glücklich sein können.

Vertragen sich Moral und Glückseligkeit?

Prof. Maximilian Forschner von der Universität Erlangen-Nürnberg stellte John Stuart Mills (1806-1873) Lösung des Problems vor. Also der Frage: Macht das Bewusstsein, sein Leben mit Anstand zu führen zufrieden? Kant hielt die Vernunft, also die Moral, für nicht geeignet zur Glückseligkeit. Der leidende Gerechte hatte aber bei ihm die Hoffnung auf einen Ausgleich in einer anderen Welt. Für Mill dagegen sind Handlungen moralisch richtig, wenn sie das Glück befördern. Vergnügen und Freiheit von Schmerz seien die einzig erstrebenswerten Ziele.

Manche Vergnügen seien aber wertvoller als andere. Forschner: „Freuden, bei denen Geist und Vernunft im Spiel sind, sind erstrebenswerter.“ Glück sei nach Mill die Aktualisierung unserer höheren Fähigkeiten, die durchaus einher gehen könne mit Unzufriedenheit mit der Welt: „Besser ein unzufriedener Mensch als ein zufriedenes Schwein.“ Auch daraus folgen Glücksrezepte:

Wir sollten nicht mehr vom Leben erwarten, als es geben kann.

Wir müssen die Egozentrik überwinden und geistige Interessen entwickeln.

Ohne emotionale Bindung und praktisches Interesse an anderen Menschen ist kein Glück möglich.

Und was heißt das jetzt alles für unsere Neujahrswünsche? Dies: Wir können uns glücklich schätzen, dass die deutsche Sprache so unpräzise ist und das glückliche neue Jahr jede denkbare Form von Glück enthält. So meinen wir es schließlich auch.

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