Pfarrer boten Liebesdienste im Internet an

Jens Stubbe
Foto: imago

Hagen/Breckerfeld. Der Pfarrei Christ-König Halver, zu der die katholische Gemeinde St.Jakobus Breckerfeld und Teile des Hagener Süden zählen, sowie dem Pastoralverbund Hagen West stehen schwere Tage bevor. Zwei Pfarrer werden ihren Aufgaben enthoben, weil sie im Internet ihre Liebesdienste anboten.

Die Pfarrei Christ-König Halver, zu der auch die katholische Gemeinde St. Jakobus Breckerfeld und weite Teile des Hagener Süden zählen, sowie der Pastoralverbund Hagen West mit den Gemeinden St. Conrad, St. Bonifatius, St. Michael und Maria Hilfe der Christen stehen vor schweren Tagen. Zwei Priester, die bereits vor Ort tätig sind bzw. ab Juni Pfarrer werden sollten, werden von ihren Bistümern von ihren Aufgaben enthoben, weil sie im Internet auf einem Kontaktportal für Homosexuell ihre Liebesdienste angeboten hatten.

Einer der Geistlichen, der lange Zeit Pfarrer der St.-Jakobus-Gemeinde Breckerfeld war, war zuletzt Pfarrer der fusionierten Großgemeinde Christ-König, die das Volmetal, Breckerfeld und Halver umfasst. Auf der Online-Plattform hatte er mit Foto und Angaben seiner Vorlieben nach Partnern für Sextreffen gesucht. Die Bild-Zeitung hatte den Geistlichen direkt mit seiner Anzeige aus dem Internet konfrontiert und darüber berichtet.

Juristisch wurde keine Straftat begangen

Involviert ist auch das Bistum Essen. Nach einem Gespräch mit Bischof Franz-Josef Overbeck lässt der Geistliche sein Amt zunächst ruhen. „Wir haben vereinbart, dass er die Zölibatsfrage für sich neu klären muss”, erklärte Overbeck. Juristisch, so betonte er, habe der Pastor keine Straftat begangen. „Doch ich als Bischof habe die Verantwortung gegenüber dem Bistum, seinen Mitarbeitern und Gemeindemitgliedern.”

Wie aus dem Nichts traf die Nachricht auch die St.-Jakobus-Gemeinde Breckerfeld, in der der Geistliche bis Ende 2006 direkt als Pfarrer tätig war. „Wir wollen offen miteinander reden”, so Pastor Claus Optenhövel, der selbst in einem kurzen Gespräch Kontakt zu seinem Kollegen hatte. Der Pfarrgemeinderat trat noch gestern Abend zusammen, um über den Vorfall zu reden und darüber zu beraten, wie es praktisch in der Gemeinde weitergehen soll.

Sexpartys in Dortmunder Club organisiert

Noch weiter gehen die Vorwürfe gegen einen geistlichen aus Bad Driburg, den der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker ab Mai zum Leiter des Pastoralverbundes Hagen-West machen wollte. Der Geistliche, der in Iserlohn aufgewachsen ist, soll homosexuelle Sexpartys in einem Dortmunder Club organisiert und eine eigene homosexuelle Homepage betrieben haben. Auf dieser soll er zu Workshops eingeladen haben, bei denen den Teilnehmern der „richtige Umgang mit dem Rohrstock” beigebracht werden soll. Eingeschaltet ist in diesem Fall auch die Paderborner Staatsanwaltschaft, die allerdings noch nicht beurteilen kann, ob eine Straftat vorliegt.

„Der Erzbischof hat den Geistlichen nach einem Gespräch mit sofortiger Wirkung suspendiert”, so Ägidius Engel, Sprecher des Bistums Paderborn. „Damit ist er seines Amtes endgültig enthoben und darf seine priesterlichen Funktionen künftig nicht mehr ausüben.”

Welche Auswirkungen das für den Pastoralverbund Hagen West hat, der mit Werner König einen Geistlichen in den Ruhestand verabschiedet, steht noch nicht fest. „Uns hat die Nachricht ja auch wie ein Schlag getroffen”, so Ägidius Engel, „der Personaldezernent wird sich nun zügig darum kümmern, dass die Stelle neu besetzt wird.”