Parteien in Hagen bereiten sich auf OB-Wahlen vor

Mit seiner Rückzugsankündigung hat Oberbürgermeister Jörg Dehm die Zusage verknüpft, sich ab sofort bei allen richtungsweisenden Entscheidungen mit den Spitzen der Fraktionen eng abzustimmen.
Mit seiner Rückzugsankündigung hat Oberbürgermeister Jörg Dehm die Zusage verknüpft, sich ab sofort bei allen richtungsweisenden Entscheidungen mit den Spitzen der Fraktionen eng abzustimmen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Nachdem Oberbürgermeister Jörg Dehm am Donnerstag seinen frühzeitigen Rückzug erklärt hat, blickt das politische Hagen auf den Mai 2014. Dann wird nicht nur ein neuer Rat gewählt, sondern vor allem ein neuer Verwaltungschef gesucht.

Hagen.. Seine politischen Weggefährten fanden warme Worte des Bedauerns und des Respekts, die Widersacher sprachen von einem überfälligen Schritt. Quer durch die Reihen mussten sich gestern die Fraktionen des Hagener Rates angesichts der Rückzugsnachricht von Oberbürgermeister Jörg Dehm neu orientieren und auf Kandidatensuche begeben.

Manch bittere Medizin habe der Verwaltungschef der Stadt verordnen müssen, bilanzierte CDU-Kreisvorsitzender Christoph Purps: „Dabei hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Dehm hat mit seiner Entscheidung konsequent gehandelt und die Interessen von Hagen dabei im Blick behalten.

Röspel schließt seine OB-Kandidatur aus

Wir wünschen ihm und seiner Familie, dass sie bald wieder Frieden und eine spannende Aufgabe finden.“ „Dehm hat der Stadt gut getan“, verwies CDU-Fraktionschef vor allem auf die Konsolidierungserfolge in der Ära Dehm. Ohne den Begriff „Schwarz-Rot“ zu nennen, sprach er sich für die nächste Legislaturperiode für breitere Mehrheiten im Rat aus, um angesichts der schwierigen Hagener Situation unnötige politische Reibungsverluste zu vermeiden.

Während er seine eigene Kandidatur ausschloss, plädierte Röspel für eine CDU-Persönlichkeit als OB-Kandidaten, die Hagener Wurzeln habe. In der kommenden Woche wird seine Partei den weiteren Kurs besprechen und voraussichtlich im Februar ihren Bewerber nominieren.

Hagen-Aktiv-Chef Josef Bücker warf im Gespräch mit dieser Zeitung bereits gestern seinen Hut in den Ring: „Ich werde wieder versuchen, unser Kandidat zu sein.“ Gleichzeitig appellierte er an Dehm, dessen Rückzug er ausdrücklich begrüßte, ab sofort die Amtsgeschäfte Ruhe zu lassen, um weiteren Schaden von Hagen abzuwenden.

Gemeinsamer Kandidat

„Für Hagen ist die Entscheidung von Herrn Dehm keine gute Nachricht, denn die Stadt braucht eine starke Führungskraft“, äußerte Grünen-Fraktionssprecher Riechel erhebliche Zweifel, ob sich eine solche Figur finden lässt. „Ich habe Verständnis für den Schritt des OB – er hat einen kleinen, aber unverzeihlichen Fehler begangen.“ Zu seinen eigenen Ambitionen, wollte sich der Grüne, der 2009 noch kandidierte, nicht äußern.

Überrascht vom frühzeitigen Amtszeitende des Verwaltungschefs zeigte sich FDP-Fraktionschef Claus Thielmann: „Ich kann die Entscheidung nachempfinden, wenn sie juristisch auch nicht notwendig war. Jörg Dehm wird das nächste Halbjahr souverän meistern. Allerdings erwarte ich, dass er bei allen kritischen Entscheidungen ab sofort die Spitzen der Fraktionen zurate zieht.“ Gleichzeitig forcierte der Liberale die Idee, dass die kleineren Parteien gemeinsam nach einem unabhängigen Fachmann Ausschau halten sollten, der unbelastet von der Vergangenheit in das OB-Rennen im Mai gehe.

SPD nominiert im Februar

Als eine Chance für einen Neuanfang wertete die SPD diese politische Zäsur. „Leider haben Dehm und die Hagener CDU es soweit kommen lassen, dass erst die Ergebnisse der staatsanwaltlichen Ermittlungen wegen Untreue Herrn Dehm zum Rückzug bewegen konnten“, erinnerte Parteichef Timo Schisanowski daran, dass die Genossen bereits seit Monaten diesen Schritt eingefordert hätten.

Gleichzeitig kündigte er an, dass die SPD ihren Kandidaten nicht vor Februar nominiere.

 
 

EURE FAVORITEN