Osthaus-Museum Hagen zeigt große Werkschau Volker Stelzmanns

Osthaus-Preisträger Volker Stelzmann zeigt eine große Werkschau in Hagen.
Osthaus-Preisträger Volker Stelzmann zeigt eine große Werkschau in Hagen.
Foto: Michael Kleinrensing
Das Hagener Osthaus-Museum zeigt eine große Werkschau des Malers Volker Stelzmann. Der wird am Sonntag mit dem Karl Ernst Osthaus-Preis der Stadt ausgezeichnet.

Hagen.. Seine Tafelbilder zeigen Menschen in Extremsituationen. Da ist es nur folgerichtig, dass sich so manche Straßenszene unversehens in einen Kreuzweg verwandelt. Religiöse Motive sind dem in der DDR aufgewachsenen Maler Volker Stelzmann nicht in die Wiege gelegt worden. Doch der leidende Christus war für viele DDR-Künstler angesichts des Diktats, eine heile sozialistisch-realistische Welt abzubilden, die einzige Möglichkeit, Verzweiflung, Not und auch kaputte Existenzen zu studieren. „Diese religiösen Themen sind für mich die große Hinterlassenschaft der europäischen Kunstgeschichte. Man muss sich damit beschäftigen“, sagt Stelzmann.

Das Vorbild der alten Meister

Damit beschäftigen kann sich ab Sonntag auch das Publikum im Hagener Osthaus-Museum. Denn anlässlich der Verleihung des Karl Ernst Osthaus-Preises 2015 an Volker Stelzmann zeigt das Haus eine großartige Werkschau des Berliner Künstlers mit rund 70 Gemälden und 40 Zeichnungen.

„Panoptikum“: Der Ausstellungstitel bedeutet Wunderkammer und Kuriositätenkabinett in einem. Und so steht das Wunderbare in Volker Stelzmanns Porträts und Figurengruppen stets haarscharf neben dem Grotesken. In der Kreuztracht zum Beispiel scheint die Prozession der Anhänger Jesu diesen noch extra niederzudrücken, statt ihm zu helfen. Eine Frau schaut mit giftigem Blick direkt aus dem Bild auf den Betrachter. Ihr geht es wohl eher darum, bei dem Event dabeigewesen zu sein. Eine weitere Passantin in klerikalem Lila schubst sich mit scharfem Profil nach vorne.

Volker Stelzmann zitiert die großen Meister gerne und bewusst von Grünewald über Cranach bis Max Beckmann. Seine Malerei kennt keine ausgestalteten Hintergründe. Nichts lenkt von den porträtierten Figuren und Gesichtern ab, die sich oft zu großen Ensembleszenen drängen. Diese Bilder irritieren, weil das gemalte Personal keinerlei Kontakt zueinander hat. Es sind ausnahmslos Einsame, selbst wenn sie gemeinsam als Jünger unter dem Kreuz stehen.

Volker Stelzmann will Zeuge sein, Chronist. Er klagt nicht an, er verherrlicht nicht, er beschreibt. Und seine Menschengruppen scheinen sich auch in den Straßenszenen und U-Bahn-Stücken alle auf einem persönlichen Kreuzweg zu befinden. Alte und Junge sind dabei, oft verwahrlost, gleichgültig, sogar grausam, oft gebrechlich und verletzbar. Opfer und Täter stehen eng nebeneinander. Und jeder scheint jederzeit zum Opfer werden zu können. Die Passion lauert überall.

Bilder als verschlüsselte Parabeln

Volker Stelzmann galt als Vorzeigemaler der DDR, bis er 1986 nach dem Besuch seiner Ausstellung in Oberhausen nicht mehr zurückkehrte. 1988 wurde er zum Professor an die Westberliner Hochschule der Künste berufen, deswegen kam es zum deutsch-deutschen Bilderstreit über Anpassung und Widerstand unter der Diktatur. Stelzmanns figurative, überrealistische Kunst machte es seinen Kritikern leicht, ihn in die systemkonforme Ecke zu drängen. Die verschlüsselten Parabeln darin muss man ja nicht entdecken.

Vielleicht aus dieser Erfahrung heraus, sind Massenszenen bei Stelzmann niemals harmlos. Die Masse kann jederzeit zum Mob werden. Und oft genug gibt es keinen Heiland, den man um der Erlösung willen ans Kreuz schlagen kann. In diesen Fällen beschwört Stelzmann das Jüngste Gericht, die Apokalypse. Die Figuren seines Welttheaters fallen, fallen, fallen in die Schwerelosigkeit. Die scheint noch schlimmer als ein Höllensturz. Denn der setzt ja wenigstens einen Himmel, ein oben und unten voraus.

Der Karl Ernst Osthaus-Preis der Stadt Hagen wird in diesem Jahr erstmals in neuer Ausrichtung verliehen. Alle zwei Jahre soll er künftig durch die Freunde des Museums an einen Künstler vergeben werden, der schwerpunktmäßig figurativ arbeitet. Damit ist kein Preisgeld verbunden, wohl aber ein Katalog und eine Ausstellung im Osthaus-Museum. Bis 2010 war der 1946 begründete ehrwürdige Preis noch mit einer Dotation von 25000 Euro verbunden.

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