Hagen

Nur bei Grün auf "Kaminampel" soll in Hagen das Holz brennen

In Hagen gibt es zwischen 10 000 und 15 000 Kleinfeueranlagen. Kamine und Kachelöfen sind in Privathaushalten äußerst beliebt, produzieren allerdings viel Feinstaub.Foto:Kleinrensing
In Hagen gibt es zwischen 10 000 und 15 000 Kleinfeueranlagen. Kamine und Kachelöfen sind in Privathaushalten äußerst beliebt, produzieren allerdings viel Feinstaub.Foto:Kleinrensing
Foto: WP Michael Kleinrensing
  • Die FDP ist dafür, eine Kaminampel einzuführen.
  • Bürger sollen ihre Kamine und Holzöfen nur bei geringer Feinstaubbelastung nutzen.
  • Tausende Privatleute in Hagen wären von der Einführung der Kaminampel betroffen.
  • Die FDP ist dafür, eine Kaminampel einzuführen.
  • Bürger sollen ihre Kamine und Holzöfen nur bei geringer Feinstaubbelastung nutzen.
  • Tausende Privatleute in Hagen wären von der Einführung der Kaminampel betroffen.

Hagen. Dieses Thema betrifft Zigtausende Hagener: Bevor in Hagener Wohnzimmern der Holzofen für behagliche Wärme sorgt, soll der Blick ins Internet künftig obligatorisch sein. Denn nur wenn auf der Seite www.kaminampel.de das grüne Licht erleuchtet, ist die Feinstaubbelastung so niedrig, dass das Heizen mit Holz als unbedenklich gilt. Eingerichtet hat diese Seite die Hagener FDP-Stadratsfraktion, die dabei die Daten vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen bezieht.

Einstimmig im Umweltausschuss

Und aus Sicht der Liberalen wird damit auch in privater Initiative der politische Mehrheitswillen umgesetzt. „Wir als FDP haben ein solches einfaches Informationssystem für Bürger bereits im vergangenen Jahr vorgeschlagen“, so der umweltpolitischen Sprecher der Fraktion, Alexander Plahr. „Und der Ausschuss hat dem auch einstimmig zugestimmt.“ Geschehen sei allerdings nichts - auch nicht nach erneuter Nachfrage bei der Stadtverwaltung. Die sei zwar grundsätzlich willig, habe aber technische Schwierigkeiten vorgebracht, das städtische EDV-System mit dem des Landesamtes zu verbinden. „Das konnte ich ehrlich gesagt technisch nicht nachvollziehen. Also habe ich mich sonntagnachmittags an den Rechner gesetzt und zwei Stunden später war die Kaminampel in ihrer jetzigen Form fertig“, so Plahr.

Simple Funktion

Die funktioniert simpel: Beim Landesamt wird die Feinstaubbelastung für Hagen ständig abgefragt. Die Ampel auf der schlicht gehaltenen Internetseite zeigt an, ob der Betrieb des heimischen Kamins/Ofens unbedenklich (grün), eher kritisch ist (gelb) oder besser unterbleiben sollte (rot).

Dass die so genannten Kleinfeueranlagen ein erheblicher Faktor bei der Feinstaubbelastung sind, gilt inzwischen als unumstritten. Laut Bundesumweltamt sind sie eine „relevante Quelle für die Luftbelastung“. Die Feinstaubemissionen aus kleinen Holzfeuerungsanlagen überstiegen in Deutschland mittlerweile die aus den Motoren von Lkw und Pkw. Und Feinstaub gilt als ernstes Gesundheitsproblem für die Atemwege.

Gerade in Hagen mit seiner gesetzlich vorgeschrieben Umweltzone und den drohenden Strafzahlungen ist das Thema brisant. Und Betroffene gibt es auch genug. Eine genaue Gesamtzahl für Hagen war bei der Schornsteinfegerinnung, die die Kleinfeueranlagen kontrollieren muss, nicht zu erfahren. Doch in einzelnen der insgesamt 15 Hagener Schornsteinfegerbezirken gibt es allein bis zu 1500 Anlagen. Stadtweit geht man daher von mindestens 10.000 privaten Kleinfeueranlagen aus, eher aber noch von 12 bis 15.0000.

Verbot diskutiert

Der städtische Umweltamtsleiter Rolf-Rainer Braun begrüßt daher auch generell den Vorstoß der FDP: „Das ist schon grundsätzlich so, wie wir es auch machen wollten.“ Noch gebe es aber eben jene technischen Schwierigkeiten, die eine schnelle Umsetzung verhinderten. Dass die Kleinfeueranlagen zwar beliebt sind, aber viel mehr Feinstaub produzieren als Öl-oder Gasheizungen, weiß auch Braun. Ebenso, dass bestimmte Wetterlagen die Belastung noch verschärfen. „Im Umweltausschuss ist daher ja auch die Möglichkeit diskutiert worden, bei entsprechenden Wetterlagen den Betrieb der Kleinfeueranlagen ganz zu verbieten.“ Doch letztlich lasse sich solch ein Verbot in Hagen wohl nicht kon­trollieren.

Daher also die Kaminampel im Internet als ein weicheres Mittel. Aber bleibt das trotz der Freiwilligkeit nicht doch eine Bevormundung der Bürger, die die FDP sonst immer anprangert? Freiheit sei immer auch Freiheit zur Verantwortung, meint Alexander Plahr: ­„Sehen Sie, ich habe selbst einen Kamin und nutze diesen ausgesprochen gern. Aber nur wenn ich als Hagener Bürger auch weiß, wann es vielleicht eine gute Idee wäre, den Kamin – aufgrund etwa von Inversionswetterlagen – auszulassen, kann ich diesen überhaupt verantwortlich nutzen.“ Information und freie Entscheidung des Einzelnen seien gerade das Gegenmodell zu ordnungsbehördlicher Bevormundung, starren Grenzwerten und Verboten.

 
 

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