Neue Straße lässt Traum platzen

Das Antik Eck  von Elheme und Hilmi Sykaj sowie Sohn Flamur Sahiti an der Wehringhauser Straße schließt.
Das Antik Eck von Elheme und Hilmi Sykaj sowie Sohn Flamur Sahiti an der Wehringhauser Straße schließt.
Foto: WP Michael Kleinrensing
  • Als Flüchtling baute sich Hilmi Sykaj eine neue Existenz auf
  • Doch sein „Antik Eck“ muss es jetzt schließen
  • Mit der Umgehungsstraße bleiben die Kunden aus

Hagen-Wehringhausen.. Stolz ragt er auf. Der Dreikaiserbrunnen auf dem Bodelschwinghplatz. Doch von der einstigen Pracht der Kaiserzeit ist hier schon lange nichts mehr zu spüren. Die Bürgersteige sind verschmutzt, die Fassaden heruntergekommen. Immer mehr Geschäfte sehen sich gezwungen, die Gegend zu verlassen. So auch das „Antik Eck“ von Hilmi Sykaj. 1993 kam er als Flüchtling nach Hagen und baute sich hier eine neue Existenz auf. Nach über 15 Jahren muss er nun sein Antiquariat schließen. Ein Abschied der schwer fällt.

Auf den ersten Blick sieht es aus wie neu. Dabei hat dieses Vertiko stolze 100 Jahre auf dem Buckel. Dank Restaurator Hilmi Sykaj erstrahlt der Zierschrank in altem Glanz. Oft monatelang arbeitet Sykaj an einem antiken Möbelstück. Er schleift, schraubt und erneuert. Eine Arbeit, die auch Reinhard Schiller zu schätzen weiß. Gemeinsam mit seiner Frau Hildegard kauft er das Vertiko. Dass es mit dem Antik Eck nun zu Ende geht, bedauert er sehr. „Die Gegend hier ist in den letzten Jahren stark heruntergekommen“, meint Schiller. „Da ist es kein Wunder, dass immer mehr Geschäfte schließen.“

Leer und verlassen

Ein Blick aus dem Ladenfenster bestätigt seine Worte. Viele Gebäude rund um den Bodelschwinghplatz wirken leer und verlassen. Auch die neue Bahnhofshinterfahrung hatte ihren Einfluss auf den Umsatzeinbruch des Antiquariats. Das Geschäft ist nun praktisch vom Hauptverkehr abgetrennt. „Es kommen eben fast gar keine Kunden mehr“, beklagt Hilmi Sykaj, „früher war das ganz anders.“

Bis heute hat der Restaurator seine Herkunft nicht vergessen. In seiner Werkstatt hängt die Flagge Albaniens. Auf Grund politischer Unruhen im Land floh Sykaj 1993 nach Deutschland. Auf der Flucht lernte er seine heutige Frau Elheme kennen. Sie brachte ihren Sohn Flamur mit in die Ehe. „Mein leiblicher Vater ist bis heute vermisst“, erzählt der heute 29-jährige. „Ich weiß nicht was aus ihm geworden ist.“

Ein Traum geht in Erfüllung

Eine schwierige Zeit für die junge Familie. Über verschiedene Flüchtlingsheime kamen die drei schließlich nach Hagen. Dort arbeitete Hilmi Sykaj zunächst bei einem Antiquar in Boele. Zwei Jahre später wagte er den Schritt zur Selbstständigkeit. Mit dem „Antik Eck“ ging für den einstigen Flüchtling ein Traum in Erfüllung. Die Restauration ist seine Leidenschaft. „Es ist wichtig, mit den ursprünglichen Materialien zu arbeiten“, erklärt Sykaj. „Das kann nicht jeder.“

Stolz präsentiert er einige seiner Schmuckstücke. Meist waren es Schränke und Tische, die beschädigt oder halb zerstört den Weg in seine Werkstatt fanden. In mühsamer Kleinarbeit begann der Restaurator dann den Stücken neues Leben einzuhauchen. Ein Handwerk, das er nun aufgeben muss. Ein Standortwechsel kam für den 52-jährigen jedoch nie in Frage. Der Internethandel ebenfalls nicht. Hilmi Sykaj arbeitet demnächst als Hausmeister im Krankenhaus. Seine unverkauften Stücke wandern in die Garage. Er hofft jedoch, zumindest seine Werkstatt behalten zu können. Und so wenigstens ein Stück seines alten Antik Ecks.

 
 

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