Neue Gesellschaft soll Brachen für Wirtschaft aufwerten

  • „WegeHA“ soll Gewerbeflächenengpässe entzerren
  • Neue städtische Gesellschaft gegründet
  • Schnittstellen mit Wirtschaftsförderung

Hagen.. Rein begrifflich kommt der künftige Taktgeber für die Entwicklung und Vermarktung von Gewerbeflächen in Hagen wie ein schauerliches Ungetüm daher: „Wirtschaftsflächenentwicklungsgesellschaft“ nennt sich die neue kommunale Einheit, die am 1. Januar 2017 an den Start gehen soll. Auch die unsmart klingende Abkürzung „WegeHA“ geht da kaum geschmeidiger über die Lippen. Die Gesellschaft, die Kräfte der Stadt (51 Prozent) und des Wirtschaftsbetriebes Hagen (49 Prozent) organisatorisch bündelt, soll jedoch die notwendige Schlagkraft entwickeln, um die Gewerbeflächenengpässe in den vier Hagener Flusstälern ein wenig zu entzerren.

„Eine Stadt ohne Gewerbe- und Industrieflächenangebot glaubt nicht mehr an ihre Zukunft“, formulierte im Mai der ehemalige SIHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Peter Rapp-Frick bewusst provokativ und brachte damit die Dramatik der Flächenproblematik auf den Punkt. Und Rasmus C. Beck, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Metropoleruhr GmbH, stellte zuletzt fest: „Das Angebot an Gewerbeflächen in Hagen ist das niedrigste aller Städte und Kreise im Ruhrgebiet. Damit ist Hagen das Schlusslicht.“

Fakten, über die sich Oberbürgermeister Erik O. Schulz durchaus im Klaren ist: „Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Metropole Ruhr hat es uns mit ihrer Analyse zuletzt noch einmal eindringlich vorgerechnet: Aktuell verfügen wir noch über drei Hektar restriktionsfreie Gewerbeflächen und haben in den nächsten 15 Jahren einen Bedarf von etwa 65 Hektar.“ Vor diesem Hintergrund will der Verwaltungschef eine „schmale, schnelle Eingreiftruppe etablieren mit enger Anbindung an die Stadtentwicklungspolitik“.

Diese tickende Gewerbeflächen-Zeitbombe, die prosperierende Entwicklung von Unternehmen sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen zumindest bremst, manchmal sogar verhindert und somit der Hagener Stadtgesellschaft eine wesentliche Entfaltungsgrundlage entzieht, soll die neue „WegeHA“-Gesellschaft ein wenig entschärfen helfen. Denn klassische, restriktionsfreie Areale wie das aktuell in der Diskussion befindliche Böhfeld sind im Stadtgebiet kaum mehr zu entwickeln. Daher muss, so eine Forderung der Politik schon seit Jahren, der Fokus auf die Reaktivierung der zahlreichen Brachen im Stadtgebiet gelegt werden.

Reaktivierung schafft neue Chancen

Der originäre Zweck der Wirtschaftsflächen-entwicklungsgesellschaft ist daher klar umrissen: Grundstücke zur Förderung von Ansiedlung, Erhalt oder Erweiterung von Unternehmen an- und verkaufen, Flächenpotenziale für die gewerbliche und industrielle Nutzung ausweiten sowie Bestands- und Brachflächen sanieren und entwickeln. Hier sind die Schnittstellen mit der Hagen-Agentur, die sich im Bereich der Wirtschaftsförderung bereits auf diesem Terrain tummelt, noch im Detail abzustimmen. Grundsätzlich soll die „WegeHA“ durchaus wirtschaftlich agieren und dabei die steuerlichen Privilegien, die sich aus der kommunalen Gesellschaftsform ableiten lassen, auch voll nutzen.

Als organisatorisches Vorbild der neuen Gesellschaft dient die Hagener Erschließungs- und Entwicklungsgesellschaft (HEG), die nach ähnlichem Muster bereits bei der Entwicklung von Grundstücken für den Wohnungsbau agiert. Dieses Know-how soll unter dem Dach der „WegeHA“, die über kein eigenes Personal verfügen wird, in enger Zusammenarbeit mit den städtischen Profis aus den Ressorts Stadtentwicklung, Bauordnung, Immobilien, Umwelt sowie aus der Hagen-Agentur und der stadtinternen Arbeitsgemeinschaft Wirtschaftsförderung gebündelt und genutzt werden. Die Geschäftsführung soll dabei aus einer Doppelspitze bestehen, die Kompetenzen der WBH und Fachlichkeiten der Stadt adäquat abbildet.

Als rein städtische Gesellschaft kann diese Einheit auch Kommunalkredite aufnehmen und somit wirtschaftlich handeln. Das bedeutet, dass beispielsweise Kapitalerträge der GmbH aus Grundstücksgeschäften nicht etwa dazu dienen, dass der Kämmerer sein Defizit glatt bügelt. Vielmehr fließen potenzielle Gewinne in eine Rücklage, die dann wiederum Verluste kompensiert, wenn nach einer kostspieligen Brachensanierung der vorherige Aufwand beispielsweise den erzielten Erlös übersteigt. Außerdem ist die „WegeHA“ imstande, Fördertöpfe des Verbands für Flächenrecycling und Altlastensanierung anzuzapfen und somit auf diesem Weg Erträge ins Unternehmen zu lotsen. „Mir geht es darum, schnell und zielorientiert agieren und reagieren zu können“, betont OB Schulz. „Dazu braucht man eine Standby-Gesellschaft ohne große Infrastruktur, die sich nicht permanent mit sich selbst beschäftigt.“

Rückendeckung der Politik

„Dies ist ein wirklich gutes Vorhaben, denn der Flächenbedarf im gewerblichen Bereich ist enorm“, meint Stephan Ramrath (CDU), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses. „Jetzt haben wir ein In­strumentarium, um selbst aktiv werden zu können. Ich verspreche mir eine neue Dynamik bei der Brachflächenentwicklung und -vermarktung.“ SPD-Ratsherr Werner König mahnt derweil an, bei allen Chancen für die Brachenreaktivierung auch die Entwicklung neuer Industrie- und Gewerbeflächen als gleichwertige Aufgabe nicht aus den Augen zu verlieren.

 
 

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