Nach müdem Start wird Handbremse gelöst

Marcel Krombusch
Gitarrist und Gründungsmitglied John Lees (links) beweist, dass er seiner E-Gitarre noch immer schwindelerregende Soli entlocken kann.
Gitarrist und Gründungsmitglied John Lees (links) beweist, dass er seiner E-Gitarre noch immer schwindelerregende Soli entlocken kann.
Foto: Marcel Krombusch
  • Barclay James Harvest gastierte in Hagen.
  • Mehr als 1000 Besucher kamen in die Stadthalle.
  • Im zweiten Teil wurde es rockig.

Hagen. Die Melodien klangen vertraut. Eine elektronische Gitarre hallte durch die Stadthalle, begleitet von den sanften Harmonien des E-Piano. Es entstand ein Sound, der die 1970er-Jahre und darüber ­hinaus prägte. Am Samstag brachte „Barclay James Harvest“ diese Zeit zurück.

Die Zahl der freien Plätze in den Sitzreihen konnte dabei mit einer Hand abgezählt werden. Unter dem Titel „Best Of Classic Barclay“ lockten die vier britischen Altrocker weit über 1000 Fans ins Wasserlose Tal. Geliefert wurden viele Kuschel-Klassiker aus der Zeit von Bundeswehr-Parka und Vietnamkrieg - darunter Hits wie „On leave“ oder der „Poor Man’s Moody Blues“ mit ­seiner markanten Piano-Melodie. Ein Klang, der bei den Konzertgästen die Erinnerung an alte Zeiten weckte. „Barclay James Harvest war mein erstes Konzert – 1975 in der Westfalenhalle“, erinnerte sich Hubertus Erlmann zurück.

Nach 45 Minuten entließ die Band ihr Publikum jedoch mit gemischten Eindrücken in die Pause. „Der Sound klingt etwas laff und die Stimmung kommt nicht so gut ‘rüber. Wir sitzen allerdings auch weit hinten“, betonte Barbara Eichhorn, die mit ihrem Mann aus Iserlohn angereist war. Anders Peter Sasse: „Ich finde, es hört sich toll an“. Seine Frau Angelika ergänzte: „Früher fand ich die Musik zu rockig, heute gefällt sie mir gut.“

Mehr Stimmung im zweiten Teil

Im zweiten Teil lösten Gitarrist John Lees und Co. die Handbremse und präsentierten auch schnellere Hits wie „Loving is easy“. Dabei bewies Frontmann Lees, dass er auch mit 69 Jahren seiner E-Gitarre noch schwindelerregende Soli entlocken kann. Das Publikum war versöhnt und dankte es mit begeistertem Zwischenapplaus. Am Schluss stand ein Stück, auf das viele Fans schon seit Beginn gewartet hatten: So erhob sich das Publikum ausnahmslos von den Plätzen und klatschte mit, als die ersten Akkorde von „Hymn“ durch den Saal klangen. Viel Applaus begleiteten die vier Altrocker danach von der Bühne.

Unter den zufriedenen Gästen waren auch zwei ganz besondere Barclay-Fans: Jona, 10 Jahre, und ihre Schwester Lara, 6 Jahre, waren vermutlich die jüngsten Besucher des Grünen Saals. Sie erlebten an diesem Abend ihr erstes Rockkonzert. Dank Mama Stefanie Suntrup, die die Bandmitglieder persönlich kennt, durften die Mädchen bereits vor Beginn einen Blick hinter die Kulissen werfen. Stefanie Suntrup war es auch, die ihre Kinder mit dem „Barclay-Fieber“ infizierte: „Ich bin Fan der Band, seit ich zehn Jahre alt bin.“ Das Fazit der jüngsten Fan-Generation nach dem Konzert? „Das war cool“, fand Jona, während Schwester Lara etwas müde, aber zustimmend nickte.