Nach Großbrand vergammelt Schlachthof-Areal in Hagen-Wehringhausen

Der Schlachthof in Wehringhausen.
Der Schlachthof in Wehringhausen.
Foto: WP
Nach dem Brand auf dem Schlachthof-Areal in Hagen-Wehringhausen gibt es viele ungeklärte Fragen.

Wehringhausen.. Nach den Flammen bleiben die Fragezeichen. Denn auf dem jüngst durch den Großbrand in die Schlagzeilen geratenen Schlachthof-Areal an der Minerva­straße ist eigentlich nur klar, dass nichts klar ist. Während aus der Mieterschaft frustrierte Töne zu vernehmen sind, lässt die "IVB Societá Immobiliare" Haus- und Grundmanagement, Besitzerin des Areals, die Stadt, die Mieter und leider auch die Bürger am langen Haken mit Fragen zurück. Klagen, Anträge, offene Rechnungen. Der alte Schlachthof ist ein Stück mit lauter traurigen Akten.

Ein Rundgang über das Areal

Es musste wohl erst brennen, damit das Interesse an dem heruntergekommenen Areal hinter der Enervie-Zentrale wieder erwacht. Der Rundgang über die 20.000 Quadratmeter große Fläche gleicht einem Spaziergang durch eine Geisterstadt. Eingeschlagene Fenster. Bröckelnde Mauern. Endlos viele Autoreifen. Brandt-Brache 2.0. Verkommt hier das nächste Gelände zu einem hässlichen Loch?

Rückblick: 2009 erwirbt die unbekannte „GGW Projekt Berlin GmbH“ den Kaufzuschlag für das Gelände. Sie blättert nicht das meiste Geld unter allen Bietern hin, aber ihre sonstigen Absichten machen sie so interessant, dass sie den Kaufzuschlag erhält. 30 versprochene Arbeitsplätze werden vertraglich fixiert. Die Stadt Hagen hat sich dafür ins Grundbuch eintragen lassen.

Das Versprechen hat die GGW Projekt Berlin, die später auch als Tegernsee GmbH bzw. IVB Haus-und Grundmanagement firmiert, nicht gehalten. Die Folge: Die GmbH wurde zu einer Konventionalstrafe von 150.000 Euro verurteilt, wovon – so heißt es bei der Stadt Hagen – „ein wesentlicher Teil“ schon realisiert sei. Ist die Summe irgendwann getilgt, verschwindet die Stadt als Gläubigerin aus dem Grundbuch.

Das ist aber nur ein Teilaspekt des Stillstands auf dem Gelände. Weitere Kosten türmen sich auf. Der heimische Energieversorger Mark-E wartet noch auf 90.000 Euro Stromkosten. Eine Klage läuft. Mehr könne man dazu aktuell nicht sagen.

Auch wenn es nach außen nicht so scheint, aber ein Großteil der Gebäude auf dem Schlachthofgelände sind vermietet bzw. mittlerweile sogar verkauft. Auf der linken Seite (noch hinter dem Betrieb von Partyservice Wunderlich) sind Hagens Taubenzüchter Mieter eines Objektes. Das ehemalige Veterinäramt daneben steht leer. Ein Gebäude weiter findet man die in Hagen sehr begehrten Band-Proberäume. Es folgt ein Autoteile-Händler. Ein Papierhändler soll sich wohl noch auf dem Gelände befinden.

Jörg Hirsch ist der Vermieter der Proberäume auf dem Schlachthof-Gelände. 16 Bands proben aktuell in seinen Räumlichkeiten. Von der IVB Haus - und Grundmanagement ist er maßlos enttäuscht. Seine Mieten gehen mittlerweile auf ein Sperrkonto ein. Zu viele Vertragsbrüche machen eine konstruktive Zusammenarbeit aus seiner Sicht mittlerweile unmöglich. Unter anderem probten die Musiker zwei Winter lang in der Kälte, weil die "IVB Societá Immobiliare" die zugesicherte Heizung nicht einbauen ließ.

Mieter-Allianz gegen Eigentümer

„Ich habe die IVB damals wegen Eingehungsbetruges angezeigt“, sagt Hirsch. Es bildete sich sogar eine Mieter-Allianz gegen den unzuverlässigen Eigentümer. Es geschah aber nie etwas. „Ich habe auch Konzepte bei der Stadt vorgelegt zu einer alternativen Nutzung des Geländes. Es ist fast ein komplettes Nutzungskonzept für eine weiche Entwicklung, nach Bedarf von unten“, so Hirsch. Zu Gesprächen eingeladen wurde er aber nie. Er habe sich auch mehrfach zur Bürgersprechstunde bei Oberbürgermeister Dehm angemeldet. Dessen Antwort sei gewesen: Es bestehe kein Gesprächsbedarf.

Wer hat Recht auf dem langsam vor sich hin gammelnden Schlachthof-Gelände? Und wer ist überhaupt handlungsfähig? Die Stadt ist es nicht. Mit dem Verkauf des Areals vor zwei Jahren hat sie ihren stadtentwicklungstechnischen Zugriff verloren.

Wir haben den Chef der IVB, Karl-Heinz Krutz, im italienischen Brescia erreicht. Für den Unternehmer stellt sich die Lage auf dem Schlachthof-Gelände wiederum völlig anders dar (siehe Beitext). Die Posse am Schlachthof wird wohl um weitere traurige Kapitel ergänzt werden.

 
 

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