Nach der Wahl soll gezieltes Förderprogramm für Frauen starten

Hagen.  Ist die Hagener SPD, die laut parteiinterner Quote mindestens 40 Prozent aller Mandate und Ämter mit Frauen besetzen soll, nicht viel zu männerlastig? Dazu Unterbezirksvorsitzender Timo Schisanowski und Birgit Buchholz, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF).

Timo Schisanowski sieht nicht, dass Frauen gezielt benachteiligt werden: „Die Frauenquote setzt überhaupt erstmal Kandidaturen von Frauen voraus.” In der SPD Hagen seien auch diesmal alle an einem hohem Listenplatz interessierten Bewerberinnen hoch platziert worden. „Doch das Interesse hierfür war bei den Bezirksvertretungen auffallend überschaubar.” Natürlich sei Hagens Politik insgesamt gut beraten, sich mit der Untersuchung der Fernuniversität auseinanderzusetzen. Doch immerhin: „Die Hagener SPD nimmt bei der Vertretung von Frauen in Partei und Ratsfraktion im Vergleich zu unsere Mitbewerbern mit weitem Abstand den Spitzenplatz ein.” Schisanowski rechnet vor: „Sowohl im Unterbezirks-Vorstand als auch in der Ratsfraktion sind sieben von 17 Mitgliedern Frauen – das entspricht 41 Prozent.” Im Vergleich dazu seien im CDU-Kreisvorstand nur 27 Prozent Frauen, in der Ratsfraktion sogar nur 25 Prozent. Auch im Vergleich mit den Fraktionen von Grünen (28,5 Prozent), FDP (25 Prozent) und Hagen Aktiv (20 Prozent) liege die SPD gut.

Birgit Buchholz sieht nicht, dass das Problem nur an der mangelnden Bereitschaft von Frauen zur Kandidatur liege. „Es kandidieren auch zu viele Männer, die sich auf die aussichtsreichen Wahlkreise stürzen.” Sicherlich gebe auch zu wenige aktive Frauen in der SPD, doch daran zu arbeiten sei eine Gesamtaufgabe der Partei. „Dafür kann nicht allein die AsF sorgen, das müssen wir alle tun, wenn wir Wahlen gewinnen wollen.” Birgit Buchholz will nach der Wahl ein Mentorinnenprogramm auflegen, bei dem erfahrene Politikerinnen interessierten Frauen zur Seite stehen. Die Scheu vor der Kommunalpolitik solle genommen werden. „Das müssen wir schnell angehen, damit wir bei der nächsten Kommunalwahl nicht vor der gleichen Situation wie heute stehen. Wir wollen mit den Ortsvereinen sprechen und Selbstverpflichtungen anregen, so wie es schon in Hagens Süden im Ortsverein Eilpe-Delstern-Selbecke der Fall ist: Bei zwei oder mehreren Wahlkreisen, die ein Ortsverein besetzen kann, sollten auf mindestens die Hälfte auch tatsächlich Frauen kandidieren. Das setzt gezielte Förderung von Kandidatinnen voraus.“

 
 

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