Mutter startet Petition gegen Kitagebühr-Erhöhung in Hagen

Ein Bällebad in der Kita Fley: Über die Elternbeiträge in Hagen wird heftig diskutiert.
Ein Bällebad in der Kita Fley: Über die Elternbeiträge in Hagen wird heftig diskutiert.
Foto: WP Michael Kleinrensing
In Hagen sollen die Kita-Gebühren jährlich um 2,5 Prozent steigen - dagegen wehrt sich jetzt eine Mutter. Karina Hölterhoff hat eine Online-Petition gestartet.

Hagen.. Bislang hat sich Karina Hölterhoff nicht politisch engagiert. Doch jetzt wehrt sich die 27-jährige Mutter zweier Kinder. Sie will nicht hinnehmen, dass die Elternbeiträge für die Kinderbetreuung so stark erhöht werden, wie von der Stadtverwaltung vorgeschlagen. Sie hat eine Petition im Internet gestartet, die bereits mehr als 500 Bürger unterzeichnet haben. Die will sie in einigen Wochen Oberbürgermeister Erik O. Schulz überreichen.

Der Verwaltungsvorschlag sieht eine Steigerung der Elternbeiträge für Kindertagesstätten (Kita) und die Offene Ganztagsschule (OGS) um 2,5 Prozent vor – und das Jahr für Jahr ab dem 1. August. Zudem soll die systemübergreifende Geschwisterkindbefreiung wegfallen. Die greift bislang, wenn ein Kind in der Kita betreut wird und eines in der OGS. Dann muss nur für ein Kind gezahlt werden. Bleiben soll die Befreiung innerhalb eines Systems: Wenn zwei Kinder zeitgleich in der Kita oder zeitgleich in der OGS betreut werden, dann muss nur für ein Kind gezahlt werden.

Iserlohn und Ennepetal wollen Elternbeiträge ganz abschaffen

Der Wegfall der systemübergreifenden Befreiung plus die Beitragserhöhung wird Familien empfindlich treffen. Musterrechnungen der Stadt gehen bei einem Bruttoeinkommen von 40.000 Euro von satten 87 Euro mehr im Monat aus.

Bei Karina Hölterhoff und ihrem Mann Torben geht der vierjährige Sohn schon in die Kita, die eineinhalbjährige Tochter soll ab Sommer betreut werden. Vater Torben arbeitet ganztags, Mutter Karina ist derzeit stundenweise als medizinische Schreibkraft tätig und möchte ab Herbst gern länger arbeiten. Doch sie überlegt jetzt bereits, ob sich das lohnen wird: „Nur zu arbeiten, um die Kinderbetreuung zu zahlen, das kann es doch nicht sein.“ Zumal Hagen schon jetzt teurer sei als viele Nachbarkommunen: „Bekannte sind nach Schwerte gezogen“, so die 27-Jährige: „Die Kita-Gebühren sind günstiger, die Hundesteuer auch.“

Nachbarstädte fahren anderen Kurs

Und tatsächlich: Schaut man auf Hagens Nachbarstädte, dann sind schon vor der geplanten Erhöhung die Hagener Beiträge recht hoch (siehe Grafik). Und in den meisten gibt es auch die systemübergreifende Geschwisterkindbefreiung zwischen Kita und OGS – und dort soll sie auch bleiben.

Auch sonst fahren Nachbarstädte einen anderen Kurs. So etwa Ennepetal. Dort wurden die Elternbeiträge um die Hälfte gesenkt, und sie sollen ganz wegfallen. Auch Iserlohn hat sich dieses Ziel gesetzt. Derzeit wird an den Details gearbeitet: Ab 2016 sollen die Beiträge für Kita und OGS jährlich um 25 Prozent gesenkt werden, bis sie schließlich im Jahr 2019 bei 0 Euro liegen. Und bereits beschlossen ist, dass die Beitragsfreiheit von 18.000 auf 24.000 Euro Jahreseinkommen erhöht werden soll. Zudem hat Iserlohn ein Familien-Eigenheimprogramm vorgestellt. Mit zinsfreien Entlastungsdarlehen von bis zu 500 Euro monatlich (maximal 30.000 Euro) will man junge Familien in den ersten fünf Jahren nach der Geburt eines Kindes fördern. Die, die bereits in Iserlohn wohnen. Und auch die, dorthin ziehen wollen.

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