Motto-Wochen - oder Chaos-Tage?

Bei der Abschlussfeier in Siegen ließen es die jungen Erwachsenen richtig krachen.
Bei der Abschlussfeier in Siegen ließen es die jungen Erwachsenen richtig krachen.
Foto: Rene Traut
Nicht immer enden die Abitur-Feiern in den so genannten Motto-Wochen friedlich. In Hattingen mussten sich zwei Schüler wegen Bedrohung mit einer Spielzeugpistole verantworten, in Hagen und Meschede kam es zum „Kampf“ zwischen den Gymnasien. Folge: Sachbeschädigung und viel Ärger. Doch es geht auch anders.

Hagen/Siegen/Bad Berleburg. Sie haben es verdient. 13 Jahre, bei den G8-Jahrgängen sind es nur noch 12 Jahre Schule, liegen (fast) hinter ihnen. Da darf gefeiert werden. Das hat Tradition, seit Generationen.

Doch wenn heute Abiturienten den Abschied von der Schule ­zelebrieren, hat das nicht immer das mehr oder weniger harmlose Format, dass sich Reifeprüflinge älterer Jahrgänge ausgedacht haben. Eine Aula voller Luftballons hat in der Regel nur die Puste der Pennäler gekostet, Eier, Mehl und Ketchup an der Fassade der Schule macht dagegen eine aufwändige Reinigung, wenn nicht Renovierung notwendig. Die Grenze zur Sachbeschädigung ist da schnell überschritten.

Motto-Woche oder Krawall-Tage - hat sich die Qualität der Abi-Scherze verändert? Rüdiger Käuser, Direktor des Fürst-Johann-Gymnasiums in Siegen, nimmt seine Abiturienten in Schutz. „Hier gibt es keine Auswüchse und Exzesse“, sagt Käuser, der auch Vorsitzender der westfälisch-lippischen Direktorenvereinigung ist.

Gehört habe er von Rivalitäten zwischen Schulen, zum Beispiel in Köln. Dort wurden Bengalos gezündet, Böller flogen. Dann warfen Schüler Feuerwerkskörper „gezielt“ auf Menschen, drei Polizisten erlitten ein Knalltrauma. Nach einer Prügelei kam ein Schüler in Gewahrsam. „Doch noch ist das kein Thema unter den Direktoren.“

Auch ein paar Böller wurden gezündet

Er selbst hat seine 200 Schülerinnen und Schüler gestern morgen noch einmal ermahnt. „Auf den doppelten Jahrgang wird besonders geschaut“, sagt er. Und in Siegen sind aus diesem Jahrgang fast 1500 Schüler zum traditionellen Abi-Umzug vor dem Rathaus gekommen. Dort haben sie gefeiert, friedlich und fröhlich. Auch wenn ein paar Böller gezündet wurden, womit die Szenerie eher an Chaos-Tage denn an Abi-Party erinnerte.

Rüdiger Käuser weiß, dass viele Kollegen schon vor ein paar Jahren bei den Abi-Späßen auf die Bremse getreten haben. Und auch er selbst hat bei einigen Auswüchsen eindeutig ein Stopp-Signal gegeben. Doch will Käuser den Reifeprüflingen auch ein Kompliment machen. „Was die in den Motto-Wochen auf die Beine stellen, ist schon beeindruckend.“

An seinem Gymnasium hätten sich die Schüler auf die Pausen beschränkt, weil nicht nur Mitschüler der unteren Klassen mitten in den Klausuren stecken, sondern auch noch elf Referendare zeitgleich ihre Prüfungen hätten ablegen müssen. „Es hat funktioniert“, sagt Käuser. Und: „Das, was sich da entwickelt hat, besitzt schon einen kulturellen Wert.“

Kampf der Schulen in Hagen

Doch nicht alles kann so beschrieben werden. So hat sich in Hagen ein regelrechter Kampf zwischen zwei Gymnasien entwickelt. In der Nacht von Montag auf Dienstag kam es zu erheblichen Sachbeschädigungen am Hagener Theodor-Heuss-Gymnasium. Eier flogen gegen die Fassade, Mehlbomben ebenfalls. Die Polizei ermittelt.

Eierwerfer in Meschede

In Meschede ist der „Besuch“ der Stufen 12 und 13, die in diesem Jahr ihr Abitur machen, am Mittwoch eskaliert. Schüler des Städtischen Gymnasiums rückten am Gymnasium der Benediktiner in schwarzen Anzügen und Vendetta-Masken zu einer Wasserschlacht an. Im Verlauf flogen jedoch Eier auf die Fassade und Autos wurden beschädigt.

Uta Diers, Schulleiterin des Städtischen Gymnasiums, nannte es „Vandalismus“, „Sachbeschädigung“, sagte Heinz Plugge, Schulleiter des Gymnasiums der Benediktiner. Mutwillen will aber keiner der beiden den Jugendlichen unterstellen. Die meisten Schüler hätte die Eskalation selbst erschrocken, einige hätten sich auch bereits entschuldigt.

Bewährung für Berleburger

In Bad Berleburg blieb die Randale dieses Jahr aus. Das ist durchaus erwähnenswert, weil der „Abi-Gag“ am Johannes-Althusius-Gymnasium 2012 ziemlich eskaliert war. Mehrere Schüler hatten sich mit Alkohol in Stimmung gebracht, Teller voller Tierkot in den Klassenzimmern aufgestellt, einer urinierte an eine Tafel.

Der Schulleiter, Erwin Harbrink, war darüber so sauer, dass er die Abi-Gags für immer verbieten wollte. Die Schüler protestierten und bekamen eine letzte Chance. Nach der friedlichen Aktion am Freitag ist Harbrink erleichtert: „Meine Bedenken sind ausgeräumt.“

Kreative Konkurrenz in Olpe

Am Städtischen Gymnasium Olpe bescheinigte Holger Köster, stellvertretender Schulleiter, der Abiturientia 2013 einen „besonderen Einfallsreichtum“. Offenbar habe der Doppeljahrgang zu einer außergewöhnlich kreativen Konkurrenz geführt.

Klare Regeln in Herdecke

Wolfgang Jähme, Schulleiter der Friedrich-Harkort-Schule in ­Her­decke, hat klare Regeln verhängt, „wozu auch das Alkoholverbot gehört.“ Mitte der Woche musste er alle Abiturienten noch einmal daran erinnern, welcher Kodex vereinbart war. Doch: „Nach außen sieht das alles immer so schön bunt aus, und 90 Prozent der Schüler sind auch Klasse, aber auf den Rest muss man schon gut aufpassen.“

 
 

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