Mops und AKH reden über ein Miteinander

Das Evangelische Krankenhaus Haspe, Teil der Evangelischen Stiftung Volmarsteien, könnte eine Allianz mit dem Allgemeinen Krankenhaus Hagen eingehen. Die Gespräche darüber sind eröffnet.
Das Evangelische Krankenhaus Haspe, Teil der Evangelischen Stiftung Volmarsteien, könnte eine Allianz mit dem Allgemeinen Krankenhaus Hagen eingehen. Die Gespräche darüber sind eröffnet.
Foto: www.blossey.eu
Auf dem Markt der Krankenhäuser ist reichlich Bewegung. Vor allem angesichts des Betten-Überangebots suchen die Hagener Kliniken nach Partnerschaften, um in Verbünden den Wandel zu bewältigen. Aktuell rücken die evangelischen und katholischen Häuser zusammen - sauber nach Konfessionen getrennt.

Hagen-Haspe.. Der katholische Geist in Paderborn hat’s verhindert: Die sowohl medizinisch als auch wirtschaftlich sinnhafte, ökumenische Verschmelzung von Allgemeinem Krankenhaus (AKH: 566 Betten, 1100 Mitarbeiter, 65 Millionen Euro Jahresumsatz) und Katholischer Krankenhaus Gesellschaft (KKH: 669 Betten, 1350 Mitarbeiter, 92 Millionen Euro Jahresumsatz) ist endgültig geplatzt. Doch damit hat die Kooperationsdynamik auf dem heimischen Klinik-Markt eher zugenommen.

Der mit einem 13-Millionen-Euro-Finanzzuschuss winkende bischöflich Oberhirte hat den KKH-Gesellschaftern inzwischen eine arrangierte Zwangsehe mit den katholischen Kliniken im Märkischen Kreis verordnet, die diese gerade mit äußerst gebremster Leidenschaft ausverhandeln. Parallel orientiert sich auch das AKH neu. „Wir sind mit jedem erreichbaren diakonischen Träger in der Region im Gespräch“, bestätigt Verwaltungsleiter Reinhard Tennert, dass er aktuell vor allem in Richtung Osten, aber auch nach Witten blicke. Doch sein erster Ansprechpartner ist in diesen Tagen die Evangelische Stiftung Volmarstein (ESV), zu der auch das evangelische Krankenhaus in Haspe auf dem Mops gehört.

Krisenmanagement

Dabei haben die Volmarsteiner im Moment parallel noch eine zweite, deutlich brisantere, ökonomische Zeitbombe zu entschärfen. Vor zwei Jahren übernahm die Stiftung die Evangelische Krankenhaus GmbH Dortmund mit den Häusern in Lütgendortmund (291 Betten, 330 Mitarbeiter) sowie in Hörde (145 Betten, 270 Mitarbeiter). Damals ging Markus Bachmann, kaufmännischer ESV-Vorstand noch davon aus, die beiden defizitären Häuser aus der Krise führen und zu tragenden Säulen der Krankenhaussparte – diese macht etwa die Hälfte der Stiftungsumsatzes aus – verwandeln zu können.

Ein Ziel, das sich inzwischen als Illusion entpuppte. Die tatsächlichen Verluste in der großen Nachbarstadt stellten sich für 2011 mit 3,2 Millionen Euro als doppelt so hoch wie erwartet heraus. Weitere Belegungseinbrüche und die sich akut verschärfende Marktsituation haben trotz diverser Finanzspritzen bislang eine Trendwende verhindert.

Daher will Volmarstein bis zum Sommer klären, ob entweder in Zusammenarbeit mit Banken oder Branchenpartnern das Steuer dort noch herumgerissen werden kann. Auch ein Verkauf der gerade erst erworbenen Hospitäler ist eine Option.

Bilanzzahlen im roten Bereich

Krisenmanagement pur, das natürlich auch am Mops (314 Betten, 500 Mitarbeiter, 35 Millionen Euro Jahresumsatz, 11.000 stationäre Patienten) für Unruhe sorgt. Denn in Haspe ist es ein offenes Geheimnis, dass dort die Bilanzzahlen sich zuletzt im roten Bereich bewegten. „Allerdings haben wir dort die Talsohle 2012 durchschritten und befinden uns inzwischen auf einem richtig guten Weg“, verweist Bachmann auf eine Leistungsausweitung im vergangenen Jahr von 3,5 Prozent.

Ein Trend, der sich in diesem Jahr fortsetzt. „Wir werden vielleicht schon in diesem Jahr, spätestens jedoch 2015 dort wieder schwarze Zahlen schreiben“, sendet der ESV-Vorstand optimistische Signale aus Volmarstein den Berg hinab. „Wir beobachten eine positive Entwicklung im gesamten Haus, unsere Planung geht im Moment komplett auf, und wir sehen unser Regionalkonzept mit Blick auf Hagen und den Ennepe-Ruhr-Kreis absolut bestätigt.“ Aus diesem Trend heraus fällt es Bachmann natürlich leicht, den Kontakt zu seinem AKH-Kollegen Tennert zu intensivieren.

Die beiden Zahlen-Experten, die sich auch persönlich sehr schätzen, loten gerade Gemeinsamkeiten und Unterschiede aus, tauschen Zahlenkolonnen aus und suchen nach Chancen, wie sich die beiden Träger miteinander verflechten ließen. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, macht Tennert deutlich, dass das AKH keineswegs bloß an eine Allianz mit nur einem Träger denke. „Wir könnten uns auch eine größere Geschichte – einen Verbund mit bis zu 2500 Betten vorstellen. Unser Ziel ist es, auch in Zukunft stabil in der Region zu stehen.“

Zeit der Entscheidungen

Denn die mit dem Land und den Krankenkassen gerade anlaufenden Weichenstellungen rund um den Krankenhausbedarfsplan zwingen alle Klinik-Träger dazu, sich zu positionieren. Der AKH-Geschäftsführer drückt nach der verbummelten Zeit durch die geplatzte Liebesheirat mit den katholischen Hospitälern aufs Tempo: „Ende des Jahres wollen wir Entscheidungen getroffen haben, wohin die Reise geht.“

 
 

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