Mitarbeiterin des CDU-Kreisverbands Hagen hat 42.000 Euro veruntreut

Die CDU-Kreisgeschäftsstelle an der Hochstraße in Hagen. Hier hatte die Mitarbeiterin Zugriff auf das Parteikonto.
Die CDU-Kreisgeschäftsstelle an der Hochstraße in Hagen. Hier hatte die Mitarbeiterin Zugriff auf das Parteikonto.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Eine Mitarbeiterin der CDU-Kreisgeschäftsstelle ließ über zwei Jahren 42.000 Euro von Parteikonten verschwinden. Die Hagener CDU verzichtete auf eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, um keinen Staub aufzuwirbeln.

Hagen.. Es sollte wohl alles im Verborgenen bleiben, zumindest „möglichst geräuschlos erfolgen“, wie es CDU-Anwalt Dr. Roland M. Bäcker treffend formulierte. Beim CDU-Kreisverband Hagen, in der Ortsunion Eppenhausen und der hiesigen Senioren-Union sind in den Jahren 2008 und 2009 von einer Mitarbeiterin mehr als 42.000 Euro veruntreut worden. Doch die Parteispitze steht bis heute auf dem Standpunkt: Den Staatsanwalt geht das gar nichts an.

Vollmachten für Konten

Die Frau (55), die im Gerichtsviertel wohnt und auch kirchlich engagiert sein soll, genoss unter den Hagener Christdemokraten viel Vertrauen. Sie galt als offen und freundlich. Mehrere Jahre lang – bis Ende Juni 2009 – war sie unter anderem mit der Buchhaltung für den CDU-Kreisverband sowie die Senioren-Organisation betraut. Deshalb verfügte sie über Vollmachten auf Konten der Partei. Und diese nutzte sie ebenso hemmungslos wie kriminell für Privatzwecke aus: Zum Betanken ihres Autos, für Friseurbesuche, aber auch für größere Anschaffungen.

So veruntreute sie von Mitgliedskonten des CDU-Kreisverbands Hagen fast 10.350 Euro, vom Konto der Senioren-Union gut 4600 Euro. Das Konto der CDU-Eppenhausen, deren damalige Schatzmeisterin sie war, wurde um knapp 24.000 Euro geplündert. Ein Betrag, der die betroffene Ortsunion an den Rande des Ruins brachte. Selbst in der Bargeldkasse fehlen 3227,72 Euro.

Auf 32.000 Euro sitzen geblieben

Sämtliche hier genannten Schadenspositionen ergeben sich aus einer Aufstellung von CDU-Jurist Dr. Bäcker, die unserer Redaktion vorliegt. Demzufolge hat die geschasste Buchhalterin, offenbar mit Hilfe ihrer Mutter, die veruntreute Summe noch um gut 10.000 Euro gemindert. Auf den restlichen über 32.000 Euro ist die Partei aber sitzen geblieben.

Bei ihren trickreichen Hin- und Herzahlungen ging die CDU-Buchhalterin mit so großer Raffinesse vor, dass selbst Dr. Rudolf Pesch, Kassenprüfer der Ortsunion Eppenhausen und als ehemaliger Stadtkämmerer ein anerkannter CDU-Finanzfachmann, die Machenschaften verborgen blieben: Mittels einer speziellen Software wurden Kontoauszüge gedruckt, auf denen zwar die Anfangs- und Endbeträge stimmten, die betrügerischen Abhebungen aber nicht zu sehen waren. „Dem unbefangenen Betrachter“, erklärt Anwalt Dr. Bäcker, „fielen die Manipulationen gar nicht auf.“

Beim Erbfall greift CDU zu

Als sich im Frühjahr 2009 dann Verdachtsmomente häuften und eine Unterschlagungsaffäre größeren Ausmaßes offenbar wurde, sollten die Ermittlungsbehörden trotz alledem außen vor bleiben. Stattdessen beauftragten der damalige Schatzmeister und heutige Kreisvorsitzende Christoph Purps sowie sein Stellvertreter, Sparkassen-Vorstand Rainer Kurth, die Hagener „WRT-Revision und Treuhand GmbH“ mit einem internen Gutachten.

„Wir wollten so das ganze kriminelle Ausmaß ermitteln“, erklärt Kurth heute das ungewöhnliche Vorgehen. „Wenn ein solcher Vorfall passiert, hat man schlaflose Nächte.“ Nichts desto trotz wurde die damalige CDU-Kreisvorsitzende Carmen Knollmann von ihren Schatzmeistern erst mit etwa sechswöchiger Verzögerung über die peinliche Betrugsaffäre offiziell in Kenntnis gesetzt.

Das Honorar des Wirtschaftsprüfers Dr. Thomas Weckerle, der mit der Entwirrung des CDU-Buchungsdschungels fast ein halbes Jahr beschäftigt war, kostete die Partei 1330,50 Euro. „Es hat sich trotzdem gelohnt“, betont Rainer Kurth, „denn anschließend konnten wir einen vollstreckbaren Titel erwirken.“ Weiterer Kostenpunkt: fast 5000 Euro.

Das Papier ist aber derzeit nichts wert. Die ehemalige CDU-Buchhalterin hat nämlich nicht nur ihr Parteibuch abgegeben, sondern mittlerweile auch die Finger gehoben und den so genannten Offenbarungseid abgelegt. „Doch in absehbarer Zukunft“, weiß Kurth aus sicherer Quelle, „wird sie erben. Dann greifen wir zu.“

 
 

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