Mit der Kamera durch die Hasper Hütte

Foto: WP

Haspe.. Lautlos singt der erste Kinderchor Haspes ein Lied, dirigiert von dem damaligen Pastoren Werner König und Siegfried Gras. „Da hatte Pastor Gras noch volles Haar“, erinnert sich Ulrich Gendig, der damals hinter der Kamera gestanden hat. Im Stadtgarten an der Ennepe stehen sie wie die Orgelpfeifen und bewegen die Münder. „Vertont habe ich das im Nachhinein“, erzählt Gendig. Allerdings nicht mit dem Originallied. . .

Als Hagen noch auf Super 8 filmte, hatten die Bilder zwar laufen, aber nicht unbedingt sprechen gelernt. „Dazu brauchte man ein Tonband“, so Gendig, dessen Familie das Fotografieren und Filmen in die Wiege gelegt worden war. Da die in Haspe am Steinplatz stand, finden sich auf Gendigs Bändern (1968-1981 und 1981 bis 1988) viele Eindrücke aus Haspe. Die Straßenzüge des Stadtteils – „man wusste ja nicht, ob das alles so bleibt oder sich verändert“, ergänzt Gertrud Gendig.

Insbesondere der Abriss der Hasper Hütte veränderte das Bild. Ulrich Gendig, gelernter Maschinenschlosser, arbeitete in der Arbeitsvorbereitung auf der Hütte. Mit der Schmalfilmkamera fing Gendig seine Erinnerungen – „für später mal“ – ein. Ging die Werkstätten entlang, filmte in der Kesselschmiede, den Brand eines Kühlturms, die Gebäude der Hauptverwaltung und die Strecke der Kohlebahn. „Damit bin ich auch gefahren“, weiß Gendig noch. Zugweise Schlackesand und Schlacke transportierten sie zur Kippe.

Bevor die Produktion des Riesenstahlwerks 1972 stillgelegt wurde, kündigte Gendig. Er hatte diese Entwicklung geahnt, 17 Jahre war er dabei. Das Schlimmste nach der Kündigung war, „dass ich halb Haspe nicht mehr betreten konnte.“ Das schmerzte schon. Nach und nach verschwanden die Anlagen der Hütte. Für immer festgehalten hat Gendig den Heimatdichter Otto vom Orde, der „Hoasper Gold“ deklamiert.

 
 

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