Mit der App den Bus rufen - Pläne für den ÖPNV der Zukunft

Aktuell rollen etliche Buslinien durch die Stadt. Geht es nach Dennis Weyland und Peter Detzner, könnte das gesamte System auf den Kopf gestellt werden. Sie haben dafür das Projekt "SEEMO" entwickelt.
Aktuell rollen etliche Buslinien durch die Stadt. Geht es nach Dennis Weyland und Peter Detzner, könnte das gesamte System auf den Kopf gestellt werden. Sie haben dafür das Projekt "SEEMO" entwickelt.
Foto: WP Michael Kleinrensing
  • „SEEMO“ bringt Kleinbusse auf die Straße
  • Buchung per App
  • Straßenbahn soll nur noch wenige Linien betreiben

Hagen/Lugano.. Von einer Spinnerei ist die Idee „SEEMO“ längst mehr als nur eine Kurzstrecke entfernt. Was Dennis Weyland und Peter Detzner konzipiert und ähnlich wie bei der Suchmaschine Google mit einem funktionierenden Algorithmus hinterlegt haben, könnte die Art und Weise wie Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) funktioniert künftig in Hagen revolutionieren. Und nicht nur in Hagen, sondern in allen Städten Europas. Die Hagener Straßenbahn sagt, dass man gerne mal mit Weyland und Detzner über ihre Idee sprechen wolle.

Es liegt wohl auch daran, dass Dennis Weyland aus Hagen kommt und so wie viele Tausende Menschen in dieser Stadt seine Bauchschmerzen mit dem Busverkehr hat. „Der ÖPNV ist auch in Hagen einfach nicht flexibel und schnell genug. Deshalb wird er nicht stark genutzt und es gibt immer noch zu viele Autos auf der Straße.“

Viele Kleinbusse, die per App gebucht werden

Also hat Weyland, 33, Doktor der Informatik, an seinem Wohnort Lugano in der Schweiz und an der dortigen Universität seine eigene Idee vom ÖPNV der Zukunft konzipiert, die er gerne in Hagen verwirklichen würde. Das Prinzip: Viele Kleinbusse in der Art von Großraumtaxis werden über die ganze Stadt mit festen Fahrern verteilt. Eine Fahrt darin bucht man binnen weniger Minuten per Telefon oder per App. „Der Algorithmus macht es möglich, dass Kunden innerhalb von drei Minuten abgeholt werden und in die bestehenden Routen der Kleinbusse eingearbeitet werden. Und die bereits darin mitfahrenden Kunden müssen trotzdem keine großen Zeitverluste hinnehmen.“

Nur noch die stärksten Linien

Unter diesen Bedingungen würde die Straßenbahn, die laut Weyland Betreiber der Kleinbusflotte wäre, nur noch wenige feste und stark frequentierte Linien betreiben, die auf den Hauptverkehrsachsen Hagens fahren würden und bei stoßweise starker Nachfrage auch von den Kleinbussen mit Kunden beliefert werden. Auch hinter diesem System verbirgt sich der entwickelte Algorithmus, der nicht verraten wird, der im Testsimulator aber bereits zeigt, dass er funktioniert. „Es gibt immer ein Maximallimit für die Ankunft, das niemals überschritten wird.“

Sicherlich, so Weyland, verliere man bei diesem System zunächst einmal Zeit gegenüber der Nutzung des Autos. „Aber es gibt fünf wichtige Faktoren, die das sofort wieder amortisieren“.

Denn erstens werde man direkt vor der Haustür abgeholt. Zweitens entfalle die Parkplatzsuche, weil man direkt vor dem Ziel rausgelassen werde. Drittens laufe man nicht vom Parkplatz zu seinem Ziel. Viertens werde der Verkehr auf der Straße durch die Nutzung des Systems stark reduziert, was für eine zügigere Fahrt auf Hagens Straßen sorge. Und fünftens – und das ist Weyland ganz wichtig – werde die Umwelt entscheidend und nachhaltig geschont.

"Wir hören uns das gerne an"

Wichtig sei Weyland auch, dass kein bestehendes Verkehrsunternehmen durch dieses System verdrängt werde, sondern seinen unabdingbaren Service eben nur in veränderter Form weiterbetreiben müsse. „Für die Hagener Straßenbahn ­wäre das eine absolut sinnvolle Alternative in einer Stadt in der Größenordnung von Hagen.“

In der Straßenbahn-Zentrale am Pfannenofen steht man derartigen Ideen sehr offen gegenüber. „Klar, wir können uns gerne mal zusammensetzen und darüber reden“, sagt Straßenbahn-Sprecher Dirk Thorbow.

Es sei schließlich nicht gesagt, dass das bestehende System jetzt und für alle Zeiten die optimale ­Variante sei. „Wir sind es gewohnt, in Kundenforen auch über Veränderungen zu sprechen. Wir hören uns das gerne an.“

 
 

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