Meister der Meistersinger: Granville Walker geht in Rente

Der Direktor des Dortmunder Opernchores, Granville Walker, geht in den Ruhestand.
Der Direktor des Dortmunder Opernchores, Granville Walker, geht in den Ruhestand.
Foto: Volker Hartmann
Granville Walker hat die Opernchöre in Hagen und Dortmund zu hervorragendem Ruf gebracht. Den Dortmunder Musikverein dirigiert der Engländer weiter.

Dortmund/Hagen.. Der Chor ist das künstlerische Rückgrat jeder Oper. Die Solisten und Generalmusikdirektoren kommen und gehen, während die Choristen für Kontinuität sorgen. Der Chordirektor steht in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit meist im Schatten der Dirigenten, doch von seiner Leistung hängt der Ruf des ganzen Hauses ab. Mit Granville Walker geht jetzt einer der profiliertesten Stimmen-Steuermänner in den Ruhestand. Die Opernchöre in Hagen und Dortmund hat der Brite zu hervorragendem Ruf geführt.

Walker studiert an Dortmunder Oper noch Händels „Saul“ ein

Doch in der Musik geht man niemals so ganz, verlässt kein Navigator je völlig sein Schiff. Derzeit studiert Granville Walker an der Dortmunder Oper noch Händels „Saul“ ein. Den Philharmonischen Chor des Dortmunder Musikvereins wird er auch in Zukunft leiten – alles andere würde vermutlich zu Proteststürmen führen. Und natürlich wird der 65-Jährige sich weiterhin für den Märkischen Motettenkreis Iserlohn engagieren, den er seit über 20 Jahren als Stimmbildner unterstützt: „Das macht mir wahnsinnig Spaß.“

Der Spagat zwischen Profis und Laien dirigiert den Alltag eines Chordirektors. Die Opernchor-Tenöre und -Soprane sind studierte Experten. Die Musikvereins-Sänger machen aus Liebe zur Sache mit. Walker: „Ein Laienchor ist manchmal eine Explosion von Wundern. Diese Begeisterung ist sehr erfüllend. Ich fände es schade, wenn ich nur mit Profichören gearbeitet hätte.“

Opernchor muss eine große obertonreiche Brillanz haben

Doch worin besteht das Geheimnis, die Profis zu Höchstleistungen zu führen, so wie Granville Walker es in Hagen und Dortmund viele Jahre lang gelungen ist? „Mein Bestreben war es, dass ein Opernchor eine große obertonreiche Brillanz haben muss. Und der Aspekt Intonation ist wichtig, darauf bin ich stolz, diesen Fortschritt haben wir über die Jahre gemacht.“ Jenseits des Handwerks beglückt den Musiker vor allem eine Eigenschaft seines Opernchores: „Es gibt so eine Inbrunst bei denen, dass die an etwas glauben, ein Gefühl von gemeinsamer Emotion. Deshalb liegen sie mir so am Herzen, das geben die mir zurück nach der ganzen Arbeit.“

Markson hat Granville Walker von Freiburg mit nach Hagen gebracht

Der frühere Hagener GMD Gerhard Markson hat Granville Walker von Freiburg mit nach Westfalen gebracht. „In England war ich Musiklehrer, habe privat in einem kleinen Vokalensemble gesungen und Oratorienchöre geleitet. Dann habe ich überlegt, hauptberuflich zu dirigieren und bin nach Deutschland gegangen. Erst als Chorleiter in Hagen habe ich gemerkt, dass genau dies meine Richtung ist.“

An das Hagener Theater hat der britische Gentlemen nur gute Erinnerungen. „Das Hagener Publikum ist super, es ist so loyal.“ In Breckerfeld wandert er gerne, „da habe ich mich einmal mit der Zeit vertan, bin über den Flecken Kuhfeld gelaufen und fast zu spät zur Meistersinger -Probe gekommen.“

Granville Walke ist in Westfalen verwurzelt

In seine englische Heimat zurückzukehren, ist kein Thema für Granville Walker, dafür ist er in Westfalen längst zu verwurzelt, auch wenn er die täglichen Chorvespern in den Kathedralstädten vermisst. Seine Frau arbeitet an der Essener Aalto-Oper, so dass die Walkers weiterhin ein typisches Theater-Familienleben führen werden, mit allen Höhen und Tiefen: „Meine Frau wäre so glücklich, wenn die ,Zauberflöte’ einmal nicht käme, die hat uns Weihnachten schon oft kaputt gemacht.“

Für den Chordirektor selbst wird der Ruhestand zu einer Art „Busman’s Holiday“, womit im Englischen ein Urlaub gemeint ist, in dem man genau das macht, was man auch im Beruf tut. Also wenn der Busfahrer in seinen Ferien die Kinder mit dem Bus zum Zeltlager fährt. Granville Walker wird wieder mehr Klavier spielen und als Liedbegleiter auftreten. Er wird mehr Zeit zum Komponieren finden, „gerne eine kleine Messe, die fast von einer Gemeinde mitgesungen werden kann“. Und der Meister der Meistersinger wird natürlich selber singen. Im Chor. Aus Spaß an der Freude.

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